19. August 2024, kurz nach 8 Uhr in BRD und Umgebung:
Beinahe-Blackout ausgehend von Windpark
Immer wieder bringt nicht steuerbare Stromerzeugung aus Wind und Sonne das Stromnetz in Schwierigkeiten. Die werden immer mehr mit dem Abschalten konventioneller Kraftwerke, da damit deren große rotierende Massen wegfallen, die bislang sowohl Oszillationen aus dem Netz nahmen und auch Nachfragewechsel in Sekundenbruchteilen auffangen konnten.
Eine mögliche Stabilisierung des durch Flatterstrom gefährdeten Stromnetzes mittels Wasserstoff wurde in den letzten 20 Jahren konsequent verhindert und schlechtgeredet. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Es wären riesige Summen dafür zu investieren, die weder kurz- noch mittelfristig Gewinn versprechen. Ohnedem dürften aber gerade die Kohleverstromung nicht beendet werden, vor allem, wenn aus der Atomkraftnutzung ausgestiegen wird.
Am 28. April 2025 kam es in Spanien und Portugal zum Blackout, weil zu wenige klassische Kraftwerke am Netz waren, eine Exportleitung nach Frankreich überhitzte und ausfiel, weil zu viel über sie laufen sollte, und es bei den 74 Prozent Flatterstrom im Netz zu einem plötzlichen Einbruch kam. Ein Blackout entsteht in den seltensten Fällen aus einer Ursache, fast immer kommen mehrere zusammen. Gelernt haben die Regierungen daraus nichts, denn danach fiel der Beschluß, endgültig aus der Kohleverstromung auszusteigen.
In der BRD und auch hierzulande hieß es, ein Blackout sei höchst unwahrscheinlich, auch wenn wir inzwischen bei Soler erfuhren, daß mit dem Kraftwerk in der Staumauer und einem Windrad in der Nähe der SEBES-Anlage am Stau der Strom für die Trinkwasseraufbereitung auch im Fall eines Blackouts, dessen Risiko nicht null sei, bereitgestellt werden soll.
Fakt ist aber, daß der Blackout im April auf die iberische Halbinsel beschränkt blieb, weil die Verbindungen nach Frankreich, wo es im Süden auch schon Stromausfälle gab, vollständig gekappt wurden. Damit wurde eine Ausbreitung ins europäische Verbundnetz verhindert. Im Falle eines Netzzusammenbruchs in Deutschland kann sich aber Luxemburg nicht so abschneiden, weil unser Netz ein Wurmfortsatz des deutschen ist und von Stromlieferungen aus der BRD abhängig ist.
Mit dem Netzstabilitätsbericht 2025 der deutschen Übertragungsnetze wurde jetzt so nebenbei bekannt ab Seite 120, daß es schon am 19. August 2024 mit Beginn kurz nach 8 Uhr morgens in Norddeutschland einen Beinahe-Blackout gab mit riesigen Spannungsverzerrungen, die zwei Stunden lang anhielten, bevor sie gebändigt werden konnten. Dabei dehnte sich das Problem bis nach Süddeutschland und Bayern aus und bedrohte auch die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich.
Ausgangspunkt war ein Konverter, der den von einem Windpark vor der deutschen Ostseeküste kommenden Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt und ins Hochspannungsnetz einspeist, der wegen fehlendem Wind mit weniger als fünf Prozent seiner Kapazität arbeitete. Wie sehr die Spannung aus dem Gleichgewicht geriet, zeigt nebenstehende Grafik, die sich unten auf Seite 120 des Stabilitätsberichts befindet.
Auf Seite 121 oben heißt es da: »Die harmonische Störung konnte erst nach ca. zwei Stunden durch den Ausfall mehrerer leistungselektronischer Komponenten und einer Notabschaltung des verursachenden Konverters beigelegt werden.« Also noch einmal Glück gehabt trotz der sich fortpflanzenden enormen Verzerrungen, mit denen durchaus sensible elektronische Geräte kaputtgegangen sein können, denn: »Die Ausbreitung der Störung konnte im gesamten deutschen Netzgebiet sowie im Übertragungsnetz der Nachbarländer beobachtet werden.«
Daß das jetzt nur zufällig und nebenbei bekannt wurde, dürfte einen politischen und einen versicherungstechnischen Grund haben. Wird das nämlich nicht bekannt, kommt auch niemand auf die Idee, eine Haftung für kaputtgegangene Geräte einzufordern. Wenn Windräder forciert installiert werden sollen, käme die Politik ins Schleudern, wenn bekannt wird, daß von diesem Ausbau ein Beinahe-Blackout ausging.