Abfindung statt Arbeitsplätze
Das Ford-Werk Saarlouis steht vor dem Aus
Im Juli waren rund 1,2 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs. Bis 2030 sollen es 15 Millionen sein. Das dürfte aber Wunschdenken bleiben, denn die Nachfrage ist gering. Gleichzeitig gibt es mit Tesla und dem chinesischen Autobauer BYD auf dem E-Auto-Markt neue Konkurrenz für die hiesigen Produzenten.
BYD und Tesla sind die weltweit führenden Hersteller von Elektroautos. Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Belegschaften im Zuge des »grünen Umbaus« der Autoindustrie. Sparkurse, Entlassungen (wie zuletzt am VW-E-Auto-Standort in Zwickau) und Werksschließungen stehen auf der Tagesordnung.
Auch der US-amerikanische Autobauer Ford und seine Deutschland-Tochter, Ford-Werke GmbH stellen auf »Elektro« um. Im Juli wurde im Kölner Werk die Produktion des Verbrenner-Kleinwagens »Fiesta« eingestellt. Ab 2024 soll dort ein Elektro-SUV gebaut werden.
Das Ford-Werk Saarlouis, wo aktuell der »Focus« vom Band rollt, spielt in den Zukunftsplänen keine Rolle. Der US-amerikanische Konzern wird im Saarland ab 2025 keine Autos mehr bauen. Seit dem Bekanntwerden des Ausstiegs von Ford ist unklar, was mit Belegschaft und Gelände künftig passiert. Verschiedene Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sollen interessiert sein, das Werk zu kaufen, darunter auch BYD aus China.
Die IG Metall hoffte auf einen »großen industriellen« Käufer. Im Juli wurde es konkreter: »Neuer Investor soll Ford-Gelände in Saarlouis bis Ende 2023 übernehmen«, titelte die »Saarbrücker Zeitung«. Wer der Interessent ist, wurde nicht öffentlich gemacht. Den Hoffnungen auf eine »großindustrielle Zukunft« folgte am Donnerstag vergangener Woche die Ernüchterung. Auf einer lange erwarteten Betriebsversammlung wurde bekannt gegeben: »Übernahme gescheitert«. »Die Gespräche mit dem Ankerinvestor sind zu einem Ende gekommen und werden nicht fortgeführt«, sagte Ford-Deutschland-Chef Martin Sander dem »Handelsblatt«.
Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) bemühte sich, Ford die Schuld am Scheitern in die Schuhe zu schieben. Die Landesregierung – die an den Verhandlungen beteiligt war – könne »nur Rahmenbedingungen setzen«. Er verwies auf »ein Paket in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags«, das man »auf den Tisch gelegt« habe.
Dem großen Knall am Donnerstag folgte schon am Wochenende eine kleine Kehrtwende. Wie die »Saarbrücker Zeitung« unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium berichtete, gebe es nun »zeitnah« doch noch ein weiteres Gespräch zwischen Ford und dem potenziellen Investor.
Da das Werk nach aktuellem Stand vor dem Aus steht, will die IG Metall den Druck auf Ford nun unabhängig von den erneuten »Gesprächen« erhöhen. Für die rund 4.500 Beschäftigten des Ford-Werks und die 1.600 Kollegen und Kolleginnen in den umliegenden Zuliefererbetrieben geht es nun in den Kampf für einen Sozialtarifvertrag. Die IG Metall zeigte sich kämpferisch: »Es wird für Ford teuer werden.«

