Kaleidoskop05. September 2026

Zwei Arbeiter in Nepal nach neun Tagen gerettet

von dpa/ZLV

Kathmandu – Neun Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja haben Rettungskräfte in Nepal zwei Arbeiter lebend aus einem Tunnel eines Wasserkraftwerks geborgen. Es handle sich um einen 30-Jährigen und einen 45-Jährigen, teilte die Armee am Freitag in Kathmandu mit. Auch der Betreiber der Anlage Trishuli 3A bestätigte die Rettung der Arbeiter.

Beide würden in die Hauptstadt geflogen, sagte ein Sprecher. Ihr Zustand sei nach den ersten Eindrücken stabil. Einer der beiden geretteten Arbeiter könne seine Arme und Beine nicht mehr bewegen, die Verletzungen des anderen seien nicht kritisch, hieß es weiter aus dem Büro von Energie-, Wasserressourcen und Bewässerungsminister Biraj Bhakta Shrestha.

Nepalesische Fernsehsender zeigten Bilder eines geretteten Arbeiters, der mit Schlamm bedeckt war. Die Armee veröffentlichte Videoaufnahmen der Rettung. »Ich kann nicht erklären, was wir im Moment fühlen. Wir sind einfach nur Gott dankbar«, sagte der Bruder eines geretteten Arbeiters. Die Familie sei nun auf dem Weg ins Krankenhaus, um ihn zu sehen. Nepals Kommunikations- und Informationstechnologieminister Bikram Timilsina sagte, es gebe weiter Hoffnung, noch mehr Arbeiter retten zu können.

Die Sturzflut aus dem Gletschergebiet im Himalaja-Hochgebirge hatte mehrere Wasserkraftanlagen völlig zerstört, von denen sich einige noch im Bau befanden. Es werden noch immer Hunderte Arbeiter vermißt, die in den Tunnelsystemen der Anlagen vermutet werden. Bei der Katastrophe kamen in Nepal und im angrenzenden chinesischen Autonomen Gebiet Tibet aktuellen Angaben zufolge mehr als 1.300 Menschen ums Leben, die Zahl der Vermißten geht in die Tausende.

Ursache der Katastrophe war nach Einschätzung von Fachleuten ein Gletscherabbruch am mehr als 7.000 Meter hohen Berg Langtang Lirung in Nepal. Eine dadurch ausgelöste gigantische Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Geröll schoß durch enge Flußtäler und riß auf beiden Seiten der Grenze Häuser, Straßen und Menschen mit.

Die Sturzflut hatte ganze Ortschaften zerstört. In Nepal verursachte sie nach vorläufigen Angaben der nationalen Behörde für Katastrophenschutz Sachschäden in Höhe von ‌mindestens 2,56 Milliarden US-Dollar. Rund 20.000 Häuser müßten wieder aufgebaut werden, davon seien mindestens 7.500 völlig zerstört worden.