Landminen an der »NATO-Ostgrenze«
Polen investiert Milliarden in »Schutzschild Ost«. Deutsche Bundeswehr ist dabei
Polen ist an seiner Ostgrenze nach den Worten von Regierungschef Donald Tusk »sicherer als je zuvor«. Das EU- und NATO-Mitgliedsland Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine und bezeichnet sich selbst auch als »von Moskau bedroht«. Das Land investiert Milliarden in den sogenannten »Schutzschild Ost«, eine befestigte »Verteidigungslinie« an Teilen seiner östlichen Grenze. Dazu gehören Panzersperren und Betonhindernisse, aber auch Überwachungs- und Drohnenabwehrsysteme.
Bis Ende dieses Jahres will das polnische Kriegsministerium rund 250 Kilometer der östlichen und nördlichen Grenze absichern. Vorgesehen sind Betonbefestigungen, elektronische Überwachungssysteme und Lager für Pionierausrüstung. Die Europäische Union beteiligt sich über ihr Rüstungsprogramm »SAFE« an der Finanzierung des Projekts.
»Der Aufwand für einen potenziellen Feind, hier durchzukommen, wäre enorm«, erklärt der deutsche Major Martin, der nach den Vorschriften der Bundeswehr nur mit seinem Vornamen genannt werden darf. Gleich hinter dem Grenzzaun haben Pioniere der deutschen Bundeswehr einen tiefen Graben angelegt. »Der ist dafür da, daß ein Panzer reinfährt und nicht wieder rauskommt.« Sollte dies doch gelingen, gibt es gleich zwei Mal je drei Reihen von »Panzerigeln« zu überwinden.
Zweihundert Meter von hier markieren ein Stacheldraht und hohe Birken Polens Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Es ist auch die Ostgrenze der NATO. Sie soll befestigt werden – und Bundeswehrsoldaten helfen dabei. Generalmajor Tilo Maedler reckt das Kinn Richtung Rußland. »Sollen sie uns sehen – dann wissen sie gleich, mit wem sie es tun zu haben. Das dient auch der Abschreckung.«
Seit Juli sind rund 40 Soldatinnen und Soldaten eines verstärkten Maschinenpionierzuges im Nordosten von Polen im Einsatz. Sie haben gemeinsam mit der polnischen Armee einen Panzerabwehrgraben angelegt und die Panzersperren aufgebaut. Der Einsatz ist bis Ende Oktober geplant.
Der etwa hundert Meter breite Zwischenraum zwischen den Sperren hat seinen Sinn. »Im Falle eines drohenden Angriffs können wir hier Minen auslegen«, erklärt General Stanislaw Czosnek von der polnischen Armee.
Polen ist im Februar 2026 aus dem internationalen Vertrag über das Verbot von Landminen ausgetreten. Polen hatte die Ottawa-Konvention 2012 ratifiziert und seine Minenbestände zerstört. Angesichts des Krieges in der Ukraine kündigte das NATO- und EU-Land im vergangenen Jahr seinen Austritt an – gemeinsam mit Finnland, Estland, Lettland, Litauen und der Ukraine. Laut Regierungschef Tusk will Polen bald in der Lage sein, seine Grenze zu Kaliningrad innerhalb von 48 Stunden zu verminen.
Mit der russischen Exklave Kaliningrad teilt das Land eine 232 Kilometer lange Grenze. Polen hat zudem eine 418 Kilometer lange Grenze mit Belarus.
Der Einsatz habe auch eine überstaatliche Bedeutung, sagt der Bundeswher-Major Martin.: »Wir sind hier, um Bündnisgebiet zu verteidigen.«

