Luxemburg27. November 2025

Luxemburg steigt verspätet ins Wasserstoff-Zeitalter ein

Creos Hydrogen wird Betreiber des nationalen Wasserstoffnetzes

von Ali Ruckert

Die vorangegangene Koalition von LSAP, DP und Grünen und die derzeitige CSV/DP-Regierung zählen nicht nur zu den Meisterschülern der EU in Fragen der Abkopplung von preiswertem russischem Erdöl und Erdgas, womit sie der hiesigen Bevölkerung und der Wirtschaft stark schaden, sondern haben auch den Einstieg ins Wasserstoff-Zeitalter regelrecht verschlafen.

Es dauerte bis März 2025, bevor ein Gesetz über den Aufbau von Wasserstoffnetzen, deren Entwicklung, Betrieb und Regulierung das Licht der Welt erblickte. Ab jenem Zeitpunkt bedurfte es dann noch einmal deutlich mehr als einem halben Jahr, bevor die Regierung entschied, das Unternehmen Creos Hydrogen am 18. November 2025 zum nationalen Betreiber eines Wasserstoffnetzes zu ernennen.

Es ist der späte Beginn der koordinierten Entwicklung im Bereich der Infrastruktur einer integrierten Wasserstoffinfrastruktur, denn wie für die Stromproduktion wird sich Luxemburg auch in die Abhängigkeit seiner kapitalistischen Nachbarstaaten begeben, weil es der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung hinterherhinkt und sich derzeit erst in einer frühen Entwicklungsphase befindet.

Angaben von Creos Hydrogen zufolge entwickelt das Unternehmen, in Zusammenarbeit mit Fluxys Hydrogen aus Belgien und NaTran aus Frankreich das Projekt HY4Link, das die dezentrale Erzeugung von grünem Wasserstoff in der Großregion (Luxemburg, Belgien, die Region Grand Est in Frankreich und das Saarland) fördern soll, indem es die erforderliche Infrastruktur für den Wasserstofftransport bereitstellt.

Das Projekt ist so konzipiert, dass es die Wasserstoffbedarfszentren für Industrie und Verkehr in Frankreich, Deutschland und Luxemburg mit den Wasserstoffversorgungszentren entlang der Nordseeküste und den Importzentren in Antwerpen, Zeebrugge, Rotterdam und Dünkirchen verbindet.

Dazu heißt es bei Creos: »Teil 1: Creos Luxembourg und NaTran werden gemeinsam ein grenzüberschreitendes Wasserstoffnetz aufbauen, das von Bouzonville in Frankreich über Thionville nach Frisange im Süden Luxemburgs führt und an das Projekt mosaHYc anschließt. Die grenzüberschreitende Verbindung Frankreich-Luxemburg bildet den Ausgangspunkt für die Wasserstoffinfrastruktur im Süden Luxemburgs. Teil 2: In Zusammenarbeit zwischen Creos und Fluxys hydrogen wird eine Leitung verlegt, die Luxemburg über den Grenzpunkt Bras (BE) mit dem Belgium Hydrogen Backbone verbindet. Dies wird durch den Bau einer Wasserstoffleitung durch Luxemburg nach Frankreich und Deutschland ergänzt.«

Das alles soll Teil sein des Projekts European Hydrogen Backbone (Initiative Europäisches Wasserstoff-Rückgrat), das in ganz West- und Mitteleuropa ein Netzwerk für den Transport von Wasserstoff schaffen soll.

Die nächsten konkreten Schritte, die Creos Hydrogen einleiten wird, umfassen erst einmal die detaillierte Planung des Wasserstoffnetzes, die Verwaltungsverfahren und Konsultationen mit »den Interessengruppen« wie es heißt, so dass wohl noch viel Wasser die Mosel herunterfließen wird, bevor ein engmaschiges Versorgungsnetz für Betriebe und ein Tankstellennetz für Pkw und Lkw in Betrieb gehen wird.

Keine Angaben gibt es dazu, was das alles kosten wird und wer es bezahlen soll.

Creos Hydrogen ist übrigens weniger als ein Jahr alt, denn das Unternehmen wurde am 10.Dezember 2024 als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Creos Luxemburg gegründet.

Hauptaktionäre von Creos Luxembourg sind die Stadt Luxemburg (20 Prozent der Aktien) und die Energiegruppe Encevo (75,43 Prozent), in welcher der Staat die Staatsunternehmen SNCI, BCEE und Post sowie die Stadt Luxemburg drei Viertel der Aktien haben, während die restlichen 24,92 Prozent im Besitz der China Southern Power Grid International ist, eine Tochtergesellschaft der chinesischen staatlichen China Southern Power Grid.