Luxemburg11. September 2026

Das Schuljahr 2026/27 beginnt:

Nebeneinander statt zusammen

In der Grundschule werden 64.255 Kinder erwartet, wobei davon noch 55.934 in der allgemeinen öffentlichen Schule sind. 2.713 sind bereits in einer internationalen öffentlichen Schule, 5.608 sind in einer Privatschule.

Von 55.926 in der Sekundarschule sind zwar noch 45.411 in der öffentlichen Schule, aber davon folgen bereits 6.932 nicht dem Luxemburger Programm. 13.651 sind im klassischen, 24.828 im allgemeinen Zweig oder in der Berufsausbildung. 10.515 sind in einer Privatschule.

Es sind also längst nicht mehr nur die Kinder von Leuten in einer internationalen Schule, die wissen, daß sie in ein paar Jahre ganz woanders sein werden. Wenn die das tun, ist das ja in Ordnung, problematisch wird es, wenn jene, die hier sind und hier bleiben nicht mehr in einer einheitlichen Schule zusammenwachsen. Aber da ist bei Bildungsminister Meisch Hopfen und Malz verloren, denn für ihn gilt es auf die Diversität der Schüler mit diversen Schultypen zu reagieren. Weil beim Pisa-Test rauskam, der Migrationshintergrund sowohl bei der ersten wie bei der zweiten Generation wirke sich weniger negativ aus, sieht er sich bestätigt. Das obwohl davon viel mehr da sind, als in seinen internationalen Schulen sind.

Grund zur Freude sieht Meisch darin, wir hätten den »digitalen Rückstand« aufgeholt. Schön, und jetzt verbietet er dann Smartphones generell auf 7e, 6e und 5e, wobei 8 von 35 Sekundarschulgebäude sogar von 7e bis 1ère ein Totalverbot verhängt haben, obwohl Stundenplan und Hausaufgaben ins Internet gewandert sind. Laut Meisch gibt es andere Bildschirme mit den Stundenplänen in den Gebäuden, wobei er vergaß darauf zu verweisen, daß inzwischen alle dazu gezwungen wurden, ein schrottiges Apple-Tablett mit zu wenig Bildschirmspeicher und minimalem Festspeicher zu haben. Wird zwar holprig, aber man kann damit alles machen, was man mit einem Smartphone machen kann.

Meisch will auch die SEW-Kritik nicht gelten lassen, es sei schlecht, Bücher abzuschaffen und nur mehr Dateien davon zu haben, denn laut Statistik gäbe es da wenig Zuwachs bei Lizenzen für digitale Schulbücher.

Wer auch immer fordert, mit dem Projekt der Alphabetisierung auf Französisch zuzuwarten, beißt bei Meisch auf Granit. Am Ende diesen Schuljahres werden die Eltern am Ende der Spielschuljahre im Zyklus 1 sich zu entscheiden haben, ob sie ihr Kind auf Deutsch wie bisher oder neu auf Französisch alphabetisiert haben wollen. Es seien alle Raumprobleme gelöst, die Lehrkräfte vorbereitet und das Schulmaterial werde pünktlich da sein. Daß das gut und richtig ist, sieht Meisch darin, daß im Pisa-Test 42 Prozent der 15jährigen den Fragebogen in Französisch genommen haben, obwohl sie nur in Mathematik und Französisch nicht auf Deutsch unterrichtet wurden. Unseren Einwand, da es nicht möglich war, kapitelweise die Sprache zu wechseln, sei es irgendwie logisch, wegen der Mathematik, wo einem die Fachbegriffe auf Deutsch fehlen, Französisch zu nehmen. Er überlege anders, es sei doch naheliegender wegen der Textfragen die Sprache zu nehmen, wo man sich wohler spüre. Er dreht sich das halt so, wie er es braucht für die Rechtfertigung seines Alpha!

Aber auch in den Sekundarschulen soll Französisch mehr Gewicht erhalten. Bisher gab es in 6 Gebäuden frankophone Klassen ab 7e, ab Schulbeginn gibt es 34 Klassen in 17 Gebäuden; davon 3 in zwei Gebäuden für 71 Schüler im klassischen Zweig, 21 Klassen in 13 Gebäuden im allgemeinen Zweig für 396 Schüler und 10 Klassen für 137 Schüler in 8 Gebäuden im »Préparatoire«. In der Oberstufe des allgemeinen Zweigs wird das Angebot auch ausgeweitet mit 5 Sektionen ab 4e und 9 Sektionen ab 2e zuzüglich der Erzieher-Ausbildung im Lycée Belval ab diesem Schuljahr.

Meisch gibt auch eine sonderbare Sicht zu erkennen auf das, wie er Gesellschaft und Demokratie sieht, indem er sagt: »Demokratie hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn man durch eigene Arbeit nicht raufkommen kann.« – so als hätten wir keine Klassengesellschaft, für deren Weiterbestand es wichtig ist, daß die Struktur aufrecht erhalten wird was unten und oben anlangt. Demokratie hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn man für von der Regierung abweichende Meinungen Nachteile zu gewärtigen hat!

Meisch gibt zu, daß aktuell hierzulande 30.000 Kinder von einem großen Armutsrisiko betroffen sind. Das hat Folgen für den Schulerfolg, gibt er zu, aber das habe auch mit Bildungsferne in diesen Elternhäusern zu tun, was definitiv eine unzulässige Verallgemeinerung ist. Tatsächlich gibt es einen besseren Schulerfolg, wenn Schule Thema am gemeinsamen Eßtisch ist, und wenn Eltern ihren Kindern in jungen Jahren vorlesen, damit bei ihnen nicht schon am Anfang des Zyklus 3 ein Rückstand bei der Lesekompetenz auftaucht. Das ist aber nicht einkommensgebunden, denn das verursacht keine Kosten. Tatsächlich könnte dazu eine gesellschaftliche Diskussion hilfreich sein, damit alle unabhängig vom Einkommen die Wichtigkeit davon erkennen.

Wenig hilfreich ist aber Lob für die segensreiche Tätigkeit der Regierung zur Armutsbekämpfung. Das wird auch nicht besser mit einer Entlastung um 79 Millionen im Jahr ab nächstem 1. Januar durch eine Reform der Dienstleistungsschecks oder die Mitteilung, es sei eine substantielle Erhöhung des Kindergelds in Planung, denn das wurde seinerzeit in der ersten Regierung Bettel abgesenkt und seither nicht mehr erhöht. Auch eine jährliche Beihilfe von 3.000 Euro/Jahr für Familien mit Kindern mit geringem Einkommen wird nicht zur Beseitigung von Armut führen.

(wird fortgesetzt)