Ausland04. März 2026

Internationaler Frauentag

Gegen Krieg und Kahlschlag

Demonstrationen und Streiks in Deutschland. Gewerkschaftliche Aufrufe blenden das Thema Militarisierung aus

von Christa Hourani

Der 8. März, der Internationale Frauentag, steht für viele Frauen und Männer im Zeichen des Kampfes gegen die Aufrüstung und Krieg: Wenn die Rüstungsausgaben immer weiter erhöht werden, bleibt für die Menschen nichts übrig. Der Abbau sozialer und demokratischer Rechte, Massenarbeitslosigkeit und Verarmung sind die Folgen. Frauen sind von dieser Entwicklung besonders betroffen.

Auch in diesem Jahr werden weltweit wieder Millionen Frauen am Internationalen Frauentag – oder »feministischen Kampftag«, wie jüngere Frauen ihn nennen – für ihre Rechte auf die Straße gehen und auch streiken. Daß Frauenkämpfe auch Klassenkämpfe sind, ist in den letzten Jahren deutlich sichtbarer geworden. Viele Streiks in den letzten 10 bis 15 Jahren haben ein weibliches Gesicht, das heißt, daß sie in Branchen stattfanden, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Das ist kein Zufall, denn es sind die Bereiche der Daseinsfürsorge, die besonders stark von einer Politik des Kaputtsparens und des Kahlschlags betroffen sind. Die Herrschenden wollen das Geld für die Militarisierung der Gesellschaft bei den Beschäftigten holen.

Diese Zusammenhänge müssen am Internationalen Frauentag aufgezeigt werden. Und dennoch fehlen sie im Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum 8. März. Der Zusammenhang zwischen Kriegsgefahr, Aufrüstung, Sozialabbau und den daraus resultierenden gravierenden Folgen – gerade für Frauen – spielt darin keine Rolle.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert, doch die DGB-Forderungen sind die gleichen geblieben: sichere Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen, echte Lohngerechtigkeit und gleiche Chancen für Frauen, gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Menschen mit Sorgeverantwortung, ein Arbeitsumfeld frei von Sexismus, Diskriminierung und Haß sowie Wertschätzung und gleiche Teilhabe aller Menschen.

Darüber hinaus ruft der DGB dazu auf, die Betriebsratswahlen zu nutzen und wählen zu gehen, um mitzugestalten und mitzubestimmen. Gut und wichtig sind die Erwähnung der Zunahme des Antifeminismus und der Hinweis darauf, daß derzeit unsere Errungenschaften infrage gestellt werden. Aber wie dies abgewehrt werden kann, wird nicht aufgezeigt. Im DGB-Aufruf klingt das so: »Haltung zeigen – gegen antifeministische und menschenfeindliche Ideologien, die Gleichstellung und Solidarität gefährden«. Das ist doch sehr dünn und klingt nicht nach organisiertem Widerstand.

Der Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zum 8. März befaßt sich mit den Angriffen der Bundesregierung auf Arbeitszeitregelungen sowie das Recht auf Teilzeit. Die Gewerkschaft fordert den Erhalt des Acht-Stunden-Tages, des Rechts auf Teilzeit und des Renteneintrittsalters. Auch hier bleibt das Thema Militarisierung eine Leerstelle. Der ver.di-Aufruf enthält keinen Hinweis auf die Kriegsvorbereitungen und deren Auswirkungen auf Frauen.

Positiv ist, daß ver.di Aufrufe zu einem »Frauenstreik« am 9. März begrüßt und die inhaltlichen Forderungen der Veranstalterinnen unterstützt. Aus rechtlichen Gründen will die Gewerkschaft aber nicht zum Streik aufrufen. Immerhin sollen sich die Kolleginnen an »anderen Aktivitäten wie zum Beispiel Demos, aktiven Mittagspausen, Aktionen in sozialen Medien etc.« beteiligen. Am Schluß des ver.di-Aufrufs heißt es: »Wir sind überzeugt: Was wir nicht gemeinsam verteidigen, werden wir verlieren. Was wir nicht gemeinsam einfordern, werden wir nicht bekommen!«

Das Aktionsbündnis 8. März Stuttgart, das Teil der bundesweiten feministischen Streikvernetzung, ist, benennt die Zusammenhänge zwischen Aufrüstung und Sozialabbau: »Die Aufrüstung wird als Friedenssicherung verkauft, dabei werden damit die Kriege von Morgen um Rohstoffe und Einflußsphären vorbereitet. Krieg und Militarisierung sind nicht in unserem Interesse! Wir kämpfen gegen Kriegstreiberei, gegen Waffenlieferungen und für internationale Solidarität!« Der Sozialabbau werde zu »drastischen Kettenreaktionen« führen. Immer mehr Menschen würden aus der Lohnarbeit in die Armut und in die finanzielle Abhängigkeit von Männern gedrängt.

In der ganzen Bundesrepublik Deutschland werden am 8. März in einigen Städten Demos mit diesen Inhalten organisiert werden. In Stuttgart mobilisiert das Aktionsbündnis seit einigen Jahren Tausende Frauen zu seinen Demos, zusammen mit ver.di und meist auch Streikenden des Öffentlichen Dienstes oder des Sozial- und Erziehungsdienstes.

Für den 9. März rufen verschiedene Organisationen zu einem »Frauenstreik« auf. Am bekanntesten ist das »Töchterkollektiv« – eine bundesweite, intersektional feministische Bewegung. Die Initiative entstand als Reaktion auf eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz im Herbst 2025, mit der er die Hetze gegen Migranten anstachelte. Mit dem Satz: »Fragen Sie mal Ihre Töchter« wollte er diese als Kronzeugen für seine rassistisch motivierte Politik aufrufen.

Eben diese Töchter reagierten mit dem Aufruf, am 9. März einen »intersektional-feministischen Frauenstreik« in über 70 Städten durchzuführen. Ziele sind »echte Gleichstellung, besserer Schutz vor Gewalt und soziale Gerechtigkeit«. Weitere Themen sind die überlasteten Strukturen in der Sorgearbeit und der gesellschaftliche Rechtsruck: »Wir streiken, weil Frauen und marginalisierte Menschen seit Jahrzehnten die tragenden Säulen der Gesellschaft sind – in der Sorgearbeit, im sozialen Bereich, in Familien, in Communities. Wir streiken, weil Gewalt, ökonomische Abhängigkeit und politische Benachteiligung immer noch Realität sind.« Dieser Zusammenschluß hat sich in den letzten Monaten sehr dynamisch entwickelt.

Es gibt noch weitere Organisationen, die in diesem Jahr zum Frauenstreik aufrufen. Seit dem Frauentag im vergangenen Jahr hat sich also einiges getan. Die Frauenbewegung ist stärker und breiter geworden. Die Aufgabe ist nun, die Friedensfrage in die Frauenbewegung, insbesondere in die gewerkschaftliche Frauenarbeit, zu tragen. Anknüpfen können wir dabei an den Erfahrungen der Frauenfriedensbewegung der 70er und 80er Jahre.