Blütenpracht in Chiles Atacama-Wüste
Huasco – In der Atacama-Wüste an der Pazifikküste Südamerikas ist derzeit ein besonderes Phänomen zu beobachten: An einem der trockensten Orte der Welt sprießen die Blumen. Die Ursache für diese kuriose Situation im südlichen Frühling ist im natürlichen Klimaphänomen El Niño zu sehen, erläuterte Aida Baldini Urrutia, die Leiterin der Forstbehörde Chiles (CONAF), in einem Interview des Senders CNN Chile.
Was anderenorts schade, begünstige in der Atacama-Wüste das Wachstum von Pflanzen, informierte die Behördenleiterin. Die durch El Niño verursachten Niederschläge führten dazu, daß auf einer Fläche von ungefähr 17.000 Quadratkilometern rund 200 verschiedene Pflanzen gedeihen – und das in der trockensten nichtpolaren Wüste der Erde.
Der Höhepunkt der Blütenpracht sei jetzt im Oktober zu beobachten, so Baldini Urrutia. Sie geht davon aus, daß noch bis Ende November die Pflanzen in der Wüste zu bestaunen sein werden. Die Forstbehörde erwartet bis dahin insgesamt rund eine Million Besucher aus dem In- und Ausland, die wegen des Blütenmeers in die chilenischen Nationalparks Desierto Florido, Llanos de Cháyes und Pan de Azúcar kommen.
Bei El Niño handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das weltweit das Wetter durcheinanderbringt. Ursache sind schwächere Passatwinde über dem tropischen Pazifik, erläutert die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Wenn warmes Wasser und Wolken an die sonst trockene Küste Südamerikas treffen, führt dies zu höheren Niederschlagsmengen, womit Überschwemmungen einhergehen können.
El Niños dauern meist neun bis zwölf Monate, erreichen den Höhepunkt zwischen November und Februar und passieren alle zwei bis sieben Jahre. »El Niño« heißt übersetzt »Christkind«. Der Name stammt von Fischern in Peru, die den Temperaturanstieg des Meeres oft in der Weihnachtszeit bemerkten. Für dieses Jahr hat die WMO einen sehr starken El Niño prognostiziert.

