Ein Tag auf der Schueberfouer
Es gibt – das scheint gesellschaftspolitisch so gewollt – Menschen, deren Alltag grauer und oftmals beschwerlicher ist, als man vermuten würde. Dabei handelt es sich mitnichten nur um Obdachlose. Viele finden bei der »Stëmm vun der Strooss« Obhut und Trost: Ältere, deren Rente vorne und hinten nicht reicht, Mindestlohnempfänger, die sich zwischen Miete und einer warmen Mahlzeit entscheiden müssen, und viele andere, vom Leben gezeichnete Menschen, die eigentlich auch nur ein Stück vom Glück haben möchten.
Für die Organisation »Stëmm vun der Strooss« ist die Begleitung und Nähe zu diesen Menschen eine tägliche Herausforderung, die nur mit viel Engagement und einer Legion prekär Beschäftigter zu bewältigen ist. Doch die »Kunden der Stëmm« brauchen mehr als nur eine warme Mahlzeit: den Zugang zu einer Dusche, einer Waschmaschine und bei Bedarf zur Kleiderkammer.
Es sind die kleinen Gesten, die zuweilen weit mehr bewirken, als allgemein wahrgenommen wird. Seit 2015 organisiert die Stëmm eine Ausfahrt zur Schueberfouer – natürlich in Absprache mit dem Verband der Schausteller. Am Montag haben so rund zweihundert Personen den Rummelplatz besucht. Es gab Freischeine für die Fahrgeschäfte und ein leckeres Essen in zwei Gastronomiebetrieben.
Der langsam abklingende Sommer war bewölkt. Während die älteren Jahrgänge die Fahrgeschäfte eher betrachteten, haben sich die Jüngeren nach Herzenslust ausgetobt. So wurde es ein höchst vergnügliches Erlebnis, dessen Erinnerung hoffentlich eine Weile anhalten wird.
Doch es reicht nicht, die Freude dieser Menschen zu kolportieren. Ja, es ist wichtig, auf solche guten Taten und die Motivation der Stëmm-Mitarbeiter hinzuweisen. Solche Aktionen beweisen jedoch auch, dass wir als Gesellschaft versagt haben – insbesondere, weil die Zahl der Bedürftigen täglich zunimmt und niemand ernsthaft gewillt scheint, dem entgegenzutreten.
Es soll daher auch nicht verschwiegen werden, dass es Menschen gibt, die solche »guten« Tage im Leben von Bedürftigen gerne als »Schmarotzertum« verklären. Dass dem so ist, darf auch der politischen Agenda dieser konservativ-liberalen Regierung zugeschrieben werden. Diese verspricht zwar, der Armut den Krieg zu erklären, ist aber gleichzeitig darauf bedacht, ebendiese Armut zu erhalten.
