Rekord-Rüstung schafft Rekord-Armut
Selten wird einer der gravierendsten Widersprüche unserer heutigen Welt so deutlich wie in diesen Tagen. Am Ende der vergangenen Woche berichtete das Globale Netzwerk gegen Hungerkrisen, daß die Zahl der weltweit registrierten Menschen, die unter akutem Hunger leiden, auf 266 Millionen angestiegen ist. Davon betroffen sind in erster Linie Menschen in Gebieten, die von Kriegen gepeinigt werden, allen voran Palästinenser im Gazastreifen und ein großer Teil der Bevölkerung im Sudan, wo sich unterschiedliche Militärs um die Verfügung über Bodenschätze bekriegen. Aber auch die Folgen der fortschreitenden Zerstörungen der Umwelt und die verschärften kapitalistischen Konkurrenzkämpfe um neue Rekorde bei den Profitmarken führen zu einem Anwachsen der Armut und des Hungers.
Und nun veröffentlichte am Montag das renommierte Stockholmer Institut für Friedensforschung SIPRI die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die im elften Jahr in Folge rasant angestiegenen Ausgaben für militärische Aufrüstung und Krieg. Im vergangenen Jahr haben die Staaten der Welt 2.887 Milliarden US-Dollar dafür verpulvert, unsere Welt noch unsicherer zu machen – das sind umgerechnet rund zweitausendfünfhundert Milliarden Euro.
Die ersten Reaktionen in den großen bürgerlichen Medien deuten bereits an, daß bei den Berichten über diese Zahlen fleißig relativiert, interpretiert und verschwiegen wird. Laut SIPRI sind die Militärausgaben der USA, die im Jahr 2025 immerhin 954 Milliarden Dollar betrugen, im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent zurückgegangen. Das liegt jedoch lediglich daran, daß die Trump-Administration die militärische Lieferung an die Ukraine, die in den drei Vorjahren bei 127 Milliarden lag, sich nun von ihren europäischen NATO-Verbündeten bezahlen läßt. Gleichzeitig hat das Pentagon die Investitionen für neue Waffenprogramme, auch im Bereich der Atomwaffen, deutlich erhöht.
Die Militärausgaben Rußlands sind um 5,9 Prozent auf umgerechnet 190 Milliarden Dollar angestiegen, die der Ukraine um 20 Prozent auf 84.1 Milliarden oder 40 Prozent des BIP – wobei der Löwenanteil des militärischen Materials unabhängig davon eigentlich von den westlichen Verbündeten finanziert wird. Angesichts der sich ständig steigernden Warnungen vor einer »russischen Bedrohung« ist zumindest interessant, daß im Vergleich zu den russischen 190 Milliarden allein die europäischen NATO-Länder ein Budget von 559 Milliarden aufweisen, darunter 114 Milliarden allein Deutschland…
So gesehen ist es auch ziemlich pervers, wenn inmitten der wachsenden militärischen Unsicherheiten im deutschen Staatsfernsehen die Frage aufgeworfen wurde, ob aufgrund des Mangels an Kerosin demnächst Ferienflüge, Warentransporte oder Rettungsflüge reduziert werden müssen. Über den immensen Spritverbrauch der militärischen Flüge und die von ihnen angerichteten Schäden sollen die Zuschauer nicht nachdenken. Und der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sagte am Sonntag in der ARD, man müsse »den Menschen sagen, welche Reformen notwendig sind, und daß alle ohne Ausnahme dazu beitragen müssen«.
Wenn es um Kriegstüchtigkeit geht, dürfen Fragen nach dem Wohl der Menschen keine Rolle spielen, dann muß jeder gefälligst Opfer bringen. Und sei es um den Preis einer massenhaften Verarmung.

