Mouvement Ecologique zum Agrocenter-Standort:
Nicht ins Grünland, bitte in eine Aktivitätszone!
Die »Regional Miersch an Emgéigend« des Mouvement Ecologique ist schockiert, daß die Regierung mit drei Ministern am 27.5. in den Pettinger Wiesen angetreten ist, um im Widerspruch zu allen Prinzipien des Umweltschutzes und der Landesplanung – im speziellen des Entwurfs der sektoriellen Pläne Aktivitätszonen und geschüttze Landschaften – zu verkünden, hier entstehe auf 8,05 ha zwischen A7 und Pettingen das neue Agrocenter. 7 ha davon sind Eigentum der Gemeinde Mersch, der Schöffenrat hat deren Verkauf angekündigt ohne vorher das Thema in den Gemeinderat zu bringen.
Während in Wickringen zumindest in einer ausgewiesenen Aktivitätszone ein privater Bauträger im Rahmen eines Bebauungsplanes ein Projekt präsentierte, was sein gutes Recht ist, geht nun die Regierung selbst in eine interurbane Grünzone, die zuerst umklassiert werden müßte. Und das exakt in der Mitte zwischen der Aktivitätszone Roost und dem Einkaufszentrum Topaze, direkt angrenzend an die Naturschutzgebiete »Kinnegsboesch« sowie »Pëttener Bësch«.
Mit diesem Standort würde mit dem heute noch breiten grünen Naturband von Pettingen nach Finsterthal die letzte noch funktionierende Verbindung zwischen den großen Wäldern des östlichen und westlichen Luxemburgs zerschnitten. Gerade um diese aufrecht zu erhalten, wurde exakt hier über die A7 eine sehr breite und auch sehr gut angenommene Wildbrücke errichtet. Entsteht die Aktivitätszone, so wird auf jeden Fall der östliche Zugang abgeschnitten, wird die nötige breite Zufahrt, die schweren LKW das Kreuzen erlaubt, über die Wildbrücke errichtet, so verliert sie alle Zugänge: damit wäre eine sehr teure, aber sinnvolle Kompensationsmaßnahme vernichtet.
Gerade letzteres – und die gänzliche Zersiedlung zwischen Mersch und Roost – ist nach den neuesten Meldungen zu befürchten, nach denen mittlerweile bereits für 17 ha Vorverträge unterschrieben wurden. Trotzdem sind weiterhin Aufkäufer am Weg. Es besteht daher der Verdacht, daß hierhin nicht nur kommen soll, was bisher im Agrocenter Mersch ist, sondern alles Mögliche, was irgendwie mit Landwirtschaft zu tun hat, das bislang an anderen Standorten quer durchs Land besteht.
Cepal gerettet, alles andere unwichtig?
Laut Mouvement Ecologique ist es logisch, daß ein neuer Standort gesucht wird, weil der jetzige »im Zentrum von Mersch« nicht optimal geeignet sei und besser für die Ausdehnung der Ortschaft verwendet werden kann. Nicht gesagt wird, daß dieser Standort »am Rand von Mersch« auf der anderen Seite der Eisenbahnschienen liegt, an die er einst angebunden war. Allerdings wird schon lange nicht mehr in Quantitäten gehandelt, für die ein oder mehrere Waggons gebraucht würden, und Stückgutverkehr gibt es auf der Bahn keinen mehr: deswegen wird dieser Anschluß verzichtbar, er wurde auch seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Zur Pressekonferenz waren übrigens wir die einzigen, die mit dem Zug ankamen, obwohl sie direkt neben dem Bahnhof Mersch stattfand.
Der wichtigste Grund für eine Absiedlung des Agrocenters in Mersch ist aber jener, daß damit die CSV ihrer politisch befreundeten Bauerenzentrale ersparen will, die Cepal in Konkurs schicken zu müssen: mit dem Grundstücksverkauf lassen sich die Bankverbindlichkeiten abdecken, und alles ist eitel Wonne und Griesschmarrn im Marienlande.
Natürlich kann es bei der Übung auch nicht so laufen, daß der Nachfolgeorganisation – der »Verband« und dessen Firma Versis – von Anfang an mit zu hohen Grundstückskosten ein Mühlstein umgehängt wird. Deswegen aber gleich ins Grünland auszuweichen, ist doch ein starkes Stück: die Subventionierung in einer Aktivitätszone ist da eindeutig die bessere Alternative.
Doch wahrscheinlich handelt es sich dabei um ein Tabuthema, das jenseits des nationalen Grundkonsenses liegt, weswegen es ihro subventionierte großherzogliche Umweltopposition nicht aufzugreifen wagt. Es gilt halt für Subventionen immer auch eine Gegenleistung zu erbringen, und so wird die vorige Regierung dafür gelobt, wenigstens am Ende Vorentwürfe der sektoriellen Pläne vorgelegt zu haben. Diese müßten spätestens 2011 in Kraft treten, hieß es gestern, wobei aber nicht darauf hingewiesen wurde, daß diese zum Teil mehr als nebulös sind, und zum anderen nicht aufeinander abgestimmt.
Ansonsten wird gefordert, zu einer effektiven Regionalplanung zu kommen, die Problematik der Grundstücks-Spekulation anzugehen, Betriebe gezielt bei der Standortsuche zu unterstützen, sowie Gemeindefinanzen und Gewerbesteuer zu überarbeiten und durch Regionalfonds zu ergänzen.
Wir werden sehen, was draus wird. Fix ist nur, daß am 6. Dezember der Nikolaus zu den braven Kindern kommt, und am 25. Dezember das Christkind ...
jmj

