Kaleidoskop19. November 2025

Tierschützer befürchten Tausende tote Rinder auf Viehtransportschiff

von dpa/ZLV

Ankara – Tierschützer befürchten Tausende tote Rinder auf dem vor zwei Monaten in Uruguay in See gestochenen Viehtransportschiff »Spiridon II«, das sich nach einer Ablehnung durch die Türkei nun offenbar wieder auf dem Rückweg nach Montevideo befindet. Der Viehtransport mit fast 4.000 Rindern hatte nach der langen Anreise mehrere Wochen vor der türkischen Küste ausgeharrt und durfte unter anderem wegen fehlender Dokumente nicht in der Türkei ausladen, hatte das Kommunikationsdirektorat des Landes mitgeteilt.

»Wenn das Schiff wirklich wie angegeben nach Uruguay zurückkehrt, gehen wir davon aus, daß das Schiff leer ankommen wird«, teilte die deutsche Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation nun der dpa mit. »Die Tiere stehen seit Monaten in ihren eigenen Exkrementen und besonders in den unteren Etagen ist die Ammoniakbelastung extrem hoch«, hieß es weiter. Etwa die Hälfte der Rinder sei trächtig. Unter derartigem Streß seien Fehlgeburten wahrscheinlich. Daß frischgeborene Kälber in einer solchen Situation überlebten, sei sehr unwahrscheinlich.

Ein weiteres Problem seien fehlende Melkvorrichtungen an Bord und eine nicht für solche Situationen ausgebildete Besatzung. Kühe, deren Kälber gestorben sind, würden Euterentzündungen entwickeln. Laut der Organisation kam das Viehtransportschiff am 22. Oktober vor der Küste der Stadt Bandirma im Marmarameer an. 15 Unternehmen hätten den Import der Tiere beantragt, teilte das türkische Kommunikationsdirektorat mit. Weil aber zum Beispiel Chips oder Ohrmarken fehlten und einige Tiere nicht mit zuvor eingereichten Listen übereinstimmten, sei dies abgelehnt worden.

Bei einer Untersuchung an Bord sei festgestellt worden, daß 140 der Tiere auf der Reise Kälber geboren hätten, zitierte der Oppositionspolitiker Turhan Çömez aus Gerichtsdokumenten. 90 der Kälber seien nicht auffindbar. Dutzende Tiere seien bereits auf dem langen Weg umgekommen. Zu Beginn der vergangenen Woche durfte das Schiff kurz in der Türkei andocken. Auf Bildern war zu sehen, wie dabei Heuballen aufgeladen wurden. Das dürfte aber keineswegs für den langen Rückweg ausreichen, so die Animal Welfare Foundation.