• Kultur24. Juli 2021

    Gespräch mit der COOPERATIONS-Direktorin Elvira Mittheis über das »Festival de Wiltz«, Kulturarbeit im Norden und gelebte Inklusion

    »Unser Potential ist noch längst nicht ausgeschöpft!«

    von Alain Herman

    Seit Dezember 2020 ist die aus Österreich stammende Kulturschaffende Elvira Mittheis neue Direktorin von COOPERATIONS, einer Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht mit kommunaler und staatlicher Trägerschaft, die sich 2016 – zunächst noch gemeinsam mit der mittlerweile aufgelösten Culture Wiltz a.s.b.l. – für die Planung und Durchführung des altehrwürdigen »Festival de Wiltz« verantwortlich zeichnet.

    In die Arbeitsbereiche der COOPERATIONS a.s.b.l. fallen zudem die Programmgestaltung und Verwaltung des Kulturzentrums »Prabbeli« am Hang des Wiltzer Gruberbergs, zudem ein Kinosaal, ein Café, das Jugendbüro Éislek, der »Jardin de Wiltz«, und nicht zuletzt auch kreative Werk- und Lernstätten für Menschen mit Behinderung sowie Workshops für Kinder. In einem anderen Stadtteil von Wiltz betreibt COOPERATIONS das »Weeltzer Haus«, ein ganz spezifisches inklusives Wohnprojekt.

    Bis heute wird COOPERATIONS zumeist mit der einzigartigen Inklusionsarbeit und der mit dieser zusammenhängenden Gestaltung des »Jardin de Wiltz« oder anderer fantastisch-moderner Kunstproduktionen wie zum Beispiel den im Rahmen der »Nuit des Lampions« zu bewundernden Papierlaternen in Verbindung gebracht. Menschen mit Behinderung werden in den Einrichtungen von COOPERATIONS nicht nur zur lebensgestaltenden Kreativarbeit bzw. Arbeit im Allgemeinen angeleitet, vielmehr wird Wert gelegt auf Autonomie und Selbstbestimmung, sowohl bei der Planung der Freizeitaktivitäten als auch derjenigen des Privatlebens, ohne dass die Möglichkeit einer professionellen Betreuung wegfällt. Inklusion wird bei COOPERATIONS demnach als ganzheitlicher Prozess verstanden.

    Wer sich näher und länger bei COOPERATIONS umsieht, bemerkt, dass die hier arbeitenden Menschen immer noch ein wenig den Geist der österreichischen Künstlergruppe »Der Blaue Kompressor« atmen. Die Konzeptgruppe aus Wien begleitete in den 1980er Jahren den Bau des Wiltzer Gartens und setzte dabei auf neue Modelle kultureller Arbeit im öffentlichen sowie sozialen Raum. Die Einbeziehung von sozial benachteiligten Menschen wie zum Beispiel Langzeitarbeitslosen oder eben Menschen mit Handicap in Kultur- und Gestaltungsarbeit wurde am Gruberberg konkret.

    Die interessante Vielfalt und nicht unkomplexe Struktur des Betriebs machten für die Kulturschaffende Mittheis, die in Wien Germanistik sowie Kommunikationswissenschaften studiert hat und überdies auf eine langjährige Erfahrung im Luxemburger Kulturleben zurückblicken kann, den Reiz aus, sich für die Leitungsfunktion zu melden.

    Ein Steckenpferd der neuen Direktorin bleibt das »Festival de Wiltz«, für dessen Organisation und programmatische Gestaltung sie in ihrer Zeit als Kulturverantwortliche bei COOPERATIONS seit Oktober 2016 zuständig ist.

    Neben dem eher folkloristisch geprägten Ginsterkorso zählt das sich über einen Monat erstreckende Freilichtfestival zweifelsohne zum immateriellen Kulturerbe der Stadt Wiltz. 1953, fünf Jahre nach dem ersten Ginstervolksfest, fanden die ersten Festspiele statt. Mögen die Gründer sich zu Beginn indirekt noch etwas an den Salzburger Festspielen inspiriert haben – das erste in Wiltz gezeigte Drama war Hofmannsthals »Jedermann« –, so entwickelte das Festival unter der Leitung von Fernand Koenig im Laufe der Zeit einen ganz eigenen Esprit.

    Auf der romantischen Bühne im Schatten des Wiltzer Renaissance-Schlosses präsentierten sich seit den 1960er Jahren internationale Stars der darstellenden Kunst sowie der Musik, ob Klassik, Chanson oder Jazz, u.a. Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Miles Davis, Juliette Gréco, René Kollo, Julia Migenes oder José Carreras. Die Zahl der künstlerischen Glanzpunkte und der angesehenen Künstler ist Legion. Diese Epoche neigte sich allerdings in den späten 2000er Jahren aus ganz unterschiedlichen Ursachen langsam ihrem Ende zu.

     

    Unter Ihrem Impuls hat das »Festival de Wiltz« eine neue Ausrichtung bekommen. Inwiefern erwies sich diese als notwendig? Wollen Sie in Zukunft – trotz ihres neuen Engagements – die künstlerische Linie der Festspiele weiterhin mitgestalten?  

     

    Obgleich ich nun Verantwortung trage für sämtliche COOPERATIONS-Einrichtungen, möchte ich weiterhin die künstlerische Linie mitgestalten und zu dieser gehört natürlich insbesondere das »Festival de Wiltz«. Den Transformationsprozess dieses Festivals habe ich ja bereits in den vergangenen Jahren im Wesentlichen initiiert und begleitet. Mir ist die jahrzehntelange Tradition der Wiltzer Festspiele bewusst. Sie hatten ihre Höhepunkte, die immens waren. Persönlichkeiten – an erster Stelle seien hier Fernand Koenig und Roland Kinnen genannt – haben dieses Festival über Jahre hinweg geprägt sowie im Klassik-, Opern-, Jazz- und Theater-Bereich für eine hohe künstlerische Qualität gesorgt.

    Mit dem Entstehen neuer Kulturbühnen in ganz Luxemburg und vor allem der Zentralisierung hochwertiger klassischer Programme in den großen Kulturhäusern in Luxemburg-Stadt musste das Festival eine neue Ausrichtung bekommen, um angesichts der Konkurrenz und des qualitativ einzigartigen Angebots der Philharmonie oder des Grand Théâtre nicht obsolet zu werden.

    Eine andere Linie erwies sich bei genauer Analyse des kulturellen Umfelds demnach als unumgänglich. Das alte Konzept war auch aus Budgetgründen nicht mehr tragbar. Produktionen und Kreationen mit großem Aufwand erfordern einen hohen Etat. Gerne würden wir zum Beispiel einen renommierten Regisseur nach Wiltz einladen, um auf der Schlossbühne eine Premiere zu inszenieren, finanziell ist dies leider nicht möglich. Aufgrund dieser Tatsachen haben wir uns für eine Öffnung hin zu anderen Richtungen des Kunstschaffens entschieden, ohne das dem früheren Festival zugeneigte Publikum vollends vor den Kopf zu stoßen.

    Der Link zur Vergangenheit bleibt bestehen. Opern, Musicals, hochklassige Chanson- und Jazz-Konzerte finden sich ebenso im Programm wieder wie Indie-Rock-, Alternativ-Pop- oder moderne Folk- und Postpunk-Musik. Es handelt sich um eine breit gefächerte Mischung, die nicht einem billigen Zeitgeist frönt, sondern vielmehr der musikalischen Evolution der letzten Jahrzehnte entspricht. Beim Publikum besteht dieser Wunsch nach modernen musikalischen Richtungen durchaus, man erkennt es an den Besucherzahlen. Hinzu kommen literarische Lesungen in modernem Gewand sowie Performancekunst wie zum Beispiel der Nouveau Cirque sowie auf Kinder zugeschnittene Theater- und Musik-Programme.

     

    »Der Finsternis widerstehend« – dieser Spruch gehört zu den Leitmotiven des »Jardin de Wiltz«. COOPERATIONS vermochte mit den »Garden Sounds« der Corona-Pandemie durch ein breit gefächertes Kulturprogramm zu widerstehen. Eine neue Option für das Festival?

     

    »Garden Sounds« war für uns von COOPERATIONS ein schöner Überraschungserfolg. Im Mai des Pandemiejahrs 2020 spontan ins Leben gerufen, um dem Publikum trotz Virus Kunst in etwas kleinerem Rahmen zu bieten, entwickelte »Garden Sounds« innerhalb kürzester Zeit ein ganz eigenes Flair. Unser Veranstaltungssaal im »Brandbau«, der zwar technisch toll ausgestattet ist, wäre keine Alternative gewesen. In Covid-Zeiten ist in diesem nämlich nur Platz für zwölf Menschen. Aus diesem Grund offenbarte sich der Garten als bessere Alternative, sind hier doch mehr Menschen und größere Abstände möglich. Die Leute kamen, weil sie froh waren, dass doch noch etwas stattfindet. 2020 war gewissermaßen die Generalprobe für 2021.

    Als uns klar wurde, dass das Festival als Großveranstaltung nicht durchgeführt werden konnte, fiel nach der dritten Virus-Welle ganz schnell die Entscheidung, auch die Festspiele in ähnlichem Format – auf Programmebene freilich reduziert – stattfinden zu lassen.

    Ich denke, dass nach dem zweiten Lockdown Nachfrage und Hunger nach Kultur bei den Menschen besonders groß waren, so dass bei den Veranstaltungen im »Jardin de Wiltz« mehr Publikum vorhanden war als in den Jahren zuvor. Freilich, jetzt läuft auf kultureller Ebene vieles wieder relativ normal und es lässt sich außerdem landesweit ein ungeheuer vielfältiges Kulturangebot feststellen, was dazu führt, dass die Anzahl der Besucher etwas sinkt. Diesen Umstand sollte man aber nicht allzu negativ betrachten.

    Wir haben es fertiggebracht, ein ganz neues kulturelles Programm im »Jardin de Wiltz« zu etablieren. Alle Veranstaltungen finden im Freien statt, ob Musik, Poetry Slam oder andere Performances. Diese Serie hat ein neues Publikum angezogen, wobei uns das alte treu geblieben ist. Die gleichsam aus der Corona-Krise heraus geborenen »Garden Sounds«, also Kulturveranstaltungen für 50 bis 100 Leute im Freien, wobei diese bei Regenwetter und Kälte Unterschlupf bzw. Decken vorfinden, gilt es in Zukunft weiterzumachen. Auf diese Weise können wir für die kommenden Jahre ein interessantes Kulturprogramm für die Nordregion aufrechterhalten – trotz Gesundheitskrise.

    Der Auftrag beim Festival erweist sich natürlich als viel komplexer und umfangreicher. Das Festival gehört zu den großen, identitätsprägenden Veranstaltungen dieser Region und dementsprechend ist der Erfolgsdruck viel größer. Um dem über die Grenzregionen hinweg bestehenden Ruf gerecht zu werden und Menschen anzuziehen, sind internationale Stars notwendig. Eine Totalverlegung in den Garten ist aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich und auch nicht erstrebenswert.

     

    In welchem Maße hat die Covid19-Pandemie die Festivalplanungen beeinträchtigt?

     

    Das Festival-Programm stand ja bereits 2020 fest und vor einem Jahr wurde auch entschieden, dieses 2021 nachzuholen. Die Tickets waren ja schon im Verkauf gewesen. Drei Tage nach der Pressekonferenz im März 2020 kam es landesweit zum Lockdown und ab dem Moment war die Zeit wie eingefroren. Eine integrale Programmverschiebung auf 2021 erwies sich als unausweichlich.

    Natürlich musste letztes Jahr recht schnell mit den Künstlern verhandelt werden. Insbesondere bei den internationalen Künstlern, die an Tourneen und andere Verpflichtungen gebunden sind, musste diesbezüglich sofort angefragt werden. Glücklicherweise erhielten wir von sämtlichen Kunstschaffenden eine Zusage für 2021.

    Leider beruhigte sich die Situation auch in diesem Jahr nicht wie erwartet, so dass wir im Frühjahr wieder umdisponieren mussten, um das Festival in einem kleineren Rahmen stattfinden zu lassen. Also mussten diverse Konzerte und Produktionen erneut verschoben werden.

    Bislang haben wir auch für 2022 die Bestätigungen erhalten. Sehr komplex ist eine solche zeitliche Verschiebung bei größeren Opernproduktionen, wie zum Beispiel diejenige des Theaters Trier, also die »Hochzeit des Figaro«, die aus verständlichen Gründen nicht Corona-tauglich sein kann. Es handelt sich hierbei um eine Großproduktion mit riesigem Ensemble und Orchester, bei der es quasi unmöglich ist, die pandemiebedingten Hygienevorschriften einzuhalten.

    Dies gilt ebenfalls für große internationale Bands, die mit ihrem technischen Team anreisen. Was die Oper anbelangt, so versuchen wir das Mozart-Werk im nächsten Jahr aufzuführen. Sollte dies erneut nicht möglich sein, so haben wir für 2022 eine »Covid19-taugliche« Alternative ins Auge gefasst. Auf jeden Fall sind wir froh, gute Kontakte zum Trierer Theaterdirektor Manfred Langner zu pflegen, der sehr offen ist, was Großproduktionen »außer Hause« betrifft, so dass die Kooperation trotz der Umstände harmonisch verläuft.

    Für 2022 sind wir in puncto Großproduktionen auf dem Festivalplatz – und ich spreche hier nicht nur von Opern – ziemlich optimistisch. Mit den Lesungen, Monodramen und kleineren Konzerten im Wiltzer Garten haben wir zweifelsohne eine Erfolgsformel gefunden, die auch in Zukunft angewendet werden soll. Wir wollen es aber nicht dabei belassen, das Programm der 2022er Festivaledition wird definitiv noch erweitert und um größere Produktionen ergänzt werden…

     

    Gibt es eventuell persönliche Highlights bei der diesjährigen Auflage des Festivals?

     

    Als Programmdirektorin ist es recht kompliziert, eine konkrete Wahl zu treffen, denn an sich besitzen ja sämtliche Veranstaltungen des Festivals ihre qualitativen Vorzüge. Alle Acts sind auf ihre Weise spannend. Trotzdem versuche ich mich mal an einer subjektiven Einschätzung, wenn mir das überhaupt erlaubt ist.

    Persönlich würde ich zum Beispiel das Album-Release-Konzert des jungen Folk-Musikers Bartleby Delicate hervorheben. Zu erwähnen seien aber auch die »lokalen« Künstler und Partner. U.a. Marly Marques mit ihrer Band ist dieses Jahr zu Gast (wetterbedingt musste das Konzert leider abgesagt werden -A.H.), genauso – und hierbei handelt es sich mittlerweile um eine kleine Tradition – die Wiltzer Harmonie Grand-Ducale, mit ihren 226 Jahren die älteste Musikvereinigung des Landes, welche mit erfahrenen und jungen Musikern nach dem Motto »Esou kléngt Wooltz« ein äußerst abwechslungsreiches Repertoirekonzert gibt. Auch mit diesem lokalen Akteur gestaltet sich die Zusammenarbeit sehr offen und produktiv.

    Generell ist es für uns wichtig, auch hinter den Kulissen mit den Wiltzer Vereinen zu kooperieren, denn neben der Hilfe der angestellten Studenten können wir in der Festivalzeit auf die ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder zählen. Hieran erkennt man, welche Bedeutung das Festival für die Identität der Stadt hat.

     

    In der Vergangenheit bestand immer eine gute Kooperation zwischen öffentlichem Transport und Festival. Wird diese Tradition weitergeführt werden?

     

    In der Tat, auch in diesem Bereich kann von einer gewissen Tradition gesprochen werden. Der berühmte Festival-Zug spät abends, bei dem für die anreisenden Besucher das Ticket gratis war – für die Unkosten kam der Veranstalter auf –, ist das wohl bekannteste Beispiel. Zu den »Wiltz-Session«-Konzerten organisierte Marc Scheer, der heute für die Escher Kulturfabrik arbeitet, vor einigen Jahren ebenfalls einen Bus, um die kulturinteressierten Menschen aus dem Süden und Zentrum des Landes nach Wiltz zu bringen. Der öffentliche Transport ist seit dem vergangenen Jahr gratis und gerade deshalb gilt es, ihn auch auf kultureller Ebene noch besser zu bewerben.

    Ökologische Nachhaltigkeit bestimmt seit langer Zeit sowohl die Philosophie von COOPERATIONS a.s.b.l. als auch diejenige unserer Schwestervereinigung, der Société Coopérative, die neben vielem anderem das inklusive Restaurant »Eis Kichen« im Kulturzentrum »Prabbeli« betreibt. Um den Weg zwischen dem Bahnhof in Wiltz und dem Gruberberg, wo sich unsere Lokalitäten befinden, visuell attraktiver zu gestalten, ist ein neues inklusiv-soziales Projekt angedacht worden. Zu viel möchte ich diesbezüglich noch nicht verraten, da es noch nicht ausgearbeitet ist.

    Unser Kunstatelier plant jedenfalls, auf dieser Route verschiedene Skulpturen aufzustellen. Warum nicht auch kleinere Expos oder spontane Performances? Alles ist möglich. Ziel ist es, neben den Inklusions-, Kultur- und Unterhaltungsfaktoren ein Bewusstsein bei den Leuten für die Bedeutung des öffentlichen Transports zu schaffen.

     

    Die letzte »Nuit des Lampions« fand 2018 statt. Wird es in diesem Herbst eine Neuauflage des beliebten Kulturevents geben? Wenn ja, in welcher Form?

     

    Auf jeden Fall haben wir für dieses Jahr eine »Nuit des Lampions« eingeplant. In den letzten Monaten ist eine Covid-taugliche Version ausgearbeitet worden. Die »Nuit des Lampions« wird sich in einer neuen Form, die gleichsam aus der Corona-Situation heraus entstanden ist, präsentieren. Wir wollen die kulturellen Darbietungen auf die Gebäulichkeiten des Gruberbergs samt Garten beschränken. Dergestalt wollen wir auch von dem Massenveranstaltungskonzept wegkommen, das ganz sicherlich ein voller Erfolg war und seine Vorzüge sowie Höhepunkte hatte, unsere Kapazitäten allerdings arg überstrapazierte und zum anderen nicht mehr in Einklang mit der inklusiven Philosophie unseres Hauses war.

    Die Lampion- und Licht-Installationen, die artistischen Performances und Konzerte der neuen »Nuit des Lampions« sind für ein begrenztes Publikum von zirka 500 Leuten pro Veranstaltungstag ausgelegt. Damit spreche ich eine weitere Neuerung an, denn die »Nuit« wird nicht mehr nur an einem einzigen Abend stattfinden, sondern über eine Dauer von drei Tagen.

    Eine Art »soft opening« bildet hierbei der erste Tag mit der »Open-Air Expo«, bei der die Kunstinstallationen des Gartens im Mittelpunkt stehen sollen.

    An den zwei anderen Tagen stehen Konzerte sowie Performances auf dem Programm, so dass die Kulturinteressierten sich für einen der beiden identischen Tage entscheiden können. Auf diese Art und Weise verhindern wir zudem eine zu große Menschenansammlung auf den Pfaden und Plätzen des »Jardin de Wiltz«. Mit dieser neuen Version wollen wir dann auch in Zukunft weitermachen.

     

    Mit dem alten Feuerwehrgebäude »Brandbau«, das gänzlich renoviert wurde, besitzt COOPERATIONS einen eigenen Konzertsaal. Wie soll dieser zukünftig genutzt werden?

     

    Das »Brandbau«-Gebäude erhielt im Covid-Jahr eine neue Bestimmung, zum einen als Künstlerresidenz, zum anderen als Workshop-Ort für kleine Gruppen wie zum Beispiel die »Kannersummer«-Aktivitäten, welche unter Anleitung von professionellen Kunstschaffenden durchgeführt werden.

    Die kulturellen Events werden bis auf Weiteres in den Garten verlegt. Gewiss, der Brandbau soll ein kultureller Veranstaltungsraum bleiben. Er kann aber erst richtig wiederbelebt werden, wenn die Covid-Regeln fallen. Aber auch für die Zeit danach besteht die Idee darin, im Frühling und Sommer Konzerte usw. im Garten stattfinden zu lassen, was diesen insgesamt aufwertet, und in den kalten Monaten im »Brandbau«.

     

    Wie soll es mit COOPERATIONS weitergehen? Welche Ziele haben Sie sich als neue Direktorin gesetzt?

     

    Ich bin der Ansicht, dass die sozial-inklusive Seite von COOPERATIONS im Zusammenspiel mit der hier geleisteten Kulturarbeit einzigartig ist und in dieser Form nicht in den anderen Foyers und Kulturhäusern des Landes anzutreffen ist. Diese konkrete Philosophie muss erhalten bleiben und verstärkt werden. Die gelebte Inklusion könnte zum Beispiel im kulturellen Bereich noch ausgebaut werden. Auf umsichtige Art und Weise könnte dies durch eine noch bessere Verzahnung der innerbetrieblichen Strukturen realisiert werden. Diese Synergien gilt es dann, nach außen zu transportieren.

    Erwähnen kann man in diesem Zusammenhang das »Jugendbüro«, das im partizipativ-politischen Bereich sehr viel Bewusstseins- und Aufklärungsarbeit bei den Jugendlichen in der Region leistet. Man könnte es aber noch mehr integrieren und mit den verschiedenen Bereichen verknüpfen, wie zum Beispiel mit dem Kulturbereich.

    Auch auf Kinoebene wollen wir projektorientierter arbeiten, zum Beispiel anhand von Themenabenden, um Filmvorführungen mit Diskussionen über Inklusion, Politik, soziale Probleme und das Recht auf Kultur zu verbinden. Kurzum: Unser Potential ist noch längst nicht ausgeschöpft.

    Das Interview führte Alain Herman

     

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  • Kultur23. Juli 2021

    Kalifornische Klassiker:

    Crosby und Browne mit starken Spätwerken

    von Werner Herpell, Berlin/Los Angeles

    Als Pioniere des kalifornischen Westküsten-Sounds verkörpern David Crosby und Jackson Browne eine wichtige Ära der Popmusik der USA. Mit zwei neuen Alben polieren die Veteranen ihr Spätwerk auf. Der Ältere der beiden Singer-Songwriter glänzt besonders hell.

    David Crosby wurde 1941 in Los Angeles geboren, der sieben Jahre jüngere Jackson Browne wuchs als Kind in der Küstenmetropole auf. Es ist aber vor allem ihre Musik, die sie bis heute zu Weltstars der berühmten Westcoast-Szene macht. Ihr Sound: eine mit viel kalifornischem Lebensgefühl angereicherte Stilmixtur aus US-amerikanischem Folkrock und Country, Flower-Power-Pop und Jazz, die in den 1960er und 70er Jahren zeitweise global die Radiowellen, Charts und Kritiker-Hitparaden dominierte. 

    Man muß kein Prophet sein für die Vorhersage, daß die nun gleichzeitig erschienenen Alben der Veteranen nicht mehr dieselbe Wirkung erzielen werden wie vor Jahrzehnten ihre Meisterstücke. Wie auch? Crosbys Platten mit The Byrds oder Crosby, Stills & Nash (zeitweise auch inklusive Neil Young) sind Ikonen einer Ära; Brownes melodieseliger Songwriter-Pop von einst ist immer noch ein perfekter Soundtrack für sanfte Hippies der Seventies und danach. Beide Musiker sind schon lange Mitglieder der Rock And Roll Hall Of Fame – also eigentlich Museumsstücke.

    Und doch: David Crosby (79) poliert mit »For Free« seinen etwas verblaßten Glorienschein nun ebenso auf wie Jackson Browne (72) mit »Downhill From Everywhere«. Besonders erstaunt bei beiden betagten Herren, wie fantastisch sich ihr unverkennbarer Gesang gehalten hat.

    »Das weiß ich echt nicht«, sagt Crosby, der im Zoom-Interview der Deutschen Presse-Agentur sehr alt aussieht und sehr jung klingt, kichernd auf die Frage, welche Wundermittel seiner hellen, klaren Stimme seit über 50 Jahren helfen. »Ich tue nichts Besonderes dafür. Okay, ich rauche keine Zigaretten mehr, das hilft. Aber ich rauche natürlich Marihuana, sogar eine ganze Menge. Doch das scheint meiner Stimme eben nicht zu schaden. Solange sie so gut funktioniert, werde ich sie zur Hölle noch mal benutzen.« Ja bitte.

    Browne wiederum erzählt im Fachblatt »Rolling Stone« (Juli-Ausgabe), sein dunklerer Gesang bleibe »einfach durchs Singen« schön. Er gibt aber auch zu, vor Jahren mal »bei verschiedenen Gesangslehrern« gewesen zu sein. »Diese Sorge, wie ich so gut wie möglich singen kann, begleitet mich schon mein ganzes Leben. Und mit gut meine ich nicht stark. Manchmal ist leise besser als kraftvoll.«

    Doch was wären feinste Vocals, wie sie diese Westcoast-Helden nun schon seit Ewigkeiten zuverlässig drauf haben, ohne starke Songs? In dieser Hinsicht hat sich vor allem Grammy-Gewinner Crosby auf »For Free« selbst übertroffen – mehr noch als bereits auf seinen vier vorherigen Comeback-Platten nach langer Solo-Pause, von »Croz« (2014) bis »Here If You Listen« (2018).

    Schon das Titelstück ist eine Offenbarung der Songschreiber-Kunst. »For Free« stammt allerdings von Joni Mitchell, Crosbys ehemaliger Freundin, die er bis heute verehrt. »Ich denke, sie ist die Beste von uns allen«, sagt er dazu. »Ich liebe ihre Lieder. Sie ist eine schwierige Frau (lacht), aber eine fantastische Songwriterin, Sängerin und Musikerin. Ich kann Joni einfach nicht widerstehen.«

    Aufgenommen hat Crosby die Ballade im Duett mit der 30 Jahre alten Sängerin Sarah Jarosz, den Klavier-Part übernahm sein Sohn James Raymond. Bei dessen Erwähnung gerät der mit einem mächtigen Walroß-Schnäuzer ausgestattete Musiker im Interview erneut ins Schwärmen. »Es ist ein Geschenk, mit einem solchen Sohn gesegnet zu sein. Ich sage den Leuten gern, daß ich der glücklichste Kerl überhaupt bin. James ist zu einem Songwriter gereift, der nicht nur so gut ist wie ich, sondern manchmal sogar besser.« Mit »I Won't Stay For Long«, dem Schlußstück auf »For Free«, habe immerhin nicht er selbst, sondern Raymond den besten Songs des neuen Albums geschrieben.

    Prägnante Altherren-Kollaborationen für die zehn Folk-Jazz-Perlen ergaben sich mit dem 73-jährigen Donald Fagen (»Rodriguez For A Night« dürfte der beste Song sein, den dessen Band Steely Dan nie aufgenommen hat) und mit Michael McDonald (69), der legendären Stimme der Doobie Brothers. »Das sind alles Leute, die die Musik in ihrer echten Substanz lieben«, sagt Crosby, der immer schon gern zusammen mit Kollegen Songs schrieb. »Sie kommen nicht nur fürs Geld her.« Routiniert oder gar angestaubt klingt hier tatsächlich nichts. Und zwei weitere Alben seien schon in der Mache, kündigt der Künstler kurz vor seinem 80. Geburtstag (am 14. August) an.

    »Er ist ein feiner Songautor, ein wirklich guter Mensch, der immer versucht hat, freundlich zu sein, solange ich ihn kenne«, sagt Crosby über Jackson Browne. »Wir sind Freunde. Er liegt mir sehr am Herzen, auch wenn wir nicht miteinander abhängen, weil wir in unterschiedlichen Städten leben.«

    Auf seinem harmonischen, hochsoliden Alterswerk »Downhill From Everywhere« erreicht Browne zwar nicht ganz die Flughöhe des älteren Kollegen. Doch wer seine Fabel-Alben »Late For The Sky« (1974) oder »Running On Empty« (1977) gern hört, dürfte auch mit den zehn neuen, teils mexikanisch und spanisch angehauchten Liedern kaum fremdeln.

    Die warme Stimme des inzwischen graubärtigen Westcoast-Troubadors ist natürlich die halbe Miete. Und Songs wie »Minutes To Downtown«, »Love Is Love« oder das (wie so oft beim Altlinken Jackson Browne) politisch aufrüttelnde »Until Justice Is Real« vermitteln das Gefühl, einem klugen Freund zu lauschen. Am Ende widmet er seiner Wahlheimat den sonnigen »Song For Barcelona«. Nein, entgegen dem pessimistischen Albumtitel geht es mit diesem Singer-Songwriter keineswegs bergab.

    (dpa)

     

    (Foto: --/Warner Music/dpa)

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  • Kultur22. Juli 2021

    A la Charly’s Gare à Hostert jusqu’au 25 juillet

    Exposition très vivante et expressive de Miriam R. Krüger

    de Michel Schroeder

    Chapeau Miriam ! Nous avons été fort positivement impressionnés par ton exposition qui se déroule à la Charly’s Gare à Hostert (1, rue de la Gare Hosert, Commune de Niederanven). Point de départ de très nombreuses promenades thématiques, Hostert est un village posé dans un magnifique écrin de verdure. Une promenade, la visite de l’exposition ou alors vous prenez la route pour Hostert dans le seul but de voir cette exposition de l’artiste pluridisciplinaire Miriam R. Krüger. Ce sera toujours une belle sortie dont vous garderez de précieux souvenirs.

    Charly est ce train légendaire, à voie étroite, qui circulait de 1904 à 1954 sur la ligne Luxembourg-Echternach. Dans toute la région vous verrez maints endroits où ce train passait, transformés en piste cyclable, ainsi qu’en chemin de promenades. Ci et là subsistent quelques bribes de rails.

    À Hostert il y avait une gare destinée aux passagers de ce train. Une très belle gare, très bien entretenue. C’est là que notre amie l’artiste Miriam expose des dessins, des photographies, ainsi que de la poésie.

    Dimanche le 25 juillet sera le dernier jour de l’exposition, ouverte de 14 heures à 19 heures.

    Dès le mois d’août, il vous sera possible de voir les travaux de Miriam R. Krüger exposés au Concept Store Jacques Schneider, situé au 25, Boulevard F.W. Raiffeisen L- 2411 Luxembourg Cloche d’Or.

    Une artiste qui ne nous laisse pas indifférents !

    Sur des feuilles de journaux, l’artiste a crée une série sur laquelle elle a dessiné de petites personnages. Il s’agit le plus souvent d’une petite fille afin d’exprimer la fragilité de l’existence.

    La robe que vous allez voir a été réalisée en papier. Il s’agit d’un projet de poésie visuelle. Quelque part il est écrit sur l’une des bandelettes de papier « J’ai perdu ma tête par amour», «Vivre avec le cœur en dehors» ou encore «Etouffée par mes peurs».

    En visitant cette exposition vous arriverez à la conclusion évidente que l’artiste a souffert dans la vie, qu’elle a été étouffée par ses peurs et qu’aujourd’hui elle est encore étouffée par des peurs. Quand on a connaissance de tout ce qui lui est arrivé, on comprend plus aisément tout ce qu’elle transmet à travers ses œuvres. Ainsi que, pourquoi elle participe et organise tant d’événements que je vais présenter plus loin. Il lui faut, en tout cas, avoir un grand cœur pour ainsi offrir aux autres artistes et poètes, de si nombreuses plates-formes sur lesquelles ils ont la possibilité de s’exprimer.

    «J’aime réaliser mes Anges de façon très épurée et minimaliste», nous a-t-elle dit. Les dessins de l’artiste traduisent beaucoup d’émotions, de sentiments. Ils ne nous laissent pas indifférents.

    Avec ses créations, bien souvent Miriam nous entraîne dans une tempête d’émotions. Il est vrai que c’est souvent noir, avec des doses dépressives, mais cela est utile à la transmission de ses messages.

    La poésie est terrain d’échange et de partage

    Alors qu’elle était au Lycée, au Pérou, Miriam R. Krüger a montré les textes qu’elle écrivait à l’époque à sa professeur de littérature. Cette dernière l’a soutenue.

    Puis on lui a conseillé de trouver un lien, un pont entre ses dessins et l’écriture. Ce qu’elle a fait et ce qu’elle réussit très bien aujourd’hui. Le tout se complète à merveille !

    Aujourd’hui elle écrit dans plusieurs langues, le français, l’italien, l’espagnol et l’anglais. Suivant les pistes sur lesquelles son inspiration pérégrine, elle se sent parfois plus à l’aise dans une langue, parfois dans une autre ;

    Pour la poétesse Miriam Krüger, la poésie est quelque chose de très vivant que l’on ressent. En aucun cas la poésie ne doit être destinée à une élite. La poésie est terrain d’échange et de partage.

    L’une des plus grandes qualités

    Une artiste au grand cœur

    Miriam R. Krüger est particulièrement active dans de nombreux domaines. Pour ne citer que l’un ou l’autre exemple, elle a conçu et développer le projet «Sorority, Artistes femmes», ayant pour but d’apporter plus de visibilité aux artistes femmes. Grâce à ce projet, Miriam a montré le travail de 21 artistes, peintres, sculptrices, illustratrices, performes. La vidéo a été présentée dans le cadre de «Cri de Femmes 2021». Elle a obtenu le certificat d’appréciation, en mars 2021, de Jael Uribe, République Dominicaine pour son soutien inconditionnel à leur cause. «Cri de Femmes» a été créé pour dire STOP à toutes sortes de violences envers les femmes.

    A Vittel, elle a travaillé avec un groupe de malade.

    Lors du 19ème Salon du Livre et des cultures, au CLAE elle a tenu, ensemble avec Florent Toniello, une conférence qui portait le titre «La poésie dans tous ses états». Conférence proposée par Femmes Poètes International. L’année suivante, elle a tenu, ensemble avec les poétesses Carla Lucarelli et Corina Moscovich, la conférence «Être femme et poète».

    Dans le cadre du Beaufort Festival elle a donné vie à ses poèmes en créant sa Créature émotionnelle.

    À l’occasion de la troisième édition de Tous unis dans un même cri », plus de deux cents personnes ont, grâce à Miriam, eu la possibilité de s’exprimer.

    Dans le cadre de son projet Fan de, 33 artistes ont raconté leur situation en période de Covid 19 au Luxembourg.

    Miriam R. Krüger a également participé au projet dans le cadre du vingtième anniversaire du «Meederchershaus».

    Bon vent à tous les projets de Miriam R. Krüger !

     

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  • Kultur22. Juli 2021

    Liverpool verliert Status als UNESCO-Weltkulturerbe

    von dpa/ZLV

    Die englische Küstenstadt Liverpool gehört nicht länger zum Weltkulturerbe der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO). Bei seiner Sitzung am Mittwoch in der chinesischen Stadt Fuzhou votierte das UNESCO-Komitee mit 13 zu fünf Stimmen dafür, der Stadt ihren Status als Weltkulturerbe abzuerkennen. Der außergewöhnliche Wert des historischen Hafengebietes werde durch viele Bauprojekte beschädigt hieß es zur Begründung.

    Liverpool ist bereits die dritte Welterbestätte, die von der UNESCO-Liste gestrichen wird. Zuletzt verlor das Elbtal der deutschen Stadt Dresden wegen des Baus einer Brücke seinen Status als UNESCO-Welterbe. Die erste Streichung gab es 2007 für Oman wegen der Verkleinerung des Wildschutzgebietes für die äußerst seltenen Arabischen Oryx-Antilopen.

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  • Kultur20. Juli 2021

    Tränen und Triumph in Cannes:

    Goldene Palme für Horrorfilm einer Französin

    von Aliki Nassoufis, Cannes

    Das war wirklich überfällig. Mit dem Horrorfilm »Titane« gewinnt die Französin Julia Ducournau bei den 74. Internationalen Filmfestspielen Cannes die Goldene Palme – und ist in der Geschichte des Festivals damit die erst zweite Frau, deren Werk mit der Goldenen Palme geehrt wird. Das gelang zuvor nur der Neuseeländerin Jane Campion, die 1993 für »Das Piano« die höchste Auszeichnung bekam. Denkt man nun noch an den dreifachen Oscar-Erfolg für Chloé Zhaos »Nomadland« vor einigen Monaten, dann könnte dies endlich das Jahr der Regisseurinnen werden.

    Bemerkenswert ist die Auszeichnung für die 37 Jahre alte Ducournau aber auch deswegen, weil ihr Film eine solche Herausforderung und Provokation ist. Im Mittelpunkt von »Titane« steht Alexia, die schon als Kind ihren eigenen Kopf durchsetzen will. Aus ihr wird eine selbstbewusste Frau, die nach ihren eigenen Regeln lebt. Sie ist aber auch eine Serienkillerin, die nach Sex mit einem Auto schwanger wird und sich später als Mann ausgibt, um der Polizei zu entkommen.

    Er habe in seinem Leben schon viele Filme gesehen, sagte Jury-Präsident Spike Lee nach der Preisverleihung am Samstagabend. »Dies ist aber der erste Film, in dem ein Cadillac eine Frau schwängert. Das hat mich umgehauen. Das sind Genie und Verrücktheit kombiniert.«

    Tatsächlich fasziniert »Titane« mit seiner wilden Mischung aus Horror und Fantasie, mit dem Zersprengen von Geschlechterrollen, der Kritik an stoischer Männlichkeit und dem Feiern von weiblicher Stärke. Blut spritzt, Motoröl tropft aus prallen Brüsten und im Rhythmus des Hit-Songs »Macarena« wird jemand wiederbelebt: Bizarrer, unerschrockener und energiegeladener geht es kaum. Völlig zu Recht wurde Ducournau nach der Preisverkündung mit minutenlangen Standing Ovations gefeiert - und musste unter Tränen erst einmal um Fassung ringen.

    Trotz ihres großen Triumphs stahl ihr allerdings Spike Lee fast die Show. Denn der 64-Jährige war nicht nur der erste schwarze Präsident einer Cannes-Jury. Der Regisseur verriet den Gewinnerfilm versehentlich auch viel zu früh. Als ihn die Moderatorin zu Beginn der Abschlussgala auf Französisch fragte, welches der erste Preis sei, der verkündet werden solle, antwortete der US-Amerikaner: »Der Film, der die Goldene Palme gewonnen hat, ist "Titane"« – die anderen Jurymitglieder zuckten sichtbar zusammen, ließen sich aber sonst wenig anmerken. Erst später, als dann wirklich die Goldene Palme verkündet war, wurde klar, dass Lee zuvor etwas voreilig gewesen war.

    Zu den Gewinnern des diesjährigen Festivals zählt außerdem die Norwegerin Renate Reinsve. Die 33-Jährige wurde bereits nach der Premiere von Joachim Triers »The Worst Person in the World« gefeiert, der auf originelle Weise von den Lebens- und Liebeswirren einer jungen Frau berichtet, und nahm am Samstag – ebenfalls unter Tränen – die Auszeichnung als beste Schauspielerin entgegen.

    Ein Großer Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an »Hytti No 6«, in dem der Finne Juho Kuosmanen von einer ungewöhnlichen Zugreise durch Russland erzählt. Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul, der mit »Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben« einst eine Goldene Palme gewann, wurde für seinen meditativen Bilderfluss »Memoria« mit einem Preis der Jury geehrt.

    Mit ihren Entscheidungen würdigte die Jury weniger politische oder gesellschaftskritische Werke, sondern legte Wert auf cineastische Visionen und Filme mit einer eigenen Handschrift. Von denen hatte es im Wettbewerb einige gegeben, immerhin war der mit 24 Beiträgen voller als andere Jahrgänge. Nicht alle konnten dabei überzeugen, letztendlich aber sorgte die offizielle Auswahl für zahlreiche Stars auf dem roten Teppich - und machte zugleich klar: Nach langer Corona-Pause meldet sich die Filmbranche endlich wieder zurück.

    (dpa)

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  • Kultur17. Juli 2021

    «Pour Élise» : Une Luxembourgeoise à Paris

    de Giulio-Enrico Pisani
    Qui n’a pas vu le film «Un Américain à Paris» de Vincente Minelli avec Gene Kelly, ou la comédie musicale qui en fut tirée en 2015? Eh bien moi! Il est vrai que j’en ai entendu parler à satiété, de ce titre devenu presque mythique. Cependant peu attiré par les «musicals» chatoyants et clinquants genre Hollywood-Broadway, je n’ai vu ni l’un ni l’autre. Par contre, rien de plus réel, humain, attachant, proche de nous, que l’histoire d’Elisabeth Hack, d’avantage couronnée qu’historiquement illustrée par la collection Hack, que nous présente aujourd’hui le Musée Vauban (1). Attiré par le romantisme du titre évoquant le «Für Elise» de Beethoven, je m’y suis précipité, bien sûr, dès son annonce. En effet, à ma connaissance, aucun scénariste, metteur en scène, ni même écrivain, n’a donné son encre et son temps pour écrire sur ce qui aurait sans doute fait un grand roman intitulé «Une Luxembourgeoise à Paris». (2)

    C’est ainsi que, peu après l’inauguration de la nouvelle exposition permanente du Musée Vauban, la «Petite tournée des grands siècles» présentée en juin, me revoilà avec un nouveau voyage dans le temps, certes plus modeste, puisqu’à travers les fenêtres du train Vauban, il vous donne juste un aperçu sur l’art à la Belle Époque. Toutefois cet aperçu, nécessairement limité du fait qu’il porte sur une collection privée plus riche en charme qu’en prétentions, se révèlera vite, à vos yeux, plus proche de nous que du grand Paris des arts fin 19ème – début 20ème. Comment? Je vous accompagnerai, amis lecteurs; mais ce sera à vous de le découvrir. Et pour commencer, donc avant de plonger avec moi dans l’atmosphère de cette nouvelle expo, apprenez déjà comment la collection Hack s’est constituée en lisant l’essentiel de l’intéressante présentation mise en ligne par le Musée Vauban.

    «Pour Élise», nous apprend-on, «c’est l’histoire insolite d’une jeune émigrée luxembourgeoise et modeste domestique qui, vers la fin du 19e siècle, pénètre dans le monde de l’art parisien et assemble une petite collection qu’elle lèguera plus tard à la Ville de Luxembourg. L’exposition à la Villa Vauban est l’occasion de situer, pour la première fois, aussi bien la vie d’Élise Hack que sa collection dans leurs contextes historiques et artistiques. Née à Echternach en 1860, Élisabeth Hack, à l’instar de nombreuses jeunes femmes de son époque, quitte son pays natal à l’âge de 20 ans pour travailler en tant que bonne à Paris. Vers 1880, elle trouve un emploi chez Henry Havard (1838–1921), célèbre critique et historien de l’art ainsi qu’inspecteur général des Beaux-arts. Elle vivra avec lui jusqu’à sa mort et s’éteindra elle-même à Paris en 1933.

    Henry Havard, très présent sur la scène artistique et membre du jury de nombreuses expositions, fit la rencontre de beaucoup d’artistes et se lia d’amitié avec nombre d’entre eux. Impliquée dans la vie personnelle et professionnelle d’Havard et grâce à son soutien, Élise Hack put intégrer la vie artistique parisienne de l’époque. Des dédicaces à son attention sur plusieurs tableaux qu’elle avait reçus témoignent des relations amicales qu’elle entretenait avec certains artistes. (…) En 1922, elle fait don à la Ville Luxembourg de 16 peintures à l’huile, 9 aquarelles, 4 dessins, 13 gravures et 4 sculptures en terre cuite. Les artistes représentés dans cette collection à caractère très personnel appartiennent, d’après les auteurs Gérald Schurr et Pierre Cabanne, au groupe des «Petits Maîtres de la peinture». L’expression s’applique à un grand nombre d’artistes français actifs entre 1820 et 1920 qui, selon Cabanne, «ont négligé une éventuelle reconnaissance, ignoré l’argent, méprisé les diktats des marchands et les jugements de la critique, les aléas du commerce, choisi la liberté.». De leur vivant, ils formaient néanmoins l’élite académique et artistique à Paris, exposaient aux Salons et recevaient beaucoup de commandes officielles.

    Les genres et sujets présents dans les œuvres² sont très différents: natures mortes, tableaux historiques, paysages ou encore portraits d’enfants. Parmi ces artistes, on peut citer notamment Jean-Baptiste Olive (1848-1936) et Jean Laronze (1852-1937), spécialisés dans la peinture de paysages, Jean-Jules-Henri Geoffroy (1853-1924), nommé «peintre officiel de l’école» par le ministre de l’instruction publique ou encore Félix Bracquemond (1833-1914) et Léopold Flameng (1831-1911), considérés comme des pionniers du renouveau de la technique de la gravure en France. En complément, l’exposition compte des tableaux ayant appartenu à Henry Havard, conservés au Musée des Ursulines de Mâcon ainsi qu’une sélection d’autres oeuvres des artistes présents dans la collection, provenant de différents musées français, afin de mieux mettre en avant l’effervescence artistique parisienne de l’époque.».

    Effervescente à Paris, l’époque, elle l’était, sans aucun doute. Mais ici on est bien loin de cette célèbre brillance, car notre expo n’affiche, elle, rien de voyant, de grandiose, de chatoyant, de tape-à-l’œil. Je dirais qu‘elle a été principalement rassemblée par un couple d’amateurs d’art soucieux de finesse et de qualité dans le registre intimiste, quasi-confidentiel. Deux connaisseurs, certes, mais surtout des amateurs cherchant à embellir leur intérieur. Message compris par le musée Vauban, qui vous invite à pénétrer cette fois à gauche de l’entrée dans le Paris d’une Belle époque – disons – discrète: ambiance feutrée, intime, de petite salle «privée» d’un (grand?) café. On y cause Expo universelle, Tour Eiffel, canal de Panama, d’un soulèvement touareg, de la sortie du prochain tome des Rougon-Macquart, Porte de l'Enfer de Rodin, des dernières créations de Courbet et sur la disparition de son «Origine du monde» après que les Frères Goncourt aient renoncé à l’acheter. De toute manière, je ne pense pas qu’Henry Havard ou Elisabeth Hack s’y seraient intéressés» (sourire).

    Une fois fini d’évoquer le 19ème siècle, nous pouvons, ou plutôt vous pouvez passer aux trois salles d’exposition proprement dites: salle Dilly, salle Sicard Bergeret et salle Laronze – Zwiller, pour enfin plonger dans l’ambiance artistique petite-bourgeoise de cette époque que l’on a baptisée «belle» (cela dépend pour qui). Mais belles, elles le sont, la plupart des oeuvres d’art que vous pouvez admirer aujourd’hui au musée Vauban, ou en tout cas charmantes, intéressantes. Il n’y a pas le moindre doute, même si, à part quelques toiles intimistes, elles restent en marge des grands courants artistiques du temps. Quelques-unes parmi elles méritent d’ailleurs particulièrement (je n’ai pas dit exclusivement) votre attention, non seulement par la qualité de leur exécution, mais également par le choix de leurs sujets et la subtilité de leur mise en scène.

    Voici, pour commencer, un tableau de Jean-Jules-Henry Geoffroy, le charmant «Vase de fleurs», dont le musée affiche d’ailleurs la photo un peu partout où l’on peut lire «Pour Élise». Notons tout de même que l’œuvre n’est pas particulièrement typique de cet artiste. J’aime aussi beaucoup des toiles comme «La liseuse» (3) et la «Tête de jeune fille» du peintre alsacien Marie-Augustin Zwiller, qui sont non seulement très caractéristiques de l’artiste, mais aussi plus significatives de l’expo et de son intimisme, style de l’époque ainsi nommé par l’historien d’art Camille Mauclair. Reste que mes préférées sont «Les laveuses» de Jean Laronze, qui marie harmonieusement travail et nature, ainsi qu’«Une cour à Rome» de Georges Hippolyte Dilly, qui me rappelle certains recoins «secrets» de ma ville natale.

    Il me reste à vous recommander une paroi consacrée aux représentations d’enfants, que représentent par exemple fort bien les études de Pierre-Victor Galland et l’aquarelle de Henri Jules Jean Geoffroy, comme l’illustre aussi par d’autres tableaux de l’expo, le bel article Guy Thewes pour«Ons Stad», le magazine de la ville. (4) Et n’hésitez pas enfin à vous ménager quelques pauses lecture devant les documents et objets d’époque, qui vous permettent d’encore mieux vous y promener, de même que face aux textes explicatifs. De toute manière, une visite guidée est fortement à recommander. Et moi de vous souhaiter à présent d’heureuses retrouvailles avec (qui sait? peut-être votre lointaine cousine d’Echternach) Elisabeth Hack!

    ***

    1) Musée d’art de la ville de Luxembourg, Villa Vauban, 18, Avenue Emile Reuter.  Fermé le mardi, ouvert vendredi de 10 à 21 heures et tous les autres jours de 10 à 18 heures. Expo «Pour Elise» jusqu’au10 octobre.

    2) De nombreux articles et études traitent par contre le sujet, comme recensé dans les notes d’un article de Christine Müller sur «les domestiques luxembourgeoises à Paris au milieu du 19ème siècle» dans «Migrations Société» 2010/1, N° 127, pages 73 à 86, v. https://www.cairn.info/revue-migrations-societe-2010-1-page-73.htm

    3) Le tableau «La Liseuse» ne fait partie de la collection Hack, mais appartient au Musée Sundgauvien-Altkirch qui l’a prêté au Musée Vauban.

    4) À visionner sur https://onsstad.vdl.lu/fileadmin/ausgaben/123/Ons-Stad_123_2021_57-62.pdf

     

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