Luxemburg29. November 2023

Demokratie wird nur zum Schein gespielt:

Aber mit vielen Geschlechtern!

Biologie mit zwei Geschlechtern und gelegentlichen Zwittern war früher, heute kennt Facebook bereits 70 Geschlechter und das zweite Thema des Jugendkonvents war die Gleichberechtigung aller Geschlechter. Die Experten kamen da von »CID Fraen a Gender« und »Rosa Lëtzebuerg«.

Beklagt wird, Luxemburg sei in Sachen LGTBQI+ vom 3. auf den 7. Platz zurückgestuft, und es finde sich nicht genug zum Thema im Koalitionsprogramm. Für »Intersex-Kinder« (wie viele hat Luxemburg davon in einem Jahrhundert, fragt man sich unwillkürlich?) wird gefordert, sie sollten ihr Geschlecht selbst auswählen dürfen. Feminizid soll ins Strafgesetzbuch kommen für eine inklusivere Gesellschaft. Schulmaterial soll keine Stereotypen mehr enthalten, damit sie dekonstruiert und nicht reproduziert werden. Jeder Mensch soll dieselben Chancen haben.

Das ist viel verlangt in einer Klassengesellschaft, aber von den EU- wie Luxemburger Abgeordneten kommt natürlich kein Hinweis auf die Realität, sondern Geschleime, das müsse alles ernst genommen werden. Wer Inklusion stärke, stärke die Demokratie. Zugegeben wird, die statistische Lage hierzulande sei schlecht. Schulbuchminister Meisch ärgert sich manches Mal über Bücher aus dem Ausland, wo aber sicher dieselben Diskussionen liefen, aber im Land bemühe man sich wirklich sehr um stereotypfreie Schul­bücher.

Von weiblichen Jugendlichen kommt der Hinweis, daß es auch Opfer bei Männern gibt, sogar mehr Selbstmorde als bei Frauen. Psychologische Probleme bei Männern würden oft noch weniger ernst genommen als bei Frauen. Non-binäre und Transleute würden immer vergessen, bei der Uni-Einschreibung müsse man sich für männlich oder weiblich entscheiden, was nicht zulässig sein dürfe. Ein neuer Gleichheits- und Diversitätsplan wird von Yuriko Backes versprochen, und alle freuen sich.

Bei der Inklusion kamen die Experten von ASTI und Info Handicap. Migranten und Flüchlinge müßten aktiver integriert werden in der Schule. Im Sportunterricht ginge das von Anfang an auch non-verbal, bis die Sprachenschwierigkeiten überwunden sind. Gefordert wird ein zufällig ausgewählter Bürgerrat für die, die kein Wahlrecht haben, damit auch sie gehört werden. Die Teilnahme soll obligatorisch sein bei Freistellung am Arbeitsplatz. Leute mit einer Beeinträchtigung bräuchten mehr Verständnis bei den Lehrkräften und sollten besser integriert werden. Es sollten Weiterbildung für die Lehrkräfte mit Betroffenen angeboten werden.

Es kommen jedes Jahr 4.000 von 100.000 Schülern neu ins Land, und da sei es oft schwierig, unterm Jahr Klassenräume zu finden, so Wohnbauminister Meisch. Weitere Bürgerräte droht für 2024 Familienminister Hahn an nach ausführlichem Lob für den Klimabürgerrat. Laut Paulette Lenert gehört jedes politische Thema in einen Bürgerrat. O je, alles Schein.

Es müsse alles normaler sein beim Zusammensein, kommt von mehreren, bevor einer daherkommt mit der Frage, ob nicht gegen Wilders und Ähnliche im Sinne der Rechtsstaatlichkeit die Aufhebung der Einstimmigkeit im EU-Rat helfen könne, was DP-Urgestein Charles Goerens bejaht. Es könne nicht sein, daß einer alle aufhalte, behauptet er, womit er aber übersieht, daß das nicht nur Ungarn trifft, sondern jeden Einfluß des kleinen Luxemburg abschafft.

Zum Abschluß geht es ans Thema mentale Gesundheit und Wohlbefinden mit Experten vom Jugendtelefon und der Mentalen Hygiene. Es sei schon zu fragen, warum es ein Schulfach Sport gibt für ein gesundes Leben, aber keines für die geistige Gesundheit, obwohl es immer mehr Burnouts gibt. Ein solches Fach brauche es für eine stabile Gesellschaft. Zu viele nutzten die kostenlosen Angebote in den Lyzeen nicht, weil sie sich genierten, dorthin zu gehen, weil dann im Schulhof über sie geredet würde. Es sollte daher ein Angebot außerhalb der Schulen gehen in Esch, Differdingen, Luxemburg und Grevenmacher als »sicheren Platz« für alle bis 28 Jahre, wo niemand sieht, wer hingeht und sich daher keiner genieren muß.

Minister Meisch hat größtes Vertrauen in die Leute im SEPAS, daß das was dort gesagt wird auch da drinnen bleibt. Da die Themenpalette erweitert wurde, müsse sich eigentlich keiner mehr genieren hinzugehen. Es gäbe verläßlich noch viele gute Ideen für zusätzliche Schulfächer, aber keine 48 Schulstunden. Es gäbe wohl genug Fächer, in denen auch über mentale Gesundheit respektvoll gesprochen werden könne. Es gäbe ja auch schon ein außerschulisches Angebot und mittlerweile von der Gesundheitskasse bezahlte Psy­chotherapie. Als ob es da keinen zu großen Andrang gä­be!

EU-Abgestorbener Marc Angel (LSAP) glaubt, ein Bericht im EU-Parlament über mentale Gesundheit sei doch schon da, und es werde darüber geredet, ein Jahr der mentalen Gesundheit auszurufen. Das wird was helfen, ist er sich total sicher!

Vorgeschlagen wird, mal nach den Ursachen zu forschen. Es gibt klar Bedenken über die Vertraulichkeit beim SEPAS in den Schulgebäuden aus Erfahrung, weil der Bitte, den Eltern nichts zu sagen, zweimal nicht entsprochen wurde.

84 von 450 Millionen hätten irgendein mentales Problem, verkündet die EU-Kom­misions­vertreterin in Luxemburg. Die EU habe ein Budget für eine allumfassende Herangehensweise aufgelegt, wonach ja dann alles bestens ist. Mit moralisierenden Abschlußworten wurde das Hornberger Schießen beendet. Es hat wohlgetan, darüber geredet zu haben.