Ausland27. September 2025

»Kriegstüchtig« wie einst?

von Rainer Rupp

Im deutschen Bundestag und in Fernsehinterviews forderte der sozialdemokratische Kriegsminister Boris Pistorius, Deutschland müsse wieder »kriegstüchtig« und »wehrhaft« werden. Dafür müsse die Bundeswehr sowie die Gesellschaft als Ganzes wieder entsprechend aufgestellt werden.

Im Eifer der neuen »Zeitenwende« in Richtung Krieg bediente er sich sogar am Sprachschatz des einstigen Propagandaministers der Nazi-Diktatur, der vor dem und während des Zweiten Weltkriegs immer wieder die »Kriegstüchtigkeit« und die »Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes« beschworen hatte. So erschien z.B. am 9. Juli 1944, als die Niederlage der faschistischen Wehrmacht bereits nicht mehr aufzuhalten war, auf der Titelseite der Nazi-Wochenzeitung »Das Reich« ein Leitartikel aus der Feder von Dr. Joseph Goebbels mit der Schlagzeile »Kriegstüchtig wie nur je«. Darin betont er die »Kriegstüchtigkeit« des Hitlerreiches und fordert, »alle Kräfte der Nation« für den »Sieg« zu mobilisieren.

Sind diese auffälligen Parallelen zu heute rein zufällig? Verfolgt die herrschende Klasse heute wieder ähnliche Ziele gegen Rußland? Ende 2023 veröffentlichten Kriegsminister Pistorius und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, die »Verteidigungspolitischen Richtlinien 2023«, die laut Kritikern als »Blaupause für einen totalen Krieg« gesehen werden könnten. In diese Richtung würde auch die »Nationale Sicherheitsstrategie« weisen, die bereits im Juni 2023 veröffentlicht wurde. Alle Bereiche der Gesellschaft sollen wieder auf Krieg ausgerichtet werden.

Deutsche Soldaten und Zivilisten sollen ideologisch darauf vorbereitet werden, für »unsere Demokratie«, also für die geopolitischen Interessen der herrschenden Eliten, zu sterben. »Unsere Wehrhaftigkeit erfordert eine kriegstüchtige Bundeswehr«, heißt es gleich im ersten Abschnitt des Papiers. Das bedeute, »daß ihr Personal und ihre Ausstattung auf die Wahrnehmung ihrer fordernden Aufträge ausgerichtet sind«. Maßstab hierfür sei »jederzeit die Bereitschaft zum Kampf mit dem Anspruch auf Erfolg im hochintensiven Gefecht«. »Hochintensiv« ist eine Umschreibung für massenhafte Verluste!

Weiter heißt es in dem Text, daß »wir« die Auseinandersetzung mit einem »mindestens ebenbürtigen Gegner … nicht nur gewinnen wollen, sondern müssen«. Ein weiteres zentrales Ziel lautet: »Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime.« Deutschland brauche »Soldatinnen und Soldaten, die den Willen haben, unter bewußter Inkaufnahme der Gefahr für Leib und Leben das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen«. Das sagt alles.

Im Zweiten Weltkrieg legte die herrschende Klasse Deutschlands nicht nur den ganzen Kontinent Europa, sondern auch das eigene Land in Schutt und Asche. Seither hatte es kein Politiker mehr gewagt, so offen über Krieg, Sieg und Tod auf dem Schlachtfeld zu sprechen, wie jetzt Pistorius und Co.

Da paßt dazu, daß die aktuelle Bundesregierung unter dem christlichen Demokraten Friedrich Merz Deutschland wieder (!) zur führenden Militärmacht Europas hochzurüsten will. Lautet das Motto jetzt: »Nie wieder Krieg ohne uns?«