BCEE-Generaldirektorin nimmt ihren Hut
Nach Caritas-Affäre und Millionenstrafe der CSSF will sich die Spuerkeess »beschleunigt neu aufstellen«
Françoise Thoma wird ihren Posten als Generaldirektorin der Staatsbank und Staatssparkasse (BCEE) räumen. Das gab der Verwaltungsratspräsident der Spuerkeess, Camille Fohl, am Montagnachmittag auf einer äußerst kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, auf der angeblich die Strategie der Bank bis zum Jahr 2030 präsentiert werden sollte, bekannt. Die Juristin und ehemalige Staatsrätin bleibe im Amt, bis »intern oder extern« ein neuer Generaldirektor gefunden worden sei. Das brauche seine Zeit, unter anderem, weil die Europäische Zentralbank EZB im deutschen Frankfurt/Main zustimmen müsse, wahrscheinlich bis zum zweiten oder dritten Trimester nächsten Jahres.
Auf mehrmalige Nachfrage der anwesenden Journalisten wurde auf der Pressekonferenz vehement bestritten, daß die seit ihrer Gründung vor bald 170 Jahren im Alleineigentum des Staates stehende BCEE nach ihrer Verwicklung in die Caritas-Affäre und der Verhängung einer millionenschweren Geldstrafe gegen die Spuerkeess unter politischem Druck gestanden habe. Sie sei auch nicht zum Rücktritt aufgefordert worden, erklärte Frau Thoma, die Entscheidung, die Bank »beschleunigt neu aufzustellen«, sei »einmütig« getroffen worden. Das »europäische und internationale Umfeld« befinde sich im Umbruch, deshalb wolle sich die Bank »mit einer neuen Generation von Entscheidern neu aufstellen«.
Auch wenn Frau Thoma nicht mehr Generaldirektorin sei, bleibe sie der BCEE als (bezahlte) »strategische Beraterin« ihres Verwaltungsrates erhalten. Wie es hieß, trat die ehemalige Rechtsanwältin, die auch schon im Staatsrat saß, im Jahr 1999 in die Dienste der Spuerkeess und wurde 2016 ihre Generaldirektorin. Ende Juli dieses Jahres hatte die luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde CSSF eine Geldstrafe in Höhe von rund fünf Millionen Euro gegen die BCEE verhängt, weil ihr Finanzmonitoring in der Caritas-Affäre nicht funktioniert habe und die Spuerkeess somit ihren Sorgfaltspflichten nicht wie gefordert nachgekommen ist. Die Kontrolle durch die CSSF erfolgte, nachdem die katholische Wohlfahrtsorganisation Caritas im vergangenen Jahr um rund 61 Millionen Euro betrogen wurde – und davon über mehrere Monate hinweg rund 50 Millionen Euro über Konten bei der Spuerkeess ins Ausland transferiert wurden, von wo aus sie auf Nimmerwiedersehen im Orkus verschwanden.
Einen »direkten Zusammenhang« mit der Caritas-Affäre oder der von der CSSF verhängten Millionenstrafe bestritt der Verwaltungsratspräsident. Diese Ereignisse hätten den Anfang des Jahres begonnenen Erneuerungsprozeß allenfalls »beschleunigt«, wiederholte Fohl. Die »Strategie 2030« der Bank beruhe auf den »fünf Säulen« »finanzielle Solidität«, »kommerzielle Führungsstärke«, »operative und technologische Exzellenz«, »Risikokultur und Compliance« sowie »Investitionen in Humanressourcen«. Letzteres betreffe auch den Verwaltungsrat und die Geschäftsführung, in beiden Gremien stehe ein »Generationswechsel« an.
