Erster Streiktag bei Cargolux
Sechs Prozent Lohnerhöhung für alle, und keinen Cent weniger!
Diesmal hat die Geschäftsführung der Frachtfluggesellschaft Cargolux, die es bisher beliebte, bei Kollektivvertragsverhandlungen Katz und Maus mit den Gewerkschaften zu spielen, den Bogen überspannt und sich verzockt. Denn offenbar war die Chefetage, allen voran Geschäftsführer Richard Forson, davon ausgegangenen, dass die Sozialpartnerschaft die Gewerkschafter und die Belegschaft soweit gezähmt habe, dass sie es unter keinen Umständen wagen würden, auf einen Streik zurückzugreifen, um ihre Forderungen durchzusetzen.
Am Donnerstagmorgen war es dann aber soweit, als mit dem Beginn der Frühschicht das Frachtflugunternehmen bestreikt wurde, und in Luxemburg und weltweit gleich ein Dutzend Cargolux-Flugzeuge am Boden bleiben mussten, weil die Maschinen nicht be- oder entladen wurden, und auch die Mechaniker, das Verwaltungspersonal und die Flugzeug-Crews die Arbeit niedergelegt hatten. Im Laufe des Tages kamen viele weitere Maschinen hinzu.
Die fehlende Kompromissbereitschaft der Geschäftsführung wird die Frachtfluggesellschaft, die mehrheitlich im Besitz des Luxemburger Staates ist, viel Geld kosten, denn jede Stunde kostet pro Maschine 25.000 Dollar.
Als die Gewerkschaftssekretäre Michelle Cloos (OGBL) und Paul De Araujo (LCGB) vor der Zentrale der Cargolux in Sandweiler ans Rednerpult traten, hatten sich knapp 800 Cargolux-Beschäftigte aller Berufe und Gewerkschafter dort versammelt, um deutlich zu machen, dass sie konsequent hinter den Lohnforderungen stehen, welche die Gewerkschaften um Rahmen der Kollektivvertragsverhandlungen gestellt hatten.
Als nach 28 Verhandlungsrunden und fünf Sitzungen vor dem nationalen Schlichtungsamt, davon 32 in Abwesenheit des Geschäftsführers von Cargolux, kein für die Beschäftigten zufriedenstellendes Resultat erzielt werden konnte, hatten die Gewerkschaften die Notbremse gezogen und am 8. September die Nichteinigung festgestellt und mit den Streikvorbereitungen begonnen.
Während der gestrigen Kundgebung machten die Gewerkschaftssekretäre noch einmal deutlich, dass die gewerkschaftlichen Forderungen – anders als dies der Geschäftsführer der Cargolux einen Tag zuvor dargestellt hatte – alles andere als unvernünftig sind. Sie erinnerten auch daran, dass ausgehend vom Jahr 2002 nur Krümel an die Belegschaft verteilt wurden. Im Durchschnitt waren es pro Jahr 0,3 Prozent Lohnanpassung für das Bodenpersonal und 0,19 Prozent für die Piloten.
Die heutige Forderung, die Löhne linear um 6 Prozent für alle zu erhöhen, entspricht genau der Lohnerhöhung, die 2019 im Kollektivvertrag festgehalten wurde, mit dem Unterscheid, dass damals die Gewinne im Vergleich zu den seither durch den Einsatz der Belegschaft erzielten Rekordgewinne eher bescheiden waren. Immerhin beläuft sich der kumulierte Nettoprofit zwischen 2020 und 2022 auf 3,7 Milliarden Dollar!
Die Geschäftsführung lehnte aber nicht nur die 6-Prozent- Lohnerhöhung ab, sondern widersetzte sich auch der Forderung nach einer Garantie für den Schutz vor Inflation in der Hypothese einer wie immer auch gearteten Indexmanipulation und weigerte sich sogar, über eine neue Lohntabelle für das Bodenpersonal zu verhandeln, obwohl dies bereits im letzten Kollektivvertrag in beiderseitigem Einvernehmen festgehalten wurde. Hinzu kommt, dass es die erklärte Absicht der Geschäftsführung war, die Telearbeit mit Hilfe einer neuen internen Regelung zu Lasten der Beschäftigten abzuändern.
Die Gewerkschaftssekretäre machten gestern klar, dass eine Gewinnbeteiligung der Beschäftigten, wie sie auf Drängen der Geschäftsführung in den letzten Kollektivvertrag aufgenommen wurde, für die Zukunft keine Alternative zu einer linearen Lohnerhöhung sein kann, umso mehr hohe Investitionen anstehen, so dass der ausgewiesene Gewinn deutlich zurückgehen dürfte.
»Sechs Prozent Lohnerhöhung für alle und nicht weniger, das ist unser Ziel«, verkündete OGBL-Zentralsekretärin Michelle Cloos abschließend und rief dazu auf, geeint und solidarisch auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

