Hommage an Pioniere der Computerkunst im Cercle Cité
»Shapes – Jenseits der Geometrie«
Das Cercle Cité lädt zu einer spannungsreichen Ausstellung »Shapes – Jenseits der Geometrie« ein, der die bahnbrechenden Arbeiten von Vera Molnár und François Morellet zugrunde liegen.
»Mein Leben besteht aus Quadraten, Dreiecken und Linien« ist ein berühmtes Zitat von Vera Molnár. Geboren 1924 in Budapest, studierte sie Kunstgeschichte und Ästhetik an der Akademie der Bildenden Künste in Budapest. Heute gilt Vera als eine der wichtigsten Pionierinnen der Computerkunst und der digitalen Ästhetik.
Für Molnár waren elementare Formen wie das Quadrat, das Dreieck und die Linie keine bloßen mathematischen Zeichen, sondern Bausteine unendlicher kreativer Möglichkeiten. Sie war fasziniert davon, wie sich diese klaren, in der Natur so nicht vorkommenden Formen miteinander kombinieren lassen.
Lange bevor es moderne Computer gab, programmierte sie in den späten 1960er-Jahren Großrechner mit Lochkarten und den Sprachen Fortan und Basic, um Linien und Quadrate in unzähligen, seriellen Variationen über einen Plotter zeichnen zu lassen.
François Morellet, 1926 in Cholet im Westen Frankreichs geboren, war ein bedeutender europäischer Maler, Licht-, Konzept- und kinetischer Künstler sowie Bildhauer.
Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der Konkreten Kunst und der geometrischen Abstraktion. Seine Werke basieren auf strengen geometrischen Regeln und dem Zufallsprinzip, die er häufig mit Humor und Ironie umsetzte.
»Shapes – Jenseits der Geometrie« untersucht Formen als Prozess, Sprache und Erfahrung. Zwischen Ordnung und Zufall, Stabilität und Veränderung, Kalkül und Instinkt vereint die Ausstellung Werke, die die vielfältigen Wege hinterfragen, auf denen die Welt konstruiert und wahrnehmbar gemacht wird – von Mineralkristallen bis zu Seifenblasen, von Algorithmen bis zum Licht.
Die historischen Persönlichkeiten Vera Molnar und François Morellet – dessen hundertster Geburtstag hier gefeiert wird – verankern das Projekt im Erbe der geometrischen Abstraktion.
Um sie herum führen fünfzehn zeitgenössische Künstler diese grundlegenden Intuitionen weiter: Justine Blau, Attila Csörgő, Marina Gadonneix mit Victor Rambaud, Matthew Gardiner, Ulysse Lacoste in Zusammenarbeit mit Rémi Coulon (Mathematiker), Manon Lanjouère, Catherine Liechti, Adrien Lucca, Vera Molnár, François Morellet, Robert Turner Collective, Bruno Teheux & Hugo Parlier, Els Vermang, Laure Winants. Jeder auf seine Weise erforschen diese Künstler die unsichtbaren Strukturen, die der Umwelt als Grundlage dienen.
Die Ausstellung setzt sich mit aktuellen Themen auseinander: Ökologie, Anthropozän (Zeitalter des Menschen), Digitalwelt. Formen werden so zu Werkzeugen, um die Veränderungen der Welt zu durchdenken.
Im Jahr 2025 an der Technischen Hochschule (École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL) entwickelt, wird die Ausstellung mit Unterstützung der Université du Luxembourg und der Université de Fribourg hier neu präsentiert und um neue Werke bereichert.
Mit Installationen, Skulpturen, Fotografien und Videos bietet »Shapes – Jenseits der Geometrie« einen Raum zum Entdecken, in dem Sehen, Verstehen und Erleben untrennbar miteinander verbunden sind.
Die Präsentation wird am Donnerstag, dem 15. Oktober um 18 Uhr eröffnet und ist bis Sonntag, dem 17. Januar 2027 im Cercle Cité, Ratskeller, Rue du Curé zugänglich. Täglich, 11 bis 19 Uhr. Eintritt frei. Jeden Samstag werden um 15 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Keine Anmeldung erforderlich.

