Kaleidoskop04. November 2023

Mindestens fünf Tote nach Unwettern in der Toskana

von dpa/ZLV

Bei schweren Unwettern mit heftigen Regenfällen sind in der mittelitalienischen Region Toskana mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht zum Freitag kam es in der auch bei Urlaubern beliebten Region zu teils schweren Überschwemmungen, nachdem extrem große Mengen Regen niedergegangen waren. »Noch nie hatten wir in so wenigen Minuten so viel Regen registriert«, schrieb Regionalpräsident Eugenio Giani in einem X-Post. Und: »Was heute Nacht in der Toskana geschah, hat einen Namen: Klimawandel.«

Mehrere Menschen wurden verletzt, es gibt Berichte über Vermißte. Besonders betroffen waren die Gemeinden Campi Bisenzio, Prato und Quarrata in der Provinz Prato. »In nur wenigen Stunden fielen 155 Millimeter Regen. Ein Ereignis, das es unseres Wissens nach seit mindestens zwei Jahrhunderten nicht mehr gegeben hat«, sagte Pratos Bürgermeister Matteo Biffoni. Das Unwetter verwandelte die Straßen in mehreren Dörfern in reißende Ströme aus schmutzigem Wasser und Schlamm. Das Gebiet unweit von Florenz gleicht aus der Luft gesehen einer Seenlandschaft. Ganze Straßenzüge und Felder sind überschwemmt.

Giani rief am frühen Freitagmorgen den Notstand für die Region aus. Die Feuerwehr sei in dem Gebiet zu mehr als 1.000 Einsätzen ausgerückt. Außerdem seien mehr als 40.000 Haushalte in dem Gebiet unweit von Florenz ohne Strom. Der Fluß Bisenzio trat dort über die Ufer und überschwemmte mehrere Gemeinden. Auf im Internet veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie im Ort Campi Bisenzio viele Autos in einer Straße von den Wassermassen mitgerissen werden.

Teile der italienischen Autobahn 11 wurden gesperrt. Beim Eisenbahnverkehr kam es zu erheblichen Problemen. In einigen Gegenden waren die Ströme des Wassers so gewaltig, daß auch Krankenhäuser überschwemmt wurden. Der italienische Zivilschutz war in der Nacht im Einsatz. Er rief am Donnerstagabend die Menschen dazu auf, nicht das Haus zu verlassen.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verfolge »mit großer Besorgnis die Entwicklung der katastrophalen Ereignisse«, heißt es in einer Mitteilung ihres Amtssitzes. Sie drücke den Opfern ihr Mitgefühl aus. Toskana-Präsident Giani besprach sich indes mit Meloni über das weitere Verfahren. Laut Giani ziehe es die Regierung in Rom in Betracht, wegen der Lage in der Toskana den nationalen Notstand auszurufen, um schnellere Maßnahmen für Hilfen und Entschädigungen ergreifen zu können.

Betroffen von den schweren Unwettern war zudem die nordöstliche Region Venetien. Ein Mensch wurde in der Provinz Belluno nördlich von Venedig vermißt. Es handelt sich um einen Feuerwehrmann, der nicht im Dienst war, aber bei den Vorbereitungen auf das schwere Unwetter Sandsäcke an einem Fluß aufgestapelt hatte.

Neben Italien waren auch Frankreich, Britannien, Belgien, die Niederlande und Deutschland von starken Unwettern mit heftigem Regen und Stürmen betroffen. Das Sturmtief »Ciaran« sorgte dort für teils große Schäden. Mehrere Menschen starben.