Wissenschaftliche Studie bestätigt
Äpfel in Luxemburg weisen Pestizidrückstände auf
»Ein Apfel am Tag hält den Arzt fern« – dieses Sprichwort könnte bald der Vergangenheit angehören. Eine aktuelle Studie des Pesticide Action Network Europe (PAN Europe) enthüllt, dass 93 Prozent aller konventionellen Äpfel in Europa mit Pestizidrückständen belastet sind – und 85 Prozent sogar mit einem gefährlichen Cocktail aus mehreren Giften.
Besonders alarmierend: Luxemburgs Äpfel gehören zu den am stärksten kontaminierten in der EU. In einigen Proben fanden sich bis zu sieben verschiedene Pestizide gleichzeitig, darunter neurotoxische Substanzen und PFAS (Ewigkeitschemikalien), die mit Krebs, Hormonstörungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht werden.
Die Studie analysierte 59 Apfelproben aus 13 europäischen Ländern – darunter drei aus Luxemburg. Das Ergebnis: Luxemburgische Äpfel wiesen im Schnitt fünf verschiedene Pestizidrückstände auf, während der EU-Durchschnitt bei drei liegt. »In einer Probe fanden wir sieben verschiedene Pestizide – sechs davon waren Fungizide wie Fludioxonil oder Tebuconazol», erklärt Roger Dammé vom Meco.
Diese Substanzen werden eingesetzt, um Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Schorf zu bekämpfen. »Doch genau diese Mehrfachbelastung macht die Früchte für Verbraucher so riskant«, warnt auch Gergely Simon von PAN Europe. »Die Kombination verschiedener Gifte kann synergistische Effekte haben – also eine verstärkte Toxizität, die bisher in der Risikobewertung nicht berücksichtigt wird.«
Besorgniserregend ist der hohe Anteil an PFAS-Pestiziden, die in 64 Prozent aller europäischen Äpfel nachgewiesen wurden. »PFAS sind extrem langlebig, mobil und giftig«, so Simon. »Sie reichern sich im Körper an und stehen im Verdacht, Leber- und Nierenschäden zu verursachen – sowie das Hormonsystem zu stören.«
In Luxemburg wurden in zwei von drei Proben Trifloxystrobin und Fludioxonil gefunden, in einer Probe zusätzlich Fluopyram. »Diese Substanzen zerfallen zu TFA (Trifluoressigsäure), die bereits in Grundwasser, Trinkwasser und sogar in Muttermilch nachgewiesen wurde«, betont die Präsidentin des Mouvement Ecologique Blanche Weber.
Vorsicht bei Babynahrung
Nach EU-Recht dürfen verarbeitete Baby- und Kleinkindnahrung keine Pestizidrückstände über 0,01 mg/kg enthalten. Doch 93 Prozent der getesteten Äpfel überschritten diesen Wert – teils um das 7- bis 112-Fache. »Würde man diese Äpfel zu Apfelmus verarbeiten, dürften sie nicht an Kinder unter drei Jahren verfüttert werden«, sagt Blanche Weber.
Besonders problematisch sind neurotoxische Pestizide wie Acetamiprid, das in jeder fünften europäischen Apfelprobe gefunden wurde. »Diese Substanz passiert die Plazentaschranke und kann die Gehirnentwicklung von Föten beeinträchtigen«, so der Bericht. Die Studien zeigen, dass Kinder, die im Mutterleib oder in den ersten Lebensjahren solchen Giften ausgesetzt sind, ein höheres Risiko für Entwicklungsstörungen, verminderten IQ und sogar Parkinson im Erwachsenenalter haben.
In Luxemburg wurden zwar keine neurotoxischen Rückstände in den getesteten Proben gefunden. Dafür enthielten sie Spirotetramat – ein Pestizid, das seit Oktober 2025 in der EU verboten ist. »Die Produzenten durften im Sommer 2025 noch Restbestände verwenden«, erklärt der Bericht. »Das zeigt, wie langsam die Umsetzung von Verboten oft ist – und wie lange verbotene Substanzen noch in unserer Nahrung landen.«
So deckt die Studie ein strukturelles Versagen auf. Seit 2005 schreibt die EU vor, dass die kumulative Wirkung von Pestizid-Cocktails in Lebensmitteln bewertet werden muss. »Doch bis heute gibt es keine Methode dafür«, kritisiert PAN Europe. »Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 20 Jahre Zeit gehabt – und nichts geliefert.« Stattdessen werden Pestizide einzeln bewertet, obwohl wissenschaftliche Studien längst belegen, dass Mehrfachbelastungen das Risiko erhöhen.
Auch Luxemburgs »Plan für nachhaltige Pestizidanwendung« (SUD) wird seit 2009 kaum umgesetzt. »Die Regierung hat es versäumt, Bauern bei der Umstellung auf biologische oder pestizidfreie Anbaumethoden zu unterstützen«, beklagt der MeCo, der die luxemburgischen Proben beisteuerte. »Dabei gibt es längst Alternativen – etwa resistente Apfelsorten oder mechanische Unkrautbekämpfung.« In Deutschland werden bereits 15 Prozent der Äpfel biologisch angebaut, in Luxemburg liegt der Anteil bei mageren 10 Prozent.«
