Kaleidoskop14. März 2026

Pritzker-Preis geht an chilenischen Architekten

von dpa/ZLV

Chicago – In diesem Jahr erhält der chilenische Architekt Smiljan Radić Clarke (Foto) den renommierten Pritzker Architecture Prize, der als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Architektur gilt. Dies teilte die Pritzker Architecture Prize Foundation mit. Radić lebt und arbeitet in Santiago, wo er seit 1995 sein eigenes Büro führt. Die Jury würdigte den 60-Jährigen für eine Architektur, die bewußt mit Unsicherheit, Materialexperimenten und kultureller Erinnerung arbeitet. Seine Gebäude wirken oft fragil, provisorisch oder unvollendet, bieten aber zugleich Schutzräume mit einer stillen, optimistischen Atmosphäre.

Radić verzichtet auf einen wiedererkennbaren Architekturstil. Stattdessen entwickelt er jedes Projekt neu aus seinem jeweiligen Kontext, in den er neben dem Ort auch Geschichte, soziale Praxis und politische Bedingungen einbezieht. Typisch für seine Arbeit sind ortsspezifische Lösungen. So werden Gebäude beispielsweise teilweise in den Boden eingelassen oder so ausgerichtet, daß sie Wind und Licht berücksichtigen. Beispiele hierfür sind das Restaurant Mestizo in Santiago und das Wohnhaus Pite House in Papudo.

Die unter der Präsidentschaft des chilenischen Architekten Alejandro Aravena tagende Jury betonte Radićs Fähigkeit, mit einfachen Materialien wie Beton, Stein, Holz und Glas präzise gebaute Räume zu schaffen, die stark auf körperliche Erfahrung und Atmosphäre setzen. Radić kombiniert diese Materialien so, daß Gewicht, Licht und Klang im Raum unmittelbar spürbar werden. Seine Bauten wirken auf den ersten Blick rau und reduziert, offenbaren aber eine präzise Konstruktion, die stark auf körperliche Erfahrung und Atmosphäre abzielt. Räume werden nicht als spektakuläre Formen inszeniert, sondern als Orte, an denen man Geräusche, Temperatur und wechselndes Licht bewußt wahrnimmt.

Zu Radićs Werk zählen kulturelle Einrichtungen, öffentliche Bauten, Installationen und Wohnhäuser in Europa und Südamerika. International bekannt wurde er mit temporären Projekten wie dem Serpentine-Pavillon in London 2014, während in seiner Heimat größere Theater, Museen und Einfamilienhäuser entstanden. Die Jury würdigt ein konsequentes Arbeiten an sehr unterschiedlichen Schauplätzen – von abgelegenen Landschaften bis zu Großstädten –, das stets vom jeweiligen Ort und seiner Geschichte ausgeht.

Radić ist der 55. Preisträger des 1979 gegründeten Architekturpreises.