Leitartikel07. Februar 2024

Die CSL-Studie zur Qualität der Arbeit gehört nicht in die Schublade

von Ali Ruckert

Die Studie zur Qualität der Arbeit, welche die »Chambre des salariés« in Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg veröffentlichte, ist in vielerlei Hinsichten sehr aufschlussreich.

Auch wenn die Ergebnisse der Untersuchungen für verschiedene Gruppen von Lohnabhängigen und einzelne Wirtschaftszweige unterschiedlich ausfallen, so ändert das nichts an der allgemeinen Erkenntnis, dass generell die Unzufriedenheit über die Arbeitsverhältnisse im Laufe der Jahre gewachsen ist.

Nicht verwunderlich ist, dass die Unzufriedenheit der Schaffenden aus Wirtschaftsbereichen, in denen die körperliche und geistige Anspannung groß und die Löhne klein sind, wie das zum Beispiel bei Beschäftigten der Fall ist, die Anlagen und Maschinen bedienen oder im Handel arbeiten, deutlich höher ist als der Durchschnitt.

Die Studie macht deutlich, dass wir es nicht mit einer punktuellen Unzufriedenheit zu tun haben, sondern mit großem Mißmut, mit Frustration und Desillusion, weil sehr viele Schaffenden mitansehen müssen, wie die Arbeitsverhältnisse sich stetig verschlechtern: Die geistige Belastung nimmt zu, die Konflikte zwischen Berufs- und Privatleben treten vermehrt auf, die körperlichen Gesundheitsprobleme wachsen, deutlich mehr Lohnabhängige sehen sich der Gefahr eines Burnout ausgesetzt. Die Unzufriedenheit darüber, nicht in Entscheidungen auf Betriebsebene eingebunden zu sein, steigt an, und die Motivation nimmt weiter ab.

Festgestellt wurde auch, dass die durchschnittliche vertragliche Arbeitszeit steigt und sowohl Männer als auch Frauen deutlich mehr in der Woche arbeiten als ihre vertragliche Arbeitszeit – und das zu einem Zeitpunkt, da viel von Arbeitszeitverkürzung und »Work-Life-Balance« die Rede geht, und 83 Prozent der Lohnabhängigen für Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn sind, wie aus der CSL-Studie hervorgeht.

Ganz und gar bedauerlich ist daher, dass die Studie, die nun schon seit zehn Jahren jährlich durchgeführt wird, von den meisten Werktätigen nicht wahrgenommen wird, auch weil sie in den Medien als Eintagsfliege behandelt wird, während sie vom politischen Establishment schnell in eine Schublade entsorgt wird.

Dabei sind die Themen und Probleme, die in der Studie aufzeigt werden, so umfangreich und wichtig, dass sie in der Chamber – vorausgesetzt der Wille wäre dazu da – mehr als ein jahrfüllendes Programm abgeben würden. Tatsächlich haben die Problematiken, die sich im Bereich der Arbeitsverhältnisse stellen, sehr viel damit zu tun, dass wir schlechte Gesetze haben, die von politischen Mehrheiten in der Regierung und der Chamber zugunsten der Unternehmen und zu Lasten der Lohnabhängigen gemacht werden. So lange die KPL und linke Kräfte generell so schwach bleiben wie sie heute sind, wird sich daran kaum etwas ändern.

Und doch sind gewisse Änderungen möglich. Das fängt damit an, dass die Lohnabhängigen, gerade wenn sie unzufrieden sind, an der Wahl der Personalvertretung in ihrem Betrieb und der Wahl zur »Chambre des salariés« teilnehmen und die Kandidaten der Gewerkschaft wählen sollten, von der am ehesten zu erwarten ist, dass sie sich mehr als andere für die Rechte der Schaffenden im Betrieb einsetzen wird.

Der Praxistest der vergangenen Jahre aus den Betrieben und den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Index, zeigt, dass das – trotz aller Unzulänglichkeiten – der OGBL ist.