Vor 125 Jahren stimmte das kaiserliche China der Unterzeichnung des »Boxerprotokolls« zu
Widerstand gegen Kolonialismus und westliche Dominanz
Ein Blick in die Geschichte der antikolonialen Bewegung hilft beim Verständnis heutiger Entwicklungen und Konfliktursachen. Daher erinnern wir diesmal an das Ende des »Boxeraufstandes« (»Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie«) am Montag vor 125 Jahren. Damals gelang es erst einer Allianz von acht westlichen Staaten, einen bewaffneten Aufstand aus der chinesischen Bevölkerung niederzuschlagen.
Lange Jahre prägte das Bild dieser antikolonialen Bewegung die mediale Darstellung durch die USA und Europa, wo hervorgehoben wurde, daß die »Boxer« sich gegen christliche Missionare und Vertreter von westlichen Staaten erhoben hätten. Heute weiß man, daß die »Boxer« eine soziale Bewegung waren, die Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf Krisen, insbesondere in der nordchinesischen Küstenprovinz Shandong entstand. Diese Konflikte verbanden sich mit dem Vordringen westlicher Akteure, die – von der Qing-Regierung mit Privilegien ausgestattet – versuchten, ihren ökonomischen und politischen Einfluß zu stärken. Vor dem Hintergrund von Naturkatastrophen, für die die westlichen Akteure verantwortlich gemacht wurden, gab es blutige Auseinandersetzungen mit zahlreichen Toten.
Die Ereignisse spitzten sich im Jahr 1900 zu, als Kämpfe der »Boxer« unter der Parole »Unterstützt die Qing-Regierung und vernichtet die Ausländer!« Beijing angriffen. Diplomaten, Missionare, Soldaten und einige chinesische Christen flüchteten in das Diplomatenviertel und wurden knapp zwei Monate von der Kaiserlichen Armee und den »Boxern« belagert. Eine Acht-Länder-Allianz aus US-amerikanischen, österreichisch-ungarischen, britischen, französischen, deutschen, italienischen, japanischen und russischen Truppen rückte daraufhin in China ein. Die Kaiserin-Witwe Cixi, die zunächst gezögert hatte, unterstützte die »Boxer« nun und erklärte am 21. Juni den Invasionsmächten den Krieg.
Kaiser Wilhelm II., der Deutschlands »Platz an der Sonne« sichern wollte, sagte sofort ein militärisches Kontingent zum Einsatz in China zu. Bei der Verabschiedung eines Teils der deutschen Truppen am 27. Juli 1900 in Bremerhaven hielt er seine berüchtigte »Hunnenrede«:
»Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. […] Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!«
Zwar gab es Versuche, die Veröffentlichung dieser Rede in Deutschland zu verhindern, aber der Satz »Pardon wird nicht gegeben!« prägte von da an das Bild Deutschlands in militärischen Angelegenheiten. Gleichzeitig übernahm es die militärische Führung der von acht Alliierten entsandten Truppen. Tatsächlich dauerte es bis Mitte August 1900, daß die Armeen der acht Staaten Beijing erreichten und den Aufstand der »Boxer« niederschlugen. Was man in den wenigsten Medien liest, ist die Tatsache, daß anschließend Plünderungen und Massenhinrichtungen von Personen stattfanden, die verdächtigt wurden, »Boxer« zu sein.
Ein US-amerikanischer Diplomat verschiffte mehrere Eisenbahnwaggons mit Beutegut. Die britische Botschaft veranstaltete in den folgenden Monaten täglich vor dem Haupttor der Gesandtschaft Plünderungsversteigerungen. Die meisten der geplünderten Gegenstände gelangten nach Europa. Das Berliner Völkerkundemuseum entsandte sogar extra einen Direktionsassistenten nach Beijing, um dort Einkäufe zu tätigen.
Am 7. September 1901, vor 125 Jahren, stimmte der kaiserliche Hof der Unterzeichnung des »Boxerprotokolls« zu, das auch als »Friedensabkommen zwischen den Vereinigten acht Staaten und China« bezeichnet wird. Es war faktisch eine Kapitulationsurkunde und die nachträgliche Legitimation von Plünderungen und Hinrichtungen. Das chinesische Territorium wurde in Einflußzonen unterteilt, in denen ausländische Truppen stationiert werden konnten. Deutschland baute seinen Einfluß in Kiautschou mit der Hafenstadt Qingdao aus, das bereits wenige Jahre zuvor als »Pachtgebiet« der chinesischen Regierung abgepresst worden war.
Außerdem sollte China im Laufe der nächsten 39 Jahre eine erhebliche Summe als »Entschädigung« an die acht beteiligten Staaten zahlen. Ein Frieden war damit natürlich nicht erreicht. Mit dem Sturz der Qing, der Abschaffung des Kaisertums und dem Aufstieg der nationalistischen Kuomintang wurde die europäische Herrschaft in China auf einen symbolischen Status reduziert. Nach der Eroberung der Mandschurei im Jahr 1905 dominierte Japan die asiatischen Angelegenheiten militärisch und kulturell.
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Fédération Internationale des Résistants (FIR) – Association Antifasciste

