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»Dem Bio-Bauer säi ganze Stolz«
Zum vierten Mal organisiert hierzulande die »Vereenegung fir Biolandwirtschaft Lëtzebuerg a.s.b.l.« vom 23. Bis 27. September eine Biowoche. Auf dem Programm stehen Kochkurse, Ateliers, Verköstigungen und Tage der offenen Türen bei Bio-Betrieben. Alle Details dazu gibt es im Internet auf www.biowoch.lu.
Es geht sehr wesentlich darum, den Konsumenten die Bio-Landwirtschaft näher zu bringen in aller Transparenz, damit Luxemburger Bio-Produkte verstärkt den Weg auf die Eßtische des Landes finden, um so das Umstellen für Interessierte attraktiver zu machen. Die hochgesteckten Ziele früherer Regierungen sind krachend gescheitert, da nicht die nötigen Mittel dafür eingesetzt wurden und sogar gesagt wurde, bio sei nicht besser als konventionell, obwohl die biologische Wirtschaftsweise Humus aufbaut statt ihn abzubauen. Maisanbau in konventioneller Landwirtschaft baut etwa 0,8 cm Humus pro Jahr ab!
Den Konsumenten wird jetzt die Möglichkeit geboten, hinter die Kulissen der Bio-Landwirtschaft zu schauen und die Produzenten kennen zu lernen. Es werden auch Ateliers und Informationsstände angeboten rund um Themen wie Ernährung während der Schwangerschaft mit der Spezialistin Maxi Pesch für Kinderernährung.
Wie in den Vorjahren werden in zwölf Gemeinden Pfeilschilder aufgestellt, die zeigen in welcher Richtung und Entfernung sich Bio-Betriebe in der Nachbarschaft befinden. In einigen Supermärkten wird es ebenfalls solche Pfeilschilder mit Kilometerangaben zum nächsten Bio-Bauern geben. Damit soll ein Bewußtsein geschaffen werden, was es alles schon gibt.
Mit dem nationalen Bio-Aktionsplan ist jetzt das Ziel von einem Prozent mehr biologischer bewirtschafteter Fläche pro Jahr gesetzt worden, wobei die Themen Vermarktung und Verarbeitungsstrukturen von äußerster Wichtigkeit sind. Letztere muß es definitiv im Land geben im Interesse der bäuerlichen Wertsteigerung, aber auch der Versorgungssicherheit. Dazu gehört auch die Biog-Molkerei, wobei es klar ist, daß Luxemburg als Grünlandstandort immer mehr Milch produzieren wird als lokal konsumiert werden kann, selbst wenn viel in Butter, Yoghurt und Käse geht. Dafür aber braucht es definitiv lokale Verarbeiter, und je mehr Milch so verarbeitet wird, desto besser ist es für Luxemburger Landwirte.
20 Jahre Bio-Haff Witry
Für die Vorstellungspressekonferenz war der Hof von Pierre und Caroline Witry-Massard in Dippach ausgesucht worden, der heuer 20 Jahre Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise feiert. In der Gemeinde Dippach ist nicht nur dieser Hof umgestellt worden, sondern fast alle.
Der »Bio-Haff Witry« mit seiner Zufahrt von der Rue de Holzem aus nach dem Ortsende von Dippach ist ein Milchkuhbetrieb mit rund um die Uhr geöffneter Milchtankstelle seit 2013, die direkt an den Milchtank angeschlossen ist und daher nie trockenläuft. Pro Woche werden mittlerweile 6-700 Liter darüber für 1,50 Euro verkauft. Der Rest, der nicht an die Kälber geht, wird von der Biog-Molkerei abgeholt.
Der Hof hat 45 Milchkühe und in der Nachzucht 40 Tiere einer Fleckviehrasse ohne Hörner, die in einem offenen Laufstall mit Liegenboxen, wo sie auf 10 cm dicken Matratzen liegen, gehalten werden. Sie haben so bald und so lange das möglich ist, vom Stall aus direkten Ausgang auf anschließende Wiesen, werden aber auch manchmal auf die andere Seite des Zufahrtsweges geführt. Die Durchschnittsleistung liegt bei 7.800 l/Jahr, wobei in den ersten vier Monaten ans Kalb 1.000 l gehen. Das Durchschnittsalter liegt bei 7 Jahren, die aktuell älteste ist 13 Jahre alt. Gefüttert wird Grünschnitt, als Ergänzung Kleegras, Luzerne und Körner.
Die Trockenheit, die nach einem guten ersten und zweiten Grasschnitt einsetzte, verhinderte bisher weitere Schnitte, weswegen erst die Hälfte eines normalen Jahres eingebracht wurde und sogar davon schon wieder was zugefüttert werden mußte. Aus Italien wurde Luzerne hinzugekauft, von anderen Bio-Bauern des Landes werden Körner zugekauft. Gehofft wird auf Regen, damit es doch einen dritten Schnitt gibt und frisch ausgesäte Luzerne, die gekeimt hat, wächst.
Caroline Massard als Lehrerin hat am Hof ein pädagogisches Projekt gestartet ab Kinderkrippenalter bis zum Ende der Grundschule, wobei es ihr wichtig ist, wenn die Kinder in allen vier Jahreszeiten auf den Hof kommen, um ein anderes Verhältnis zu Tieren, der Herkunft von Lebensmitteln, von Natur und der Landwirtschaft zu kriegen.

