Kaleidoskop11. Juni 2026

Schweizer Soziologe Jean Ziegler mit 92 Jahren gestorben

von dpa/ZLV

Genf – Der marxistische Schweizer Soziologe Jean Ziegler ist in Russin bei Genf gestorben. Das bestätigte seine Frau am Mittwoch dem Schweizer Rundfunk RTS und anderen Medien. Er wurde 92 Jahre alt. Ziegler war jahrelang für die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) im Nationalrat, dem Parlament der Alpenrepublik.

Als Autor und Sonderberater der UNO wollte der Soziologieprofessor an der Universität Genf, der mit 18 aus einer großbürgerlichen Familie mit Villa in Thun nach Paris geflohen war, gegen den Kapitalismus ankämpfen. In seinem 2025 auf Deutsch erschienenen Buch »Trotz alledem! Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe« hielt er fest: »Nein, der Kapitalismus ist nicht reformierbar. Was wird nach seiner Abschaffung kommen? Das kann niemand voraussagen. Die Frage können wir nur durch Handeln und kollektive Praxis beantworten.«

Ziegler, der in seinem Heimatland oft als Nestbeschmutzer verunglimpft wurde, machte sich 1976 international einen Namen, als er in seinem Buch »Eine Schweiz, über jeden Verdacht erhaben« in der Alpenrepublik ansässigen Multis »Profite auf Kosten der Ärmsten« vorgeworfen hatte.

1990 entlarvte er das Alpenland in »Die Schweiz wäscht weißer« als Finanzdrehscheibe des internationalen Verbrechens. Und in »Die Schweiz, das Gold und die Toten« prangerte er sieben Jahre später die Verstrickung von Schweizer Großbanken mit den Nazis und den Umgang mit Bankeinlagen von Holocaustopfern an.