Ausland25. März 2026

Golfstaaten mit Klärungsbedarf, USA-Senator fordert aktive Kriegsbeteiligung

Luxuriös, exklusiv und unter Beschuß

von Manfred Ziegler

Dubai kann wie ein moderner Traum aus Tausendundeiner Nacht wirken: Touristenattraktionen, Luxushotels, Autorennen der Formel 1 und profitable Geschäftsmöglichkeiten mit Erdöl und Gas. Die Stadt ist zudem ein Steuerparadies, in das allein im vergangenen Jahr 9.800 Millionäre zogen. Sollte der Krieg der USA und Israels gegen Iran jedoch länger andauern, dann ist es mit diesem Traum wohl bald vorbei.

Aufgebaut wurde Dubai – wie andere Zentren am Golf – mithilfe von Millionen ausländischen Staatsangehörigen. Billige Arbeitskräfte und gutbezahlte Expats aus Indien, Bangladesch, Pakistan, den Philippinen und auch aus westlichen Ländern halten Bauwirtschaft, Energiebranche, Dienstleistungssektor, Gesundheitswesen und IT am Laufen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind 90 Prozent der Einwohner keine Staatsbürger, in den anderen Ländern am Golf reicht ihr Anteil von 48 Prozent in Oman bis zu ebenfalls 90 Prozent in Katar.

Das Formel-1-Rennen wurde kriegsbedingt abgesagt, die Hotelpreise fallen. Die Hochqualifizierten dürfen ausreisen. US-amerikanische Banken, Unternehmensberatungsfirmen und andere Unternehmen haben ihre Büros geschlossen und fordern ihre Mitarbeiter teilweise auf, das Land zu verlassen. In diesen Staaten gibt es viele Militärstützpunkte der USA, die jetzt von iranischen Raketen getroffen werden. In den ersten Kriegstagen soll der Iran sogar mehr Raketen und Drohnen auf US-amerikanische Ziele in den Golfstaaten abgefeuert haben als auf Ziele in Israel.

Die Monarchien wußten, daß der Krieg kommen würde, und versuchten bereits im Vorfeld, sich davon freizusprechen. So teilte die saudische Regierung dem Iran schon am 14. Januar mit, sie würde ihren Luftraum nicht für Angriffe auf den Iran freigeben. Andere Staaten handelten ähnlich. Angesichts der vielen US-amerikanischen Stützpunkte in der Region sind das Versprechen, die offensichtlich nicht ernst gemeint waren. Sie machen aber deutlich, daß diese Staaten ihre internationale Positionierung klären müssen.

Bahrain und die VAE haben die Abraham Accords unterzeichnet, eine Reihe von Verträgen, die unter Beteiligung der USA zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten abgeschlossen wurden. Sie sind somit mit einer der Kriegsparteien verbündet. Die VAE sind allerdings – so wie der Iran – auch Teil von BRICS. Saudi-Arabien bewegt sich in dessen Umfeld, ohne sich klar zu positionieren, hält sich aber auch eine Zustimmung zu den Abraham Accords offen.

Nach den ersten iranischen Angriffen auf US-amerikanische Ziele gab es Reaktionen aus den Golfstaaten. Drohungen wurden ausgesprochen, von roten Linien war die Rede, die überschritten worden seien und auf die eine Gegenwehr folgen müsse. Der USA-Senator und Kriegstreiber Lindsey Graham forderte die Verbündeten am Golf auf, sich am Krieg zu beteiligen. Warum, so fragte er, sollen die USA Partner verteidigen, die sich weigern, am »gemeinsamen Kampf« teilzunehmen? Bisher wurde diesen Aufforderungen nicht Folge geleistet.

Mit dem Angriff auf den Iran – die Monarchen hatten darauf keinen Einfluß – stellt sich für sie die Frage, ob die Beziehungen zu den USA mehr Nutzen oder mehr Last sind. Eine Diversifizierung der Beziehungen bietet sich schon länger an. So hat Saudi-Arabien ein Verteidigungsabkommen mit Pakistan unterzeichnet und versucht eine gemeinsame Waffenproduktion mit der Türkei.

Für die VAE deuten gemeinsame Militärmanöver mit China Möglichkeiten jenseits des Bündnisses mit den USA an. China als verläßlicher Partner wird zunehmend zum Druckmittel in Gesprächen zwischen Golfstaaten und ihren Partnern im Westen.

Oman, dessen Außenminister Badr al-Busaidi in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran den Betrug der USA unmittelbar erlebt hat, hat als einziger Golfstaat dem neugewählten Revolutionsführer des Iran gratuliert. Andere Staaten der Region wie Aserbaidschan, Armenien und Irak taten es ihm gleich. Israel und die USA hingegen drohen ihm mit dem Tod.