Ausland25. Februar 2026

Brasiliens indigene Bewegung mit Protesten erfolgreich:

Privatisierungen am Amazonas gestoppt

von dpa/ZLV

Brasília – Brasiliens indigene Bewegung hat einen Sieg errungen. Die Regierung in Brasília nahm am Montag (Ortszeit) Abstand von Plänen, in der Amazonas-Region die Wasserwege auszubauen, um die Durchfahrt größerer Schiffe zu ermöglichen, berichteten mehrere brasilianische Medien am Montagabend. Vorausgegangen waren Proteste indigener Gruppen vor den Hafenterminals des US-amerikanischen Agrarkonzerns Cargill in der Amazonas-Stadt Santarém. Auch Umweltverbände hatten die Pläne der Regierung kritisiert, Agrarkonzerne sprachen sich hingegen für den Ausbau aus.

Das vom linken Staatspräsidenten Lula da Silva im August erlassene »Dekret 12.600« hatte einen »Nationalen Wasserstraßenplan« eingeführt. Darin waren die Flüsse Tapajós, Madeira und Tocantins als vorrangige Achsen zur Frachtbeförderung anerkannt, womit privaten Unternehmen Genehmigungen erstellt werden konnten, Flüsse auszubaggern oder den Schiffsverkehr auf ihnen zu regeln.

Indigene warnten vor Umweltschäden und beklagten, nicht – wie vom Gesetz vorgesehen – von der Regierung zu den Plänen angehört worden zu sein. Im Wahlkampf 2022 hatte Präsident Lula versprochen, die Rechte der indigenen Völker in Brasilien zu respektieren und gegen Umweltzerstörungen in Amazonien zu kämpfen. Allerdings setzt sich die in Brasilien mächtige Agrarlobby für den Ausbau der Infrastruktur am Amazonas ein. Dazu gehört, daß größere Frachtschiffe die Wasserwege befahren können.

Nun korrigierte die Regierung ihre Entscheidung, das Dekret wurde formal aufgehoben. Zuvor war die Regierung Lula nach eigenen Angaben »mit den indigenen Völkern von den Flüssen Tapajós, Tocantins und Madeira« zusammengekommen, erklärte der Leiter des Präsidialbüros, Guilherme Boulos. »Diese Regierung ist in der Lage, auf die Bevölkerung zu hören und gegebenenfalls Entscheidungen zu überprüfen«, erklärte er.

Die Ministerin für indigene Völker, Sônia Guajajara, zeigte sich im Internet erfreut über die Entscheidung. Auch Vertreter indigener Völker feierten sie. »Wir haben gegen den Riesen Cargill gekämpft; aber sie haben sich geirrt, denn wir sind die Riesen«, sagte Gilson Tupinambá der Zeitung »Folha de S. Paulo«. »Unser Kampf ist uralt. Dieses Land hier ist heilig. Und heute ist es uns mit unserer Spiritualität gelungen, das Todesurteil aufzuheben.«