Luxemburg05. Februar 2026

Immer häufiger Burnout und Depressionen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Gelenkprobleme

Qualität der Arbeit auf einem Tiefstand angelangt

von Ali Ruckert

Aus dem Index der Qualität der Arbeit (»Quality of Work Index Luxembourg«), der von der »Chambre des Salariés« (CSL) in Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg mittels telefonischer und Online-Befragung durchgeführt wird, mit dem Ziel, die Arbeitsqualität aus Sicht der Lohnabhängigen zu ermitteln und zu dokumentieren, geht hervor, dass die Arbeitsqualität ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht hat.

Anläßlich einer Pressekonferenz am gestrigen Mittwoch erinnerte CSL-Präsidentin Nora Back daran, dass der Index der Qualität der Arbeit, als er im Jahre 2013 erstmals veröffentlicht wurde, 56,2 Punkte von 100 betrug, ein Wert, der seither nie mehr erreicht wurde.

2025 fällt er, nach den 53,5 Punkten während der Corona-Krise, auf 53,4 Punkte, seinen bisherigen Tiefpunkt. Noch niedriger ist der Index der Qualität der Arbeit in den Teilbereichen Handel, Transport, Horeca (50,1) und bei den Maschinenführern und Montagearbeitern (46).

Aus den Erläuterungen von David Büchel, Arbeitspsychologe bei der CSL, ging hervor, dass die psychischen Belastungen mit 56,2 Punkten noch nie so hoch waren, dass aber auch die körperlichen Belastungen, die zwischen 2014 und 2021 rückläufig waren, 2025 auf 43,3 Punkte anstiegen.

Immer mehr Lohnabhängige haben Angst (5%) oder große Angst (9%), sie könnten während der nächsten zehn Jahre im Zuge der Automatisierung und des technischen Fortschritts ihren Arbeitsplatz verlieren.

Besonders verbreitet ist diese Angst bei Jugendlichen, Grenzgängern, weniger qualifizierten Lohnabhängigen und solchen, die technische Berufe in der Privatwirtschaft ausüben. Wie es sich in diesem Zusammenhang mit der Künstlichen Intelligenz verhält, soll im kommenden Jahr auf dem Fragebogen der CSL stehen.

Arbeit macht krank

Eine deutliche Tendenz nach oben wurde bei Burnout und bei Depressionen festgestellt, während sogar 6,6 Prozent der befragten Lohnabhängigen angaben, Selbstmordgedanken zu haben, dreimal mehr als 2014.

Ein besonders großer Prozentsatz von Frauen, jungen Erwachsenen und Lohnabhängigen, die harte körperliche Arbeit leisten müssen, atypische Arbeitszeiten haben oder wie im Handel, im Transport oder im Horeca-Bereich ständig unter Strom stehen, gaben an, mit psychischen Problemen geplagt zu sein.

Hinzu kommt die seit 2014 kontinuierlich wachsende Zahl an Lohnabhängigen, die körperliche Probleme angeben. 33 Prozent sprechen inzwischen von Rückenschmerzen, 30,2 Prozent von Schlafstörungen, 24,5 Prozent von Kopfschmerzen, 23.3 Prozent von Gelenkproblemen und 15 Prozent von Magenproblemen.

Während die Gesundheitsprobleme weiter zunehmen, geht das generelle Wohlbefinden am Arbeitsplatz auf 60 Prozent zurück (2016 waren das noch 76 Prozent).

Ein zusätzliches Problem für einen wachsenden Anteil der Lohnabhängigen ist, dass sie sich vor größere Schwierigkeiten als in der Vergangenheit gestellt sehen, wenn sie den Arbeitsplätz wechseln wollen.

Mit 42,1 Prozent erreicht der Anteil der Schaffenden, die Probleme haben das Berufs- und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen, einen absoluten Rekordwert. Vor zehn Jahren betrug dieser Anteil noch weniger als ein Drittel.

Arbeitskräftemangel ist ein strukturelles Problem

Interessant sind auch die Zahlen zum Arbeitskräftemangel. 60,6 Prozent der Schaffenden stellen einen solchen Arbeitskräftemangel in dem Wirtschaftsbereich fest, in dem sie arbeiten. Besonders deutlich wird dieser Mangel in den Krankenhäusern, dem Gesundheits- und Sozialbereich insgesamt und im Transportwesen.

Dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, ist daran festzumachen, dass fast jeder zweite Lohnabhängige feststellt, dass der Arbeitskräftemangel nach mehr als 18 Monaten nicht behoben ist.

Das führt unter anderem dazu, dass die Betroffenen oft schneller und länger arbeiten müssen und sich noch weniger als andere Lohnabhängige weiterbilden können, abgesehen davon, dass ohnehin weitaus mehr als jeder zweite Betrieb nicht an der Weiterbildung seiner Beschäftigten interessiert ist und erst recht nicht dafür bezahlen will.