Luxemburg13. November 2009

Kohle bitte nicht mehr verbrennen:

Gegen Enovos-Invest in zwei Kohlekraftwerke

Greenpeace deponierte gestern vor dem Eingang des Wirtschaftsministeriums am Bd Royal 5 t Kohle, um gegen Beteiligungen von Enovos an zwei geplanten Kohlekraftwerken zu protestieren.

Zufälle gibt es

Greenpeace ruft wohl das Parlament dazu auf, sich des Dossiers anzunehmen, es wird auch die Regierung aufgefordert, ihr Gewicht – 28,3% der Anteile hält sie direkt, 10,8% über ihre Investitionsbank SNCI – in der Gesellschaft in die Waagschale zu werfen, aber der Protest an dieser Stelle richtete sich vorrangig gegen Enovos International, die dort im Büro des Regierungsberaters Etienne Schneider domiziliiert ist, der nebenbei Präsident des Verwaltungsrats ist.

Das ist fein für Enovos International, denn für dieses Büro und das Drumherum zahlt der Luxemburger Steuerzahler. Die Vergesellschaftung von Kosten beginnt mit Kleinigkeiten, denn das Kapital weiß nur allzu gut, daß Kleinvieh auch Mist macht, und noch niemand reich geworden ist von dem Geld, das er ausgab.

»Kuelekraftwierker: Energie fir haut, ouni Verantwortung fir muer«

Aus der Verbrennung von Kohle stammt weltweit ein Drittel der CO2-Emissionen, was nicht der einzige Nachteil dieser fossilen Energiequelle ist. Sie geht einher mit massiver Umweltzerstörung, ist oft mit Blei, Arsen und Kadmium angereichert, weshalb ihre Asche dann hochgiftig ist.

Die in der EU heute arbeitenden Kohlekraftwerke sind für 25% des in der EU ausgestoßenen CO2 verantwortlich: das ist 1 Mrd. t im Jahr. Insgesamt erzeugt in der EU die Stromerzeugung 39% des CO2, aber daran ist die Kohle für 70% verantwortlich. Etliche Kohlekraftwerke näheren sich dem Ende ihrer Lebenszeit, doch anstatt die dreckigste Form der Stromerzeugung auslaufen zu lassen, wird an 50 neuen Projekten herumgeplant. Das droht die CO2-Emissionen zu erhöhen statt zu senken und gerät in direkten Konflikt mit dem Versprechen der EU-Politik, den CO2-Ausstoß bis 2020 um mindestens 20% zu senken.

Politik mit gespaltener Zunge?

Greenpeace hat bereits öfter auf diesen Mißstand aufmerksam gemacht und bereits zu jener Zeit protestiert, als die mittlerweile in Enovos aufgegangene Cegedel 50 MW an einem in Neurath (BRD) zu bauenden Braunkohlekraftwerk mit angekündigter aber stark umstrittener CO2-Einbunkerung in Norddeutschland erstand. Zuletzt ersuchten sie mehrmals per Brief Etienne Schneider um einen Termin, erhielten aber keine Antwort.

5 t Kohle vor der Tür begleitet von zwei Transparenten, einem Dutzend Aktivisten und zehn Polizisten führten nach langer Wartezeit gestern dazu, daß Etienne Schneider doch noch von 11 Uhr 30 bis 13 Uhr 30 Greenpeace-Direktor Paul Delaunois und Kampagnenchef Roger Spautz empfing.

Schneider bestätigte die Beteiligung an Neurath, eine Beteiligung am C.GEN-Projekt in Rotterdam sei aber erst im Stadium der Machbarkeitsstudie. Er versuchte das mit der Notwendigkeit eines diversifizierten Strombezugs und mit dem geopolitischen Argument der Verringerung der Abhängigkeit der EU von Importen zu begründen, was aber Greenpeace nicht überzeugte, weshalb die Kohle vor der Tür liegenblieb.

Immerhin soll es Anfang Dezember einen neuen Termin von Greenpeace bei Enovos gehen, wobei es weiterhin um den Ausstieg aus beiden Projekten geht, dies umso mehr als Schneider Wert darauf legt, Enovos werde in den fünf kommenden Jahren nach bereits getätigten Investitionen eine weitere Milliarde € in erneuerbare Energiequellen investieren.

Inkonsequente Firma?

RWE, ursprünglich alleinige Strombezugsquelle Luxemburgs, und Electrabel, über die die Arbed seinerzeit beliefert wurde, waren bereits im Aktionariat der Cegedel vertreten und sind es heute auch bei Enovos: RWE mit 19,8%, Electrabel mit 5,1%. Hinzugekommen ist E.ON mit 10,8%. Das Prinzip, nach dem eine Hand die andere wäscht, mag einiges erklären.

Allerdings wird das zum Problem, wenn Enovos auf ihrem Internet-Auftritt wie sonst in ihrer Werbung von nichts anderem als von erneuerbaren Energiequellen spricht. Im Zuge der Fusion, aus der Enovos hervorging, entstand schließlich auch der eigenständige Bereich »Erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Koppelung« in der Enovos Deutschland AG.

Als erstes Projekt wurde vorige Woche erst im Kenner Sang bei Trier ein 5,8 MW-Solarkraftwerk feierlich eröffnet, das zu 100% ins Netz der Trierer Stadtwerke einspeist.

Ein anderes Projekt wurde au sgerechnet am gestrigen Tag der Greenpeace-Aktion über eine Presseaussendung bekannt gegeben: Enovos Luxembourg S.A. hat sich zu 80% an der »Energiepark Trelder Berg GmbH« beteiligt. Die Anlage besteht aus 3 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von 5,1 MW und einer thermischen Gesamtleistung von 5 MW. Sie ist seit 2006 in Betrieb und befindet sich in Buchholz in der Nordheide südwestlich von Hamburg. Der Strom geht zu 100% ins Netz der Stadtwerke Buchholz, die Wärme wird zur Pelletherstellung in einem Holzpelletwerk genutzt, die Gärreste werden als Dünger auf die Anbauflächen von Mais und Gras ausgebracht, mit denen die Biogasanlage arbeitet.

Der Vergleich macht sicher: viel mehr MW Kohle, über die Enovos schweigt, als erneuerbare MW, um die viel Wind gemacht wird!

jmj