Filme und Chansons zählten weniger als das Wohl der Tiere
Et Dieu créa Brigitte Bardot
Brigitte Bardot, einer der international bekanntesten Sterne des französischen Films, ist am Sonntag im Alter von 91 Jahren in Saint-Tropez verstorben. BB, wie sie in der Branche genannt wurde, ist im September 1934 in Paris als Tochter eines streng katholischen Industriellen geboren. Als Kind hatte sie ab 1947 Ballettunterricht und dadurch entdeckte man sie als Fotomodell, wobei ihre natürlich brünette Haarfarbe umgefärbt wurde und sie als Blondine berühmt und sehr erfolgreich war.
Ihre erste Rolle erhielt sie 1952 in dem seichten Unterhaltungsfilm »Le Trou normand«, doch wie zunächst der Regisseur Marc Allégret, dem ihre »sinnliche Schönheit, gepaart mit mädchenhafter Unschuld« aufgefallen war, verschafften ihr bald auch andere Regisseure größere Herausforderungen.
Allein zwischen 1952 und 1956 spielte sie in 18 Filmen die Hauptrolle. Der Höhepunkt war 1956 der Spielfilm »Et Dieu créa la femme« – in der deutschen Version: »Und immer lockt das Weib«, mit Allegrets Mitarbeiter Roger Vadim als Regisseur. Mit ihm hatte Brigitte Bardot schon seit Jahren ein heimliches Verhältnis gehabt, bevor sie ihn im Dezember 1952, nach Erreichen der Volljährigkeit, heiraten durfte. Vadim drehte mit ihr eine Reihe von Filmen, die für beide ganz wesentlich für ihre Karriere waren. Doch in einem dieser Filme verliebte sich Brigitte Bardot in ihren jungen und schüchternen Filmpartner Jean-Louis Trintignant. 1957 wurde ihre Ehe mit Roger Vadim geschieden, doch beide blieben bis zuletzt befreundet und gemeinsam drehten sie noch mehrere Filme.
Dabei war die attraktive Brigitte Bardot bald nicht nur ein Sexsymbol, sondern sie verkörperte auch den Wandel der Rolle der Frau in dieser noch prüden und familiengeprägten Zeit hin zu Individualismus und Selbstbewußtsein sowie selbstbestimmter weiblicher Emotionalität und Erotik. Nach Einschätzung von Simone de Beauvoir hat Brigitte Bardot »der sexuellen Revolution den Weg bereitet« und »ein neues Frauenbild geschaffen«. Die feministische Roman-, Theater- und Drehbuchautorin Marguerite Duras verehrte sie als »la Reine Bardot«. Diese machte aus ihren Affären keinen Hehl und in einem Interview bekannte sie: »Ich habe viel und leidenschaftlich geliebt. Das liegt in meiner Natur.«
Einer bemerkenswerten Anerkennung der Gesellschaft kam es unter diesen Umständen gleich, daß ihr Kopf 1962 als Modell für eine neue Ausfertigung der Marianne, der Symbolfigur der Republik, gewählt wurde, von der in jedem Rathaus des Landes ein Exemplar steht.
Verheiratet war Brigitte Bardot 1959-1963 mit dem Schauspieler Nicolas-Jacques Charrier und 1966-1969 mit dem Playboy Gunter Sachs.
Mit Charrier hatte sie einen Sohn, zu dem sie aber kein Verhältnis fand und den sie zeitlebens zurückwies, nachdem sie schon seine Geburt als »widerlichen Gewaltakt« empfunden hatte. Der ungeliebte Sohn wuchs bei seinen Großeltern auf und ging später nach Norwegen, wo er noch heute lebt.
Nachdem Brigitte Bardot in mehr als 50 Filmen gespielt und auch als Sängerin von Chansons großen Erfolg hatte, beendete sie 1973 aus eigenem Entschluß ihre Karriere. Film und Musik konnten nicht alles im Leben sein, war sie überzeugt. Jetzt wollte sie ihre Zeit und Kraft sowie den Großteil ihres Vermögens dem Schutz und der Verbesserung der Lebensumstände von Tieren widmen.
International bekannt wurden ihre von Völkerkundlern als unwissenschaftlich verurteilten, aber von den Medien unkritisch aufgegriffenen Kampagnen gegen die Jagd von Jungrobben in der Arktis. Auf ihre Initiative hin ließ Präsident Valéry Giscard d’Estaing 1977 den Import von Robbenfellen nach Frankreich verbieten. Vehement kämpfte Brigitte Bardot auch gegen brutale Schlachtmethoden und sie erreichte, daß per Gesetz das üblichen Durchschneiden der Kehle bei lebendigem Leibe verboten und das Bolzenschuß-Betäubungsverfahren vorgeschrieben wurde.
In den 1980er Jahren versteigerte Brigitte Bardot einen großen Teil ihres Besitzes zugunsten einer 1986 gegründeten Stiftung »für die Rettung der Tiere in aller Welt«, wie es in den Statuten heißt. Einem Bericht des Rechnungshofes zufolge verfügt die Stiftung, die im In- und Ausland Zentren für die Aufnahme geschundener Tiere betreibt, über ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Euro. Dazu gehört auch ihre Villa »La Madrague« am Strand von Saint-Tropez, in der sie aber wohnen blieb. „Ich bin jetzt bis zu meinem Ende Untermieterin bei den Tieren«, erklärte sie in einem Interview.
Um ihr Engagement zu würdigen, hat die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd 2011 eines ihrer Schiffe nach Brigitte Bardot benannt.
Ihre politischen Positionen bezeichnete die ehemalige Schauspielerin als »national« und »konservativ«, doch spätestens seit sie 1992 den Industriellen Bernard d’Ormale, einen Freund von Jean-Marie Le Pen, geheiratet hat, ist sie den rechtsextremen Kreisen zuzuordnen. Wiederholt beklagte sie in Interviews die »Überfremdung« des Landes und mehrmals stand sie wegen »Anstiftung zum Rassenhaß« vor Gericht und wurde zu Geldstrafen verurteilt. Durch die Medien wurden auch menschenfeindliche Äußerungen gegen Schwule, Obdachlose und Linke bekannt. In ihrem 2003 erschienenen Buch »Un cri dans le silence« warnte sie vor einer »Islamisierung Frankreichs« und kritisiert die moderne Kunst, die Verweichlichung der Männer sowie die Fast-Food-Eßkultur und die damit verbundene Verschlechterung der Ernährung der Franzosen. Die Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft MRAP bezeichnete das Buch als »populistisch« und als »eine Lawine aus Schmutz und Haß«.

