Kaleidoskop13. Oktober 2021

Schlechtes Pandemiemanagement in London

von dpa/ZLV

Die britische Regierung von Premier Boris Johnson und die sie beratenden Wissenschaftler haben laut dem Bericht einer parlamentarischen Untersuchung zu Beginn der Coronapandemie schwere Fehler gemacht. Tausende Menschen seien deshalb gestorben, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Report der Ausschüsse für Gesundheit und Wissenschaft des britischen Unterhauses.

In der Kritik steht unter anderem das mehrfache Zögern Johnsons, Lockdowns zu verhängen. Doch auch das schleppende Anlaufen des britischen Test- und Kontaktverfolgungsprogramms und die Verlegung Tausender älterer Menschen aus Krankenhäusern in Pflegeheime ohne vorherige Tests habe sich als »verhängnisvoll« erwiesen, resümieren die Deputierten.

Zu den falschen Entscheidungen der Regierung habe unter anderem die Fehlannahme geführt, die Ausbreitung des Virus könne nicht aufgehalten werden und eine »Durchseuchung« der Bevölkerung sei unvermeidlich, so der Bericht weiter. Von den Erfahrungen anderer Länder, besonders in Asien, die durch einen frühen und energischen Lockdown das Virus in Griff bekamen, habe man nicht gelernt.

Die Abgeordneten kommen zu dem Schluß, daß die Entscheidungen über Lockdowns und Abstandsregeln während der ersten Wochen der Pandemie zum »größten Versagen im Gesundheitswesen in der Geschichte des Vereinigten Königreichs« gehören. Gleichzeitig loben sie das erfolgreiche britische Impfprogramm als »eine der effektivsten Initiativen«, die der britischen Wissenschaft und öffentlichen Verwaltung je gelungen sei.

In Britannien wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 160.000 Todesfälle verzeichnet, bei denen Covid-19 auf dem Totenschein erwähnt wurde. In dem Land sind inzwischen mehr als 78 Prozent der Über-12-Jährigen zweifach geimpft.