Westasien zwischen Diplomatie und Krieg
Ein Blick auf historische Entwicklungen und Zusammenhänge erleichtert das Verstehen heutiger Probleme
Anders als die Außenpolitik von USA, EU-Kommission und einigen EU-Staaten, ist die Außenpolitik der Länder Westasiens auf Dialog ausgerichtet. Einzige Ausnahme unter den Ländern Westasiens ist der Staat Israel, der von nahezu allen der regionalen Staaten als die größte Gefahr für Frieden und Stabilität der Region zwischen dem östlichen Mittelmeer und der Persischen Golfregion angesehen wird.
Die arabischen Staaten, die mit Israel auf Wunsch von USA-Präsident Donald Trump bereits während seiner ersten Amtszeit ein »Abraham-Abkommen« unterzeichnet haben – Bahrain, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate – haben bis heute keinen Nutzen daraus gezogen. Zwar gibt es nun israelisches Militär, israelische Unternehmen und damit auch potentielle Investitionen aus den USA, Britannien, Frankreich, Deutschland oder der EU-Kommission in diesen Ländern, was nach westlicher Sprachregelung meist als »Frieden und Wohlstand« bezeichnet wird. Die Kriege allerdings, zu denen die zweite Trump-Administration sich von Benjamin Netanjahu, dem langjährigen Ministerpräsidenten Israels, drängen ließ, haben diesen Ländern das Gegenteil von »Frieden und Wohlstand« gebracht.
Folgen kolonialer Unterdrückung
Bahrain liegt in Trümmern, massive Zerstörung gibt es auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Marokko bereitet sich gerade auf die Eröffnung einer israelischen Botschaft und den Bau eines israelischen Militärstützpunktes vor, während sich die Beziehungen zu Marokkos direktem Nachbarn Algerien verschlechtern. Der bestehende Waffenstillstand zwischen Marokko und Westsahara könnte zerbrechen, denn Israel unterstützt die Annexion des Gebietes durch Marokko, während Algerien und die Frente Polisario, die sahaurische Bewegung für Selbstbestimmung, die Unabhängigkeit fordern.
Marokko will die West-Sahara eingliedern und dem sahaurischen Volk »Autonomie« zugestehen. Dieser Vorschlag wird von der UNO unterstützt. Ebenso von Spanien, das bis 1975 Kolonialmacht der West-Sahara war und sich 1976 zurückzog. Die UNO hatte den Sahauris ein Referendum zugesagt, um selber über ihre Zukunft zu entscheiden. Dafür befindet sich seit 1991 eine UNO-Mission für das Referendum in der West-Sahara (MINURSO) im Land, um eine Einigung vorzubereiten. Das Mandat läuft am 31.10.2026 aus, ein Ergebnis ihrer Lösungssuche hat die MINURSO-Mission bisher nicht vorgelegt.
Die Lage zwischen Marokko und Westsahara ist ein Beispiel dafür, wie die Lösung von rechtmäßigen Ansprüchen kleiner Nationen auf internationaler Ebene verschleppt werden kann. Den Palästinensern, Syrern und Libanesen wurde ihr Land bereits mit dem britisch-französischen Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zerteilt. Es folgte die Balfour-Erklärung 1917, die Grundlage für das britische Mandatsgebiet Palästina, das der Völkerbund verfügte. 1947 beschloß die neu gegründete Organisation der Vereinten Nationen, zwei Staaten auf dem Gebiet des britischen Mandatsgebiets Palästina zu errichten: einen jüdischen Staat und einen Staat für die Palästinenser. Mit der gewaltsamen Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 wurden mindestens 700.000 Palästinenser in den Libanon, nach Syrien, Jordanien und in andere Staaten der Region vertrieben. Bis zum heutigen Tag werden die Palästinenser von der israelischen Armee und von Siedlerbanden vertrieben, ermordet, ihre Häuser werden zerstört. Seit Jahrzehnten warten sie, daß ihr Recht auf Rückkehr in ihre Heimat und der Abzug der illegalen Besatzung umgesetzt werden, vergeblich.
Die Länder Westasiens suchen den Dialog
Dieses Vorgehen basiert auf jahrhundertealten Handelsbeziehungen unter den Staaten zwischen östlichem Mittelmeer und der Persischen Golfregion und weit darüber hinaus bis nach China. Die historisch älteste Verbindung, die Asien und den europäischen Kontinent miteinander verband, war die Seidenstraße. Dieser Handelsweg verband mindestens seit dem Jahr 300 vor unserer Zeitrechnung verschiedene Handelszentren zwischen China und dem östlichen Mittelmeer auf dem Land- und Seeweg.
Nicht nur Händler, sondern auch Krieger nutzten diese Verbindungsstrecken. Neu entstehende Religionen und gesellschaftliche Strukturen erkämpften oft gegeneinander ihre Positionen, Reichtümer wurden geplündert, Frauen und Kinder wurden als Gefangene in die Länder der Sieger entführt.
Mit der Ausdehnung des europäischen Kolonialismus um das Jahr 1500 und danach, und dem imperialen Streben der europäischen Großmächte im 18./19. Jahrhundert nahm die westliche Präsenz in Zentralasien zu. Lokale und regionale politische und gesellschaftliche Vereinbarungen in Afghanistan, Indien gerieten unter Druck oder wurden vernichtet. Länder wurden nach ethnischen oder religiösen Zugehörigkeiten zerteilt.
Die Entdeckung des Öls um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhundert rückte Afghanistan, Indien, Iran, Irak, Saudi-Arabien und die gesamte Region Westasiens in den Mittelpunkt westlicher Interessen. Die westlichen Großmächte begannen, ihre Interessenssphären in den Ländern und Gesellschaften der Region zu installieren. Die bereits im Ersten Weltkrieg zerteilten Staaten wurden – wie schon in Zentralasien – nach ethnischer und religiöser Zugehörigkeit zerteilt.
Der 1948 unter Anwendung militärischer Gewalt errichtete Staat Israel wurde finanziell, politisch und militärisch aufgerüstet. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt Israel, mit französischer und anderer Unterstützung – ähnlich wie das damaligen Apartheidregime Südafrika – Atomtechnologie.
Parallel zur diesjährigen UNO-Vollversammlung wurde ein weiteres U-Boot aus deutscher Produktion, die »INS Drakon« im Hafen von Haifa der israelischen Marine überstellt. Mit mehr als 70 Metern Länge ist es das größte U-Boot der israelischen Marine und mit zehn Torpedorohren ausgerüstet. Technisch gesehen handelt es sich um ein atomwaffenfähiges Kriegsschiff, was offiziell nicht bestätigt ist oder auch dementiert wird. Nach Angaben des israelischen Generalstabschefs Ejal Zamir ist das U-Boot das erste größere Waffensystem, das im Rahmen eines mehrjährigen Plans »Choschen« an die israelische Kriegsmarine ausgeliefert wurde. Ziel sei es, daß die Marine weiter entfernt von Israel, länger und mit größerer Feuerkraft operieren könne, als auch in den Gewässern vor dem Iran, obwohl davon offiziell nicht gesprochen wird.
Israel im Krieg an sieben Fronten
Im Juni 2025 griffen Israel und die USA den Iran an. De facto sah die Welt, wie zwei Atomwaffenmächte unprovoziert den Iran geradezu überfielen, obwohl die USA und der Iran – gegen den erklärten Willen Israels – in Verhandlungen waren. Der Iran verfügt über ein ziviles Atomprogramm. Das ist sein Recht, denn der Iran hat das Nichtverbreitungsabkommen unterzeichnet, ist Mitglied der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) und ließ – bis zum Angriff der USA und Israels 2025 – die Anlagen regelmäßig von IAEA-Inspektoren kontrollieren.
Ende Februar 2026 begann ein weiterer Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der sich in der Region ausweitet. Die Meerenge von Hormus wurde vom Iran für die Schiffe geschlossen, die USA und Israel gehörten, in deren Interessen fuhren oder zu Staaten gehörten, die den Krieg der USA und Israels unterstützten. Die USA-Administration drohte dem Iran mit »Vernichtung« zog um das Land eine Seeblockade. Die doppelte Sperrung bedeutet international schwere wirtschaftliche Folgen.
Im Iran rechnet man heute mit einem weiteren massiven Angriff von Israel und den USA. Die USA haben eine große Menge schwerer Bomben an Israel geliefert, Medien sprechen von bis zu 60.000 Bomben. Die Bundesrepublik Deutschland, der zweitgrößte Waffenlieferant an Israel nach den USA, hat nach eigenen Angaben allein im 2. Quartal 2026 die Lieferung von »Rüstungsgütern« im Wert von über 735 Millionen Euro an Israel genehmigt. 67 Prozent davon beziehen sich auf das bereits erwähnte U-Boot »INS Drakon«, rund 21 Prozent finanzieren die »Kooperation deutscher und israelischer Firmen im Interesse der Bundeswehr«, heißt es seitens des Berliner Kriegsministeriums.
Tatsächlich handelt es sich um Kriegswaffen, denn Israel befindet sich spätestens seit dem Angriff auf den Iran im Juni 2025 an sieben Fronten im Krieg. Das hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu persönlich gesagt und er nannte den Gazastreifen, das Westjordanland, Libanon, Syrien, Irak, Jemen und Iran.
Westliche Unterstützung für die Kriege Israels
Die israelische Gefahr für die Region – und darüber hinaus – ist real. Der Iran ist steht seit 1978/79 unter Sanktionen der USA, der EU und mehrerer EU-Länder und hat sich hinsichtlich einer direkten Konfrontation des Landes gegen die anhaltende Einmischung der USA und Israels lange zurückgehalten. Die Regierung in Teheran unterstützt bis heute gleichgesinnte Organisationen in der Region, die eine »Achse des Widerstandes« bilden. Ihr Ziel war und ist die Befreiung von fremder Einmischung, Besatzung und Rassismus. Ihre Stärke war und ist die Verankerung in der Bevölkerung. Ihre Gegner allerdings – die westliche USA-geführte Hemisphäre – verfügte lange nicht nur über mehr Feuerkraft, sondern auch über Jahrhunderte alte Beziehungen in den Ländern Westasiens, die sie einst kontrollierten.
Das Instrumentarium der Einmischung in andere Staaten ist vielfältig. Es reicht von Sanktionen, Kriminalisierung und Krieg bis zu der so genannten »Soft Power«. Das sind Stiftungen, Nichtregierungs- und so genannte zivile Organisationen, die vordergründig einer verarmten, arbeits- und perspektivlosen Gesellschaft helfen und Zukunftsmodelle anbieten. Da sie aus dem Ausland und meist auch von den Staaten, aus denen sie geschickt werden, finanziert werden, entspricht die »Hilfe« den westlichen Interessen, nicht aber selbstbestimmten Entscheidungen der jeweiligen Nationen.

