Ausland25. April 2026

Auslands-Nachrichten

von dpa/ZLV

266 Millionen Menschen hungern

Während täglich rasant steigende Summen für Rüstung und Kriege ausgegeben werden, ist die Zahl hungernder Menschen auf einem dramatisch hohen Niveau. Im vergangenen Jahr waren 266 Millionen Menschen in 47 Ländern von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht, heißt es im aktuellen »Global Report on Food Crises« des Globalen Netzwerks gegen Hungerkrisen (GNAFC). Besonders konzentriert ist die Krise in wenigen Ländern: Die meisten Betroffenen leben in zehn Ländern, darunter Afghanistan, Sudan und Jemen sowie im Gazastreifen (Foto).

Insgesamt habe sich akute Ernährungsunsicherheit in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. In dem Bericht wird hervorgehoben, daß im vergangenen Jahr erstmals in der Geschichte des Berichts zwei Hungersnöte ausgerufen wurden – im Gazastreifen sowie in Teilen des Sudans. Mit Blick auf das laufende Jahr zeichnet das Netzwerk ein düsteres Bild: Anhaltende Konflikte, klimatische Bedingungen sowie globale wirtschaftliche Unsicherheit dürften die Lage in vielen Ländern auf kritischem Niveau halten oder sogar verschlechtern, heißt es. Insbesondere die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten könnte die Lage in bestimmten Ländern und Gebieten weiter verschärfen.

Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger kritisierte angesichts der Ergebnisse des Berichts einen Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen und forderte »mehr internationale Solidarität, verläßliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln«.

Papst fordert »Kultur des Friedens«

Papst Leo XIV. hat die USA und den Iran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Auf dem Rückflug von einer Afrika-Reise mahnte er eine neue »Kultur des Friedens« an, um Konflikte ohne militärische Gewalt zu regeln. Leo sprach von einer »chaotischen Situation«. Er ermutigte alle Seiten, »Antworten zu finden, die aus einer Kultur des Friedens und nicht aus Haß und Spaltung hervorgehen«.

Kriegsverbrechen im Libanon

Das UNO-Menschenrechtsbüro sieht Anzeichen für israelische Kriegsverbrechen im Libanon. Das Büro habe zahlreiche tödliche Angriffe auf Gesundheitspersonal und Journalisten dokumentiert, sagte ein Sprecher in Genf. Am Mittwoch habe das israelische Militär Sanitäter bei Hilfeleistungen behindert, nachdem eine Journalistin und zwei Begleiter bei einem Angriff getötet und eine Fotografin verletzt worden war. »Medizinisches Personal, sei es militärisch oder zivil, sowie andere Zivilisten, darunter auch Journalisten, genießen nach dem humanitären Völkerrecht Schutz. Sie gezielt anzugreifen, würde ein Kriegsverbrechen darstellen«, sagte der Sprecher.

Am Mittwoch war die libanesische Journalistin Amal Khalil bei einem gezielten Angriff getötet worden. Darüber berichtet unsere Korrespondentin Karin Leukefeld aus Beirut. Unser Foto zeigt ihre Beerdigung am Donnerstag im Süden des Libanon.

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Diplomatie und Drohungen

Washington/Teheran – Offenbar gibt es neue diplomatische Bemühungen an, um eine friedliche Lösung des Krieges gegen den Iran am Verhandlungstisch zu erreichen. Irans Außenminister Abbas Araghtschi wurde am Freitagabend zu Gesprächen in Pakistan erwartet. Dort soll er mit Vertretern Pakistans, die im Konflikt zwischen den USA und dem Iran vermitteln, sprechen. Treffen mit USA-Vertretern seien nicht geplant, hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Laut vorliegenden Meldungen will Aragthschi in Islamabad mit den Vermittlern einen Gegenvorschlag in den Verhandlungen mit den USA besprechen.

Außerdem sprachen die Chefs der EU-Staaten bei einem informellen Gipfeltreffen in Zypern über die Lage. Einige Staaten seien bereit, schrittweise Sanktionen gegen den Iran zu lockern, wenn es zu einer umfassenden Übereinkunft zur Wiederfreigabe der Straße von Hormus kommen sollte.

USA-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag einseitig die Waffenruhe mit dem Iran ohne klares Ende verlängert. Die Waffen sollen schweigen, »bis Teheran mit einem geeinten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt«.

Beide Seiten machten deutlich, sie seien bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Die USA verstärkten ihre Militärpräsenz in der Region. Der Flugzeugträger »USS George H.W. Bush« befinde sich im Indischen Ozean, teilte das Regionalkommando Centcom am Donnerstag mit. Erstmals seit 2003 befänden sich somit drei USA-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz, hieß es von Centcom am Freitag. Diese umfaßten zusammen über 200 Flugzeuge und 15.000 Seeleute und Marineinfanteristen.

Trump hatte eine Öffnung der Straße von Hormus zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht, während er zugleich an der Blockade iranischer Häfen festhält. Trump wies die Navy am Donnerstag an, alle Schiffe zu beschießen und zu versenken, die Minen in der Meerenge ausbringen würden.

Unterdessen ist Israel laut Kriegsminister Katz »bereit, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen«. Sein Land warte auf grünes Licht aus den USA, sagte er nach Angaben seines Büros vom Donnerstagabend. Die Ziele seien bereits festgelegt. Es gehe unter anderem darum, die Familien-»Dynastie« des neuen obersten Führers Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, endgültig zu zerschlagen.

Weiteres Ziel sei die Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur, einschließlich Energie- und Stromanlagen. Katz sprach davon, den Iran »in die Steinzeit« zurückzuversetzen. Trump hatte sich vor Wochen ähnlich ausgedrückt.

Merz will engere Anbindung der Ukraine an EU

Nikosia – Der deutsche Regierungschef Friedrich Merz hat beim EU-Gipfel in Zypern eine engere Anbindung der Ukraine an die Europäische Union vorgeschlagen. Er nannte die Teilnahme an Europäischen Räten, im EU-Parlament oder in der Kommission ohne Stimmrecht als Beispiele.

Diese Heranführung soll die Beitrittsverhandlungen beschleunigen und »als Brücke in eine spätere Vollmitgliedschaft« dienen, sagte Merz. Es sei allen klar, daß ein sofortiger Beitritt der Ukraine in die EU natürlich nicht möglich sei. Sein Vorschlag sei, einen Prozeß zu beginnen mit einer Heranführungsstrategie der Ukraine an die Europäische Union, »an deren Ende natürlich auch die volle Mitgliedschaft stehen soll«.

Gerangel um Luftkampfsystem FCAS

Nikosia – Das Gerangel zwischen Paris und Berlin um das milliardenschwere Rüstungsprojekt FCAS dauert an Während es zuletzt stark nach einem Scheitern des Kampfjet-Projektes aussah, soll nun ein weiter Anlauf genommen werden. Das deutsche und das französische Kriegsministerium sollen in den kommenden Wochen nächste Schritte verabreden.

FCAS steht für »Future Combat Air System« und wäre bei einer Realisierung das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt. Das Luftkampfsystem soll im Verbund mit unbewaffneten und bewaffneten Drohnen fliegen und ist insofern mehr als ein Kampfflugzeug. Der Plan ist, daß es den von der Bundeswehr genutzten Eurofighter und auch die französische Rafale ab 2040 ablöst.

Bundeskanzler Merz und Präsident Macron delegierten das Thema nun bei einem Treffen am Rande des EU-Gipfels in Zypern wieder an die Kriegsminister. Sie hätten den Auftrag, »an verschiedenen Strängen der Kooperation weiterzuarbeiten und nächste Schritte zu verabreden«, teilte eine deutsche Regierungssprecherin mit.

Hintergrund des Hin und Her ist, daß die beteiligten Unternehmen Dassault (Frankreich), Airbus Deutschland und Indra (Spanien) sich über den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs bisher nicht einig geworden sind. Gespräche zweier Vermittler haben kein einvernehmliches Ergebnis gebracht. Aus Frankreich war noch von einer neuen Frist für die Vermittlungen Ende April die Rede. Die Knackpunkte dabei aus französischer Sicht: geistiges Eigentum, Aufgabenteilung und das Zertifikat zur Flugtauglichkeit.

Ukrainische Kommandeure gefeuert

Kiew – Der ukrainische Generalstab hat zwei hochrangige Offiziere wegen verfälschter Lageberichte aus dem Frontgebiet in der Region Charkow ihres Postens enthoben. Das bisherige Kommando habe »die reale Lage verschleiert, eine Reihe von Stellungen ging verloren und es wurden Fehler bei der Versorgung von Soldaten begangen«, teilte der Generalstab mit. Ausgewechselt wurde neben dem Kommandeur der 14. mechanisierten Sonderbrigade auch der Chef des übergeordneten 10. Armeekorps.

Den Angaben nach handelt es sich um Frontabschnitte östlich des Flusses Oskil bei der Stadt Kupjansk. Gegen die ehemalige Führung der 14. Sonderbrigade seien dienstliche Ermittlungen eingeleitet worden. Tags zuvor hatte die Tochter eines Militärangehörigen mit der Veröffentlichung von Bildern ausgemergelter Soldaten auf die erschwerte Versorgungslage aufmerksam gemacht. »Die Jungs sind ohne Essen und Wasser! Die Kämpfer werden vor Hunger ohnmächtig, trinken Regenwasser«, schrieb sie.

Trump schließt Atomwaffeneinsatz aus

Washington – USA-Präsident Donald Trump schließt einen Einsatz von Atomwaffen im Krieg mit dem Iran aus und hält ihn auch ganz generell für unzulässig – egal durch welches Land. Bei einem Auftritt im Weißen Haus entgegnete er auf eine entsprechende Reporterfrage: »Nein, ich würde sie nicht einsetzen. Eine Atomwaffe sollte niemals von irgendjemandem eingesetzt werden dürfen.«

Allein schon die Frage, ob er einen Atombombenabwurf auf den Iran erwägen würde, sei »dumm«, sagte Trump. »Wofür bräuchte ich eine Atomwaffe, wenn wir sie schon auf ganz konventionellem Wege auch ohne komplett dezimiert haben?« Unklar blieb, wen oder was genau er mit »sie« meinte.

Ob und unter welchen Voraussetzungen Atomwaffen zum Einsatz kommen können, haben Atommächte in Leitlinien (»Doktrinen«) formuliert. Die USA taten dies zuletzt 2022 unter Trumps Vorgänger Joe Biden. Der russische Präsident Putin billigte 2024 neue Grundsätze für den Einsatz von Atomwaffen.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die USA 1945 Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Es waren die ersten – und bislang einzigen – Atomwaffenangriffe der Kriegsgeschichte.

Argentiniens Präsident sperrt Journalisten aus

Buenos Aires – Die Regierung des rechtsgerichteten argentinischen Präsidenten Javier Milei hat akkreditierten Journalisten den Zugang zum Regierungssitz Casa Rosada untersagt. Die Entscheidung, den Journalisten die biometrischen Zugangsdaten zum Einlaß zu entziehen, sei »vorsorglich« angesichts einer Anzeige wegen illegaler Spionage getroffen worden, teilte Kommunikationsstaatssekretär Javier Lanari mit.

Die Einschränkung gilt als außergewöhnlich: Der Pressebereich der Casa Rosada blieb nach Angaben der Zeitung »La Nación« selbst während früherer Militärdiktaturen geöffnet. Betroffen sind rund 60 Reporter, die nicht mehr im Regierungssitz arbeiten dürfen.

Auslöser war unter anderem eine Strafanzeige der Sicherheitsbehörde der Präsidentschaft gegen zwei Journalisten des Senders TN mit Videoaufnahmen aus dem Inneren des Regierungssitzes, auf denen angeblich »sicherheitsrelevante Bereiche« zu sehen sind. Präsident Milei griff die beiden Journalisten am Mittwoch scharf an und bezeichnete sie als »widerwärtigen Abschaum«.

Nagetiere und Parasiten plagen Vertriebene im Gazastreifen

Genf – Ratten, Mäuse und andere Nagetiere sowie Parasiten plagen viele der Vertriebenen im Gazastreifen, die auch sechs Monate nach der Waffenruhe noch in überfüllten Zelten hausen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Folgen der verheerenden Lebensumstände. »Zerstörte Gebäude und Berge von angesammeltem Müll haben ideale Brutstätten für Nagetiere und Schädlinge geschaffen«, sagte die neue WHO-Vertreterin für die besetzten Gebiete, Reinhilde Van de Weerdt.

Mehr als die Hälfte des Gazastreifens ist unter israelischer Militärkontrolle. Deshalb leben die Menschen in dem schon vor dem Krieg dicht besiedelten Gebiet auf engstem Raum in Zelten und Notunterkünften. Es gilt zwar seit Oktober 2025 eine Waffenruhe, doch setzt Israel Angriffe fort. In mehr als 80 Prozent der Zeltstädte und Notunterkünfte gebe es Hautinfektionen und Hautausschläge, darunter Krätze, sowie Läuse und Bettwanzen, sagt van de Weerdt. In diesem Jahr seien bereits mehr als 70.000 Fälle von Nagetier- und Parasitenbefall auf der Haut gemeldet worden.

Van de Weerdt forderte Israel auf, die Einfuhrbeschränkungen für Reparaturmaterial für Generatoren oder medizinische Geräte aufzuheben und mehr medizinische Güter in den Gazastreifen zu lassen.


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