Gedenken bedeutet Lernen
Am 27. Januar 1944 erkämpften die Rote Armee der Sowjetunion und sowjetische Partisanen mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung einen historischen Sieg, der den Verlauf des Krieges maßgeblich beeinflußte. Der von den faschistischen deutschen Aggressoren um die Stadt Leningrad gelegte Belagerungsring konnte endgültig durchbrochen werden, nach 900 Tagen Blockade konnte die Stadt wieder zu atmen beginnen. Daß Hitlers Truppen das eigentlich vorgegebene Kriegsziel, die Stadt Lenins, die Stadt der Oktoberrevolution im Blitzangriff einzunehmen, nicht erreichen konnten, hatte sich bereits wenige Wochen nach dem Angriff auf die Sowjetunion deutlich abgezeichnet.
Nachdem schon die direkt an der Grenze gelegene Festung Brest, eines der ersten Angriffsziele der Hitlerwehrmacht, sich nicht ergeben hat und erst nach einem Monat vollständig besetzt werden konnte, wurde den Invasoren vor den Toren Leningrads endgültig Einhalt geboten. Hitlers Wunsch, am 7. November 1941, dem Jahrestag der sozialistischen Oktoberrevolution, in Lenins Stadt den Sieg zu feiern, konnte nicht erfüllt werden.
Unter großen Opfern, unter beständigem Artilleriebeschuß, Bombenangriffen, trotz Hunger und trotz Kälte in den Wintern hielten die Leningrader dem Aggressor stand. Die Stadt trägt dafür den Titel »Heldenstadt«.
Heute stehen deutsche Truppen – unterstützt durch Einheiten weiterer NATO-Länder, darunter Luxemburg – wieder unweit der Stadt, deren Name im kapitalistischen Rußland in Sankt Petersburg geändert wurde. Im Rahmen einer Stroßtruppe der NATO bilden sie in Litauen ein Bedrohungspotential gegen Rußland, das in den Medien unter dem Begriff »Verteidigung« verfälscht wird. Kein Wunder, daß der Jahrestag der Befreiung Leningrads in diesen Medien keine Beachtung findet.
Nicht viel besser ergeht es dem 27. Januar 1945, dem Jahrestag der Befreiung des faschistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch Einheiten der sowjetischen Roten Armee. Der deutsche Bundestag veranstaltete eine Sondersitzung zur Erinnerung an die Opfer des »Nationalsozialismus« – und begeht dabei doppelte Geschichtsfälschung. Der »Nationalsozialismus« war weder national noch sozialistisch – Hitlers Regime war purer Faschismus, die offene, terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Kräfte des Finanzkapitals.
Die zweite Fälschung der Geschichte ist die Reduzierung der Opfer des Faschismus auf die Juden. Die ersten Opfer der Faschisten, die ersten, die in Gefängnisse und Konzentrationslager gesperrt, gequält und getötet wurden, waren Kommunisten, aufrechte Sozialisten, Gewerkschafter, Freidenker, wahre Demokraten. Erst als der demokratische Widerstand gebrochen war, begannen die Faschisten mit dem Massenmord an den Juden. Faschismus darf nicht auf den Antisemitismus reduziert werden!
Warum wird Israels Parlamentspräsident in den Bundestag eingeladen, nicht aber Rußlands Botschafter als Vertreter des Landes, das am meisten unter den Faschisten zu leiden hatte und die größten Opfer brachte bei der Zerschlagung des Faschismus?
Gedenken bedeutet Lernen. Wer tatsächlich der Opfer des Faschismus gedenkt, muß zuerst dafür sorgen, daß sich Faschismus und Krieg niemals wiederholen dürfen.