72.300 Luxemburger ohne Urlaub
Es zählt nicht zu den Aufgaben des Institut national de la statistique et des études économiques (Statec), über die großen Kapitalisten in Luxemburg aufzuklären. Kapitalismuskritik ist Neid. Namen werden schon gar nicht genannt. Die kommen aber von privater Seite. Zum Beispiel vom französischen Unternehmensberater Capgemini. Der gibt an, von 2016 bis 2023 habe sich die Zahl der im Land wohnhaften Millionäre um fast ein Fünftel auf 47.110 erhöht.
Genauer: Bei 91,2 Prozent dieser Millionäre handle es sich um Personen mit einem »investierbaren Privatvermögen« – v.a. Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Pensionen und Lebensversicherungen – von einer Million bis fünf Millionen US-Dollar. Sie werden in Finanzkreisen als »High-Net-Worth Individuals«, kurz HNWI geführt. Zur den Millionären »mittlerer Kategorie« mit jeweils fünf Millionen bis 30 Millionen US-Dollar auf der hohen Kante (Very-High-Net-Worth Individuals, VHNWI) gehören laut Capgemini hierzulande 3.870 Personen, die 8,2 Prozent aller in Luxemburg ansässigen Millionäre ausmachten. Von den Ultra-High-Net-Worth Individuals (UHNWI) mit jeweils mehr als 30 Millionen US-Dollar zum Investieren hat das Großherzogtum demnach 280 aufzuweisen.
Von Luxemburgs einzigem tausendfachen Millionär nennt die Wikipedia sogar den Namen: Michael Gans. Der in New York geborene »Großinvestor«, der neben der US-amerikanischen auch die luxemburgische Staatsbürgerschaft besitzt, und sein Leben schon seit Jahren vornehmlich in Baar im Schweizer Kanton Zug genießt, soll neben Gewerbeimmobilien in London, Manchester, Dublin und Luxemburg-Stadt rund ein Viertel der Aktien an der Supreme Group halten, einem Logistikunternehmen, das im USA-Krieg gegen Afghanistan von 2001 bis 2021 Vertragspartner des Pentagon war und damit jedes Jahr Einnahmen in Milliardenhöhe erzielte. Gans wurde 2024 in die vom US-amerikanischen Magazin »Forbes« herausgegebene Liste »The World’s Billionaires« aufgenommen, weil er damals nach Angaben des Magazins 1,2 Milliarden US-Dollar besaß.
In kapitalistisch verfaßten Gesellschaften, in denen also eine Klasse den Großteil der Produktionsmittel besitzt, entspricht der Akkumulation von Reichtum stets die Akkumulation von Armut (vom regierungsamtlichen Statec verharmlosend als »Armutsgefährdung« heruntergespielt). Also war in dieser Woche die Mitteilung von Eurostat, dem Statistikamt der EU, in Luxemburg habe sich die Zahl der Einwohner, die sich noch nicht einmal eine Woche Urlaub pro Jahr leisten können, erhöht. Habe ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2024 erst 8,9 Prozent betragen, so seien es 2025 bereits 10,6 Prozent gewesen.
Selbstredend liefert auch Eurostat keine absoluten Zahlen, doch die seien hier nachgereicht: 2024 hatte Luxemburg laut Statec 672.050 Einwohner, so daß sich davon also rund 59.800 keine einwöchige Urlaubsreise leisten konnten. Ein Jahr später waren es bei 681.973 Einwohnern demnach circa 72.300, die eine Woche Urlaub nicht bezahlen konnten. Das waren 12.500 mehr mit unerfüllten Urlaubswünschen.

