Erste Woche der Frauengesundheit: »informieren, sensibilisieren, enttabuisieren«
Anderswo ist man schon weiter
Für die Woche der Frauengesundheit, die seit Montag zum ersten Mal stattfindet, hat sich das veranstaltende Gesundheits- und Sozialversicherungsministerium viel vorgenommen: »Diese neue nationale Initiative«, heißt es in der ankündigenden Pressemitteilung, »soll besser über frauenspezifische Gesundheitsthemen informieren, sensibilisieren und mobilisieren« sowie mit Sondersprechstunden, öffentlichen Vorträgen und Workshops, mit Sensibilisierungsaktionen und kulturellen Veranstaltungen »dazu beitragen, Tabus rund um das Thema Frauengesundheit abzubauen.« Weiter heißt es nicht frei von Selbstkritik, noch immer würden viele frauenspezifische Krankheiten »verharmlost, zu selten diagnostiziert oder nicht ausreichend berücksichtigt«.
Obwohl sie die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung ist, von der mehr als jede zehnte Frau betroffen ist, zählt die Endometriose bis heute dazu. Dabei wächst an Eierstöcken, Eileitern oder im Bauchraum ein Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist. Weil es dort auf die Hormonschwankungen des Monatszyklus reagiert, verursacht das Gewebe an den betroffenen Körperstellen immer wiederkehrende Entzündungen, die die Nerven in diesem Bereich irritieren, was nicht selten zu immensen Schmerzen führt. Diese sind meist während der Menstruation am stärksten, können aber auch chronisch werden.
Gründe und Ursachen einer Endometriose sind noch immer unbekannt. Obwohl familiäre Häufungen auftreten, konnte noch kein explizites Endometriose-Gen ausgemacht werden. Auch Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen. Dem Thema widmet sich am Donnerstag von 12 bis 13.30 Uhr ein auf Französisch abgehaltener »Lunchtalk« in der Nationalen Gesundheitsschule (»Endométriose : du diagnostic à la prise en charge«). Bereits am Mittwoch gibt es einen weiteren »Lunchtalk« zu Menopause, Perimenopause und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen.
Daß andere Länder in Sachen Frauengesundheit viel weiter sind, zeigt sich schon an zwei Beispielen. Erstens fanden sich in Deutschland am 29. September 1996 betroffene Frauen zum ersten Mal zusammen und gründeten die Endometriosevereinigung Deutschland, um jedes Jahr an diesem Datum Aufmerksamkeit für die Problematik und politisches Handeln einzufordern.
Zweites Beispiel: Mitte Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das sozialistische Kuba für die Aufrechterhaltung seines historischen Status als erstes Land ohne Mutter-Kind-Übertragung von HIV und Syphilis ausgezeichnet. Das seit Wochen wieder akut im Visier des USA-Imperialismus stehende Land gehört damit weiter zu einer Gruppe von nur 23 Staaten und Territorien, die ihren Bewohnern die Eliminierung dieser Krankheiten bei Neugeborenen garantieren können – eine Leistung, die durch das jahrzehntelange Engagement der kubanischen Gesundheitsfachkräfte inmitten der schlimmsten Wirtschaftsblockade, die je ein Land erleiden mußte, erreicht wurde.
Zum Vergleich: In der EU gehört mit Dänemark seit dem 27. Februar 2026 nur ein einziges Land zu jenen ohne Mutter-Kind-Übertragung von HIV und Syphilis, das zweite in Europa ist (bereits seit dem 8. Juni 2016) Belarus.
Das gesamte Programm der ersten Frauengesundheitswoche gibt es im Internet: www.santesecu.lu/femme

