Kaleidoskop28. Februar 2026

Was kostet eine Tasse Kaffee in Europa?

von dpa/ZLV

Wien – Rund 8,70 Euro, die für eine Tasse Cappuccino an einer Raststätte in Österreich verlangt werden, sorgten zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt.

Der genannte Spitzenpreis in Österreich liegt deutlich über dem üblichen Niveau in dem Alpenland. In Wien, wo Kaffeehäuser zum Kulturgut zählen, kosten der Cappuccino und die weltberühmte Wiener Melange zwischen fünf und fast sechs Euro. Wer Melange lieber mit Sahne statt Milchschaum trinkt, zahlt in manchen Edelkaffeehäusern über sieben Euro.

In Dänemark belegt Kopenhagen in Kaffeepreisrankings immer wieder Spitzenplätze in der EU. Im Durchschnitt kostet ein Cappuccino in der Hauptstadt um die sechs Euro, in exklusiven Lagen oder an touristischen Orten auch schon mal acht. In der berühmten Kopenhagener Konditorei La Glace gibt es nur Filterkaffee – zum stolzen Preis von 10,50 Euro.

Die hohen Preise sind nicht überraschend: Lebensmittel sind in Dänemark generell teuer und mit einem 25-prozentigen TVA-Satz belegt. Und die Dänen verdienen sehr gut: Das bereinigte Monatsgehalt liegt bei durchschnittlich fast 6.000 Euro.

Umgerechnet mehr als sieben Euro für einen Cappuccino in der Schweiz – in Zürich und Genf ist das keine Seltenheit. Auch in der Alpenrepublik sind die Löhne höher, jedoch sind auch die Kosten für Mieten und Gesundheit hoch.

In Frankreichs Hauptstadt kann man in touristischen Hotspots an den österreichischen Spitzenpreis herankommen, wenn man es auf Cappuccino abgesehen hat. Die Preise in Paris reichen von zwei Euro für einen einfachen Kaffee am Tresen des Bistros im Stadtteil bis mehr als fünf Euro für einen Cappuccino im Zentrum. Bei den Preisen spielen die Lokalmieten eine Rolle. Am Rand der Innenstadt wurde vor kurzem ein traditionsreiches Café zwangsgeräumt, weil es die Jahresmiete von 210.000 Euro nicht mehr aufbringen konnte.

Im Heimatland des Cappuccino gehen die Preise weit auseinander. In Rom bekommt man die Tasse schon für 1,20 Euro – aber wenn man dorthin geht, wo die Touristen sind, kann man auch ein Vielfaches zahlen. Im Süden Italiens ist der Cappuccino billiger als im Norden.

In Italien kommt es auch darauf an, ob man seinen Kaffee im Stehen trinkt oder im Sitzen: Wer länger bleiben will, zahlt einen Aufpreis. »Coffee to go« hat sich in Italien nie durchgesetzt. Die Vorstellung, seinen Kaffee hektischen Schrittes aus einem Pappbecher hinunterzuschlucken, verursacht hier Magenschmerzen.

In Spaniens Hauptstadt bestellt man selten einen Cappuccino. Stattdessen ist in Madrid der »Cortado«, ein Espresso mit einem Schuß Milch, die gängige Wahl. Auf den Balearen kennt man ihn unter dem Namen »Tallat«. Kaffee ist in Spanien oft stark – und vereinzelt schon für rund einen Euro zu haben.

Im Schnitt kostet der »Cortado« in Madrid aber zwischen 1,50 bis 2,50 Euro. Cappuccino ist etwas teurer. Wer es luxuriös mag, zahlt in Nobelhotels oder Designercafés für einen relativ »normalen« Kaffee schon einmal zweistellige Beträge.

Ein Cappuccino im Zentrum Athens, zum Beispiel in Lokalen mit Blick auf die Akropolis, kostet zwischen 4,50 und sechs Euro. In Luxushotels können die Preise noch höher liegen. Wem der Cappuccino zu teuer ist, kann auf griechischen Mokka ausweichen. Er ist stark, aromatisch, ungefiltert und kostet deutlich weniger – meist nur zwei bis drei Euro. Außerhalb der touristischen Hotspots sinkt der Preis für einen Cappuccino meist unter 2,50 Euro.

Im Zentrum Istanbuls liegen die Preise für einen Cappuccino bei etwa 4,50 Euro. Auch in der Türkei gibt es einen Mokka, der sehr stark ist und ungewohnt für viele Touristen. Dieser ist für etwa drei Euro zu haben. Vor allem für Einheimische sind die Preise insgesamt sehr hoch.

Die Briten trinken bekanntlich gerne Tee mit Milch, doch in der morgendlichen Rushhour drängen sich viele auch mit einem »Coffee to go« durch die U-Bahnen Londons. In beliebten Kaffeehausketten wie Pret A Manger bezahlen die Londoner dafür umgerechnet um die fünf Euro. Für einen Cappuccino in einem Restaurant werden durchschnittlich umgerechnet etwa 4,50 Euro fällig. In bei Touristen beliebten Gegenden wie Mayfair und Kensington and Chelsea muß man allerdings auch mal tiefer in die Tasche greifen.

In der ungarischen Hauptstadt kostet der Cappuccino in dem von Touristen belagerten Ringstraßen-Café »New York« umgerechnet elf Euro, im mondänen »Gerbeaud« sieben. Im durchschnittlichen Café um die Ecke, das sich die Budapester leisten, beträgt der Richtwert 3,20 Euro. Noch vor vier Jahren lag er allerdings bei zwei Euro. In diesem Zeitraum zog der Cappuccinopreis doppelt so stark an wie der durchschnittliche Nettolohn.

Die Zeiten, in denen man in Tschechien fast nur einen »turek« (Mokka) bestellen konnte, sind vorbei. Die Preise für Cappuccino variieren in Prag stark, je nachdem, ob man sich in einer Touristengegend oder in einem normalen Viertel aufhält. Rechnen muß man mit etwa 2,25 bis 3,70 Euro.

In Polen kostet der Cappuccino in der Hauptstadt Warschau bei beliebten Caféketten umgerechnet zwischen 3,80 und 4,80 Euro. In Touristenspots wie der Altstadt können auch 6,50 Euro fällig werden. Das ist viel, gemessen am durchschnittlichen Nettogehalt von 1.450 Euro. Zwar gibt es eine Debatte über die Kaffeepreise, die wie anderswo stark angezogen haben. An die hohen Preise in der Gastronomie haben sich die Polen aber inzwischen gewöhnt.

In Moskau gibt es einen Cappuccino in der russischen Kette Azbuka Vkusa umgerechnet ab rund 3,80 Euro – auch in Kremlnähe. Die Kette Coffeemania verlangt jedoch mehr als sechs Euro für eine kleine Tasse. Für viele Russen ist das kein billiges Vergnügen. Das Durchschnittsgehalt in Moskau liegt bei rund 1.900 Euro.

In Deutschland betrug der durchschnittliche Preis für einen Cappuccino vergangenes Jahr 3,14 Euro. 2021 waren es noch 2,24 Euro. Das Getränk kostete im Süden mit 3,20 Euro etwas mehr als im Norden mit 3,08 Euro. Der Durchschnitt beim Cappuccino in einem Restaurant liegt bei 3,57 Euro. Auf dem Kaffeemarkt ist derzeit viel Bewegung. Mehrere neue Ketten eröffneten Filialen in deutschen Großstädten.