Ausland25. August 2026

Auslands-Nachrichten

von dpa/ZLV

Israels Krieg in Gaza

Israel setzt die gezielte Tötung angeblicher Mitglieder der Hamas fort. In der Nacht zum Montag seien in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen zwei Hamas-Mitglieder getötet worden, die angeblich am 7. Oktober 2023 auf israelisches Gebiet vorgedrungen seien, teilte die israelische Armee mit. Am Sonntag war nach Militärangaben in Chan Junis im Süden des Küstenstreifens bereits ein Mitglied der Hamas getötet worden. Israel will alle am 7. Oktober Beteiligten aufspüren und gezielt töten. Zu den in der Nacht getöteten Palästinensern erklärte die Armee, sie hätten »Angriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten geplant«.

Seit dem 7. Oktober 2023 wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 73.420 Palästinenser getötet, rund 1.300 davon seit Beginn der »Waffenruhe«. Menschenrechtsorganisationen und UNO-Gremien werfen Israel wegen seines Vorgehens im Krieg gegen Gaza Kriegsverbrechen vor.

Der israelische Kriegsminister Israel Katz hat die Armee angewiesen, mit aller Härte gegen das Starten von Ballons, Drachen oder Drohnen aus dem Gazastreifen vorzugehen. Das Militär solle »alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen«, um künftige Starts zu verhindern, darunter die Tötung von Hamas-Anführern, die dafür verantwortlich seien. Zudem wurden die »Räumung« von Stadtvierteln und Gebieten, aus denen die Starts erfolgen, sowie »Maßnahmen gegen die dortige Terrorinfrastruktur« angedroht. Katz erklärte, Israel werde jeden solchen Start als »Kriegshandlung« betrachten.

Unser Foto zeigt einen israelischen Luftangriff im Gazastreifen am Sonntag, 23. August 2026.

Gedenken in Amatrice

In der mittelitalienischen Gemeinde Amatrice wurde in der Nacht zum Montag mit einer Mahnwache und 239 Glockenschlägen an das schwere Erdbeben vor zehn Jahren erinnert. Um 3.36 Uhr – dem Zeitpunkt des schlimmsten Bebens – gab es eine Schweigeminute, danach läuteten die Glocken: Für jedes Todesopfer in Amatrice schlug die Glocke einmal.

Das Hauptbeben in der Nacht zum 24. August 2016 hatte eine Stärke von 6,2. Allein in Amatrice und der Nachbargemeinde Accumoli kamen insgesamt 249 Menschen ums Leben. In der angrenzenden Region starben weitere 50 Menschen.

Film über Gaza in Venedig

Die Filmfestspiele von Venedig haben einen neuen Titel in den Wettbewerb aufgenommen: Der Dokumentarfilm »Naza« über den Gaza-Krieg von Yuval Abraham (r.) und Rachel Szor (2.v.l.) gehört jetzt zu den nun 21 Wettbewerbsbeiträgen. Die beiden Regisseure gehörten zum vierköpfigen Regieteam des 2025 mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilms »No Other Land«.

In der Filmbeschreibung von »Naza« heißt es, der nachts auf den Dächern von Tel Aviv gedrehte Film beleuchte detailliert das, was die Macher des Films als die »Systeme hinter Israels gezieltem massenhaften Töten palästinensischer Zivilisten in Gaza« bezeichnen. Der Filmtitel leitet sich von dem im Militärjargon benutzten hebräischen Kürzel für »Kollateralschaden« ab. Der Dokumentarfilm »No Other Land« gewann die israelischen Filmemacher bei der Berlinale 2024 den Dokumentarfilmpreis. Im Film geht es um die Zwangsräumung palästinensischer Dörfer im Westjordanland. »No Other Land« gewann 2025 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Neue Milliarden für Krieg gegen Rußland

Kiew – Die Ukraine hat zum 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit weitere westliche Militärhilfe für den Krieg gegen Rußland erhalten. Die EU genehmigte neue Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, am »Unabhängigkeitstag der Ukraine« zeige »Europa«, daß seine Unterstützung unerschütterlich und konkret sei.

Die Finanzhilfen sind Teil eines neuen Unterstützungsdarlehens im Umfang von bis zu 90 Milliarden Euro. Es wird in mehreren Tranchen ausgezahlt und soll der Ukraine die Fortsetzung des Krieges ermöglichen und das Land vor einer Staatspleite bewahren. Laut Kommissionsangaben waren zuvor schon Beschaffungspläne im Umfang von rund 16 Milliarden Euro genehmigt worden. Davon wurden bereits 8,35 Milliarden Euro ausgezahlt. Der Großteil der Beschaffungen soll bei Rüstungsunternehmen aus der EU erfolgen.

»Wir werden die Ukraine weiter so lange und so umfassend wie nötig unterstützen«, sagte EU-Ratspräsident António Costa am Montag in Kiew. Bereits in den vergangenen viereinhalb Kriegsjahren habe man mehr als 220 Milliarden Euro mobilisiert. Zugleich drohte Costa mit neuen Sanktionen gegen Rußland. In diesem Sommer sehe man deutlicher als je zuvor, daß der Krieg Rußlands Ressourcen aufzehre. Die bereits verhängten beispiellosen EU-Sanktionen zeigten Wirkung, behaupte er. Darüber hinaus verwies Costa auf die »europäische Perspektive« der Ukraine. Den angestrebten EU-Beitritt bezeichnete er als »die beste Garantie für Sicherheit und langfristige demokratische Stabilität für die Ukraine und für Europa insgesamt«.

Der neue britische Premierminister Andy Burnham absolvierte seinen ersten Auslandsbesuch in der Ukraine. Er versprach Militärhilfe und will der Ukraine die Produktion von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer Technologie ermöglichen. Die Regierung in London erlaubt dem französisch-britisch-italienischen Rüstungsunternehmen MBDA die Weitergabe geheim eingestufter Informationen, um Kiew die Fertigung von Marschflugkörpern vom Typ Scalp zu ermöglichen. Die Freigabe der Informationen für die britischen Komponenten der Marschflugkörper ermögliche es der Ukraine und auch Frankreich, eine Produktion in der Ukraine zu etablieren, hieß es.

Präsident Selenski empfing die ausländischen Gäste, darunter die Staats- und Regierungschefs aus Luxemburg, Lettland, Moldau, Litauen, Finnland und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa, zum Nationalfeiertag bei Sonnenschein auf dem Sophienplatz in Kiew. Er nutzte den Tag für eine Kampfansage an Rußlands Präsidenten Putin. Rußland müsse »durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden«, sagte er. »Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen.« Rußlands Soldaten würden von der ukrainischen Armee auf dem Schlachtfeld »zu Dünger gemacht«. Für den Militäretat hatte er am Wochenende 30 Milliarden Euro von der EU gefordert.

»Endphase des Iran-Kriegs«

Washington/Teheran – Die USA sehen in dem von Präsident Trump angekündigten Wirtschaftskrieg gegen den Iran die »Endphase« des seit rund sechs Monaten andauernden Krieges gegen den Iran. »Im Morgengrauen beginnt ein wirtschaftlicher ‚D-Day‘ – die größte finanzielle Offensive, die jemals gegen einen Gegner mobilisiert wurde«, schrieb USA-Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X. Er wollte auf einer für Montag in Washington angekündigten Pressekonferenz »die härtesten Sanktionen der Geschichte« gegen die Islamische Republik vorstellen.

Präsident Donald Trump habe die militärischen Fähigkeiten des Iran »zerschlagen«, schrieb Bessent. »Nahezu 100 Prozent« der Militärfabriken der Islamischen Republik habe Trump zerstört und das Atomprogramm des Landes zunichtegemacht, behauptete Bessent. »Wir treten nun in die Endphase ein.

Trump hatte am Mittwoch einen »wirtschaftlichen D-Day« für den Iran angekündigt und Unterstützern des Iran mit drakonischen Maßnahmen gedroht. Diejenigen, die fürchteten, sich Teheran zu widersetzen, sollten die Kosten einer Provokation Washingtons nicht unterschätzen, warnte Bessent. »Unser Ziel ist es, jede wirtschaftliche Lebensader zu durchtrennen, die das tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran auf sich allein gestellt ist.«

Der Iran warnt die USA zuvor vor schweren Konsequenzen. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf teilte auf X einen Comic, der nahelegte, daß verschärfte Sanktionen gegen sein Land die USA wie ein Bumerang selbst treffen würden. Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resai, warnte zudem die ölreichen Nachbarländer davor, sich Washington anzuschließen. Man werde jeden, der das tue, als Feind betrachten, sagte Resai.

Irans Präsident Massud Peseschkian sagte in einer Rede, sein Land sei »mit einem umfassenden wirtschaftlichen, militärischen und sicherheitspolitischen Krieg konfrontiert«. In einer Mitteilung auf seiner Webseite räumte er wirtschaftliche Schwierigkeiten ein und sprach von »erheblichen Ungleichgewichten« in der Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Benzin. Peseschkian zeigte sich aber überzeugt, daß der Iran dem Druck standhalten werde, da das Volk zusammenstehe und widerstandsfähig sei.

Außenminister Abbas Araghtschi sagte, wirtschaftliche Kriegsführung sei ein immer wiederkehrendes Muster und Teil der langjährigen Einschüchterungstaktik Washingtons. Der Iran habe gelernt, damit umzugehen. Tatsächlich gibt es bereits seit Jahrzehnten Sanktionen der USA gegen den Iran.

Niederländischer TV-Sender boykottiert ESC

Hilversum – Die Niederlande werden auch im kommenden Jahr bei einer Teilnahme Israels nicht beim ESC dabei sein. Die bisher für den ESC verantwortliche Rundfunkgesellschaft Avrotros lehnt erneut ab, sich an dem Musikwettbewerb zu beteiligen. Nach Angaben des Senders ist der ESC »nicht mehr neutral«.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten hätten zu große Auswirkungen auf den Wettbewerb, teilte der Sender mit. Die Maßnahmen, die der Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), ergriffen hätten, reichten nicht aus, um »den unabhängigen und neutralen Charakter des Songcontests wiederherzustellen«.

Es ist noch unklar, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk NPO einen anderen Sender findet, der die Auswahl eines ESC-Beitrages sowie die Ausstrahlung des Wettbewerbs übernehmen will. NPO äußerte Verständnis für die Entscheidung von Avrotros, der traditionell für den ESC verantwortlich ist.

Beim vorigen ESC in Wien hatten die Niederlande gemeinsam mit vier anderen Ländern wegen der Teilnahme Israels nicht teilgenommen. Der nächste ESC findet im Mai 2027 in Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste statt.

Rom und Berlin streiten über Bootsflüchtlinge

Rom/Berlin – Der Streit zwischen Deutschland und Italien über den Umgang mit Bootsflüchtlingen aus dem Mittelmeer hat sich verschärft. Der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini verkündete, sein Land werde aus Deutschland keinen einzigen »illegalen Einwanderer« zurücknehmen, solange deutsche Hilfsorganisationen mit Schiffen im Mittelmeer unterwegs seien. Die Bundesregierung verweist hingegen auf bestehende EU-Regelungen – auch auf den neuen »Asyl- und Migrationspakt« der EU, der seit diesem Sommer gilt.

Italiens rechte Dreier-Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begründet ihre ablehnende Haltung damit, daß deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf ihren Schiffen seit Jahren immer wieder Flüchtlinge an Bord nehmen, die auf dem Mittelmeer in Not sind oder geraten könnten, um sie dann in italienische Häfen zu bringen. Nach Angaben aus Rom waren dies allein seit Beginn des Jahres 2.200 Menschen. Manche davon reisen dann weiter nach Deutschland oder andere Länder.

Melonis Vize Salvini verschärfte den Ton jetzt abermals. Bei einem Treffen seiner rechten Partei Lega sagte der Verkehrsminister: »Deutschland hat kein Recht, uns auch nur einen einzigen illegalen Einwanderer zurückzuschicken, solange deutsche NGO-Schiffe im Mittelmeer unterwegs sind, um Tausende illegale Einwanderer in Italien und Europa an Land zu bringen.«

Demnächst soll es dazu ein Treffen der beiden Innenminister Piantedosi und Alexander Dobrindt (CSU) geben. Von deutscher Seite wurde in den vergangenen Tagen mehrfach betont, daß man beim Thema Migration eng zusammenarbeite.

Piantedosi ließ am Wochenende das deutsche Rettungsschiff »Sea-Watch 5« für 45 Tage festsetzen. Gegen die gleichnamige Hilfsorganisation verhängten die Behörden 4.500 Euro Bußgeld.

Kasachstans Präsident baut Positionen aus

Astana – In der Republik Kasachstan in Zentralasien hat Präsident Kassym-Schomart Tokajew mit der ersten Wahl eines Einkammerparlaments und dem Sieg seiner neuen Partei seine Macht weiter ausgebaut. Auf die Partei Adilet, die die Kräfte um Tokajew konsolidiert, entfielen laut dem vorläufigen Ergebnis der Zentralen Wahlkommission rund 71,2 Prozent der Stimmen. Die übrigen sechs Parteien verbuchten lediglich einstellige Ergebnisse. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 74 Prozent. Im neuen Parlament sind fünf Parteien vertreten.

Die Wahl besiegelt eine Verfassungsreform, mit der Kasachstan sein seit drei Jahrzehnten bestehendes parlamentarisches System aus zwei Kammern abgeschafft und durch eine einzige Volksvertretung ersetzt hatte. Der Kurultai, das neue Einkammerparlament, besteht aus 145 Abgeordneten. Tokajew will mit der neuen Struktur auch Gesetze schneller verabschieden lassen.


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