Libanon
Waffenruhe à la Trump
Erneut libanesisch-israelisches Gespräch in Washington
Der libanesische Präsident Joseph Aoun hat mit Simon Karama einen Delegationsleiter für libanesisch-israelische Gespräche in Washington ernannt. Ministerpräsident Nawaf Salam nahm am EU-Außenministertreffen in Luxemburg teil und wurde anschließend in Paris vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Elysee-Palast empfangen.
Der israelische Kriegsminister Israel Katz bedrohte am selben Tag den Generalsekretär der Hisbollah, Naim Qassem, mit dem Tod und sagt, Hisbollah habe »im Dienste ihrer iranischen Herren (Israel) angegriffen« und Naim Qassem werde dafür »mit seinem Kopf bezahlen«. Die Hisbollah sei weiterhin das Top-Ziel der israelischen Armee, so Katz. »Jeder, der die Hand gegen Israel erhebt, dem wird sie abgeschlagen.«
Die USA-Administration hat für den heutigen Donnerstag erneut Gespräche auf Botschafterebene im USA-Außenministerium in Washington festgelegt. Dabei soll es um eine mögliche Verlängerung der zehntägigen »Waffenruhe« gehen, die am kommenden Sonntag ausläuft. Weiteres Thema ist die Entwaffnung der Hisbollah und die Stationierung der libanesischen Armee im Süden des Libanon.
Präsident Michel Aoun ernannte den früheren libanesischen Botschafter in den USA, Simon Karama, als Leiter der libanesischen Delegation. Als »ziviler« Vertreter neben Militärs aus den USA, Frankreich, Israel und Libanon hatte Karama die »Waffenruhe«- Vereinbarung mit ausgehandelt, die am 24. November 2024 in Kraft getreten war. Libanesische Medien berichteten, Karama sei auch im Vorfeld der seit dem 17. April geltenden »Waffenruhe« involviert gewesen, die schließlich von USA-Präsident Trump angeordnet worden war.
»Waffenruhe« mit Lizenz zum Töten
Weder die erste noch die zweite »Waffenruhe« wurde und wird von Israel eingehalten. Nach Angaben der UNO-Friedensmission für den Libanon (UNIFIL) hat Israel diese »Waffenruhe«, vom 24. November 24, die bis zum 2. März 2026 galt, mindestens 10.000 Mal gebrochen. Die Hisbollah hatte in den 15 Monaten lediglich einmal gegen Israel gefeuert. Aufforderungen der Hisbollah und des parlamentarischen Blocks von Hisbollah und Amal-Bewegung an die UNO und die libanesische Regierung, Israel zu stoppen, verhallten ungehört.
Kritiker der Gespräche befürchten, daß Gespräche die »Waffenruhe à la Trump« – während der die israelische Armee weiter libanesisches Territorium besetzt hält und im ganzen Land angebliche »Bedrohungen« der Hisbollah eliminieren kann – lediglich eine israelische Besatzung des Südlibanon legitimiert.
Seit dem Beginn des erneuten Krieges am 2. März hat Israel nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 2,387 Personen getötet und mehr als 7.602 verletzt. Täglich wurden durchschnittlich 8.091 Wohnhäuser und Gebäude von Israel zerstört, berichtet das libanesische Nationale Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Gemeinsam mit dem Nationalen Zentrum für Naturkatastrophen und Frühwarnungen hat das Forschungszentrum einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß Israel allein zwischen dem 17. und dem 19. April mehr als 220 Mal die »Waffenruhe« mit Luftangriffen, Explosionen und Artilleriebeschuß auf Libanesen und libanesische Infrastruktur gebrochen hat. Dabei wurden drei Tote und 7 Verletzte gemeldet, darunter vier Rettungshelfer. Israelisches Militär und die Luftwaffe zerstören weiter Wohnhäuser, Sportanlagen und öffentliche Einrichtungen.
Israelische Angriffe und Widerstand
Seit Beginn der »Waffenruhe« setzt die israelische Armee mit Panzern, Bodentruppen, Drohnen und Artillerie ihre militärische Landnahme im Südlibanon fort. Wohnhäuser entlang der »Blauen Linie«, der von der UNO ausgehandelten Waffenstillstandslinie zwischen dem Libanon und Israel, werden systematisch zerstört. Die Hisbollah und Verbündete setzen gegen die militärische Übermacht auf Widerstand, auch militärisch.
Anfang der Woche erklärte das Militärkommando der Hisbollah einen gezielten Angriff mit Sprengstoff-Fallen entlang einer Verbindungsstraße zwischen Taybeh und Deir Siryan (Südostlibanon) gegen israelische Truppen durchgeführt zu haben. Die Sprengstoff-Fallen seien vor Inkrafttreten der »Waffenruhe« angebracht worden und am Sonntag explodiert, als ein israelischer Militärkonvoi dort entlangfuhr. Bei den Explosionen seien vier israelische Panzer zerstört worden, hieß es in der Erklärung. Libanesische Medien berichteten über Explosionen nach israelische Angriffen in Mais al-Jabal am frühen Dienstagmorgen. Weitere Explosionen wurden aus Al Tiri und aus Al Qantara gemeldet. Die israelische Artillerie habe den Ort Qounin beschossen, israelische Drohnen überflogen den gesamten Süden des Libanon einschließlich der Hafenstädte Tyros und Sidon, sowie weite Teile der Beeka-Ebene. Beirut wurde von den israelischen Drohnen am Montagvormittag stundenlang im Tiefflug überflogen.
Israels Armeeführung forderte die libanesische Bevölkerung auf, nicht in die Orte im Südlibanon zurückzukehren, die Israel besetzt hält oder vorhabe zu besetzen. Hisbollah und die libanesische Armee warnten Bewohner des Südens davor, bei dem Versuch, ihre Heimatdörfer zu erreichen, den Fluß Litanizu überqueren. Die Lage sei unübersichtlich und unsicher.
Fruchtbares Land unbewohnbar machen
Mit massiven und absichtlichen Zerstörungen der libanesischen Lebensgrundlagen und ziviler Infrastruktur will Israel den Südlibanon unbewohnbar machen. Wo seit Jahrhunderten Obst und Gemüse angebaut und Viehwirtschaft betrieben wurde, will Israel militärisch eine »Sicherheits-« oder »Pufferzone« gegen die Menschen durchsetzen, die seit Generationen den Boden dort bearbeitet und kultiviert haben.
Israel will eine »Gelbe Linie« ziehen, die Libanesen nicht überschreiten dürfen. Die israelische Armee markiert eine »Todeszone«, kontrolliert von Israel mit dem Geld, mit militärischer, medialer und politischer Unterstützung der »Freunde Israels« in den USA und Europa. Auf die gleiche Art hat Israel sich nach dem Krieg gegen Gaza fast 50 Prozent des Gaza-Territoriums angeeignet. Auch dort geht – wie im Libanon – das tägliche Sterben durch Angriffe Israels weiter.

