Trump legt Tokio Zurückhaltung in Taiwanfrage nahe
USA-Präsident Donald Trump hat Sanae Takaichi, der neuen Premierministerin Japans, nahegelegt, eine weitere Eskalation im Streit mit China über die abtrünnige chinesische Insel Taiwan zu vermeiden. Er habe ihr in einem Telefonat am Dienstag geraten, Beijing nicht weiter zu provozieren, berichteten die Zeitung »Wall Street Journal« und die britische Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei japanische Regierungsvertreter. Die USA-Zeitung beruft sich zudem auf einen Washingtoner Regierungsvertreter. Konkrete Forderungen habe Trump aber nicht gestellt, hieß es weiter.
Takaichi hatte Anfang November den schwersten diplomatischen Konflikt mit China seit Jahren ausgelöst. Sie erklärte vor dem Parlament in Tokio, ein »chinesischer Angriff auf Taiwan« könne eine militärische Antwort Japans auslösen. Beijing war empört und forderte umgehend die Rücknahme der Äußerungen, was bislang nicht geschah. Trump führte das Gespräch mit Takaichi kurz nach einem Telefonat mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping – ohne die Japanerin ausdrücklich zu einer Rücknahme ihrer Drohungen zu drängen.
Trumps Empfehlung sei in Tokio »mit Sorge« aufgenommen worden, berichtete das »Wall Street Journal« weiter. Offenbar wolle er Konflikte über Taiwan vermeiden, um die zuletzt erzielte Entspannung mit der Volksrepublik und neue chinesische Agrarkäufe in den USA nicht zu gefährden. Xi und Trump hatten im Oktober einen vorläufigen Handelstransfer vereinbart, der den Export von Sojabohnen und anderen Produkten aus den USA nach China ankurbeln soll.
Auf eine Anfrage der USA-Zeitung habe Trump schriftlich erklärt, die Beziehungen zu China seien »sehr gut« – und das sei auch im Interesse Japans. Xi werde die Einkäufe US-amerikanischer Agrargüter »deutlich erhöhen«, so Trump, und fügte hinzu: »Alles, was unseren Farmern hilft, ist gut für mich.« »Wir haben wunderbare Handelsabkommen mit Japan, China, Südkorea und vielen anderen Nationen geschlossen, und die Welt ist in Frieden«, so Trump weiter. »Laßt uns dafür sorgen, daß das so bleibt!«
»Renmin Ribao«, die Tageszeitung der Kommunistischen Partei Chinas, forderte die USA am Donnerstag auf, Japan zu zügeln und eine Wiederbelebung des Militarismus zu verhindern. China und die USA teilten eine gemeinsame Verantwortung, die Nachkriegsordnung zu bewahren, hieß es in dem Leitartikel.

