Kaleidoskop12. September 2026

Forscher zitieren die Beatles in Tausenden Artikeln

von dpa/ZLV

Delft – Forscher holen sich oft die Unterstützung der Beatles, um mehr Aufmerksamkeit für ihre wissenschaftlichen Studien zu bekommen. Laut einer Analyse im Fachjournal »PLOS One« stecken in den Überschriften von mindestens 3.200 wissenschaftlichen Arbeiten Liedtitel oder Textzeilen der Beatles oder sie enthalten entsprechende Wortspiele. Damit hätten die Fab Four die wissenschaftliche Kommunikation auf diese Weise stärker beeinflußt als alle anderen Musiker, heißt es.

Einige Referenzen seien »wirklich genial. „The lung and winding road“ ist ein Artikel über Long Covid, in dem lediglich ein Vokal ausgetauscht wurde«, sagt Erstautor Gabriel Budel von der University of Technology im niederländischen Delft mit Blick auf den 1970er Beatles-Song »The Long and Winding Road«.

Der Song »Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Monkey« hingegen habe Patentrechtsforscher zu dem Studientitel »Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Patented Monkey« inspiriert. »Da hatte wohl jemand einen sehr guten Tag an seinem Schreibtisch«, sagt Budel.

Die Forscher glichen für ihre Analyse mithilfe von KI-Modellen eine kuratierte Liste populärer Beatles-Songtitel und -Texte mit Studien verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen ab. Dafür nutzen sie »Scopus«, eine Datenbank wissenschaftlicher Publikationen. Insgesamt fand das Team darin 2.237 exakte Beatles-Referenzen und 963 Beispiele für kreative Wortspiele mit den Texten oder Titeln.

Medizinische und sozialwissenschaftliche Studien dominierten, doch auch in der Ökonomie, Umweltwissenschaft und künstlerischen Fachbereichen kamen die Referenzen vor. Die Veröffentlichungen reichen von den 70er Jahren bis 2025.

Weitere Beispiele aus den Top-20-Beatles-Songs sind:

– Die Studie »With a little help from my friends: Mitochondria maintain redox balance for the endoplasmic reticulum« (The Plant Cell, 2022) behandelt das Zusammenspiel zweier Zellbestandteile in Pflanzen.

– In »Here comes the sun – Is vitamin D a cure for all that ails us?« (The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2015) wird die Rolle von Vitamin D bei der Prävention von Krankheiten diskutiert.

– »A hard day’s night: Time use in shift workers« (BMC Public Health, 2019) beschäftigt sich damit, wie Schichtarbeiter ihre Zeit verbringen.

– Das Kapitel »Product Regulations: You can drive my car, otherwise let it be« in dem Buch »A Geo-Economic Turn in Trade Policy?« von 2022 handelt von Sicherheits- und Zulassungsregeln und ihrem Einfluß auf den Handel.

– Die Arbeit »Meat plants and strawberry fields forever? Precarious migrant labour in the German agri-food sector before and after COVID-19« (European Journal of Migration and Law, 2022) befaßt sich mit den mitunter prekären Arbeitsbedingungen im deutschen Agrarsektor vor und nach der Coronaviruspandemie.

Der Optimismus der Beatles-Texte werde in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen oft ins Gegenteil verkehrt, sagt Co-Autor Michiel Tjepkema. Ein Beispiel ist »With a little help from my enemies« oder »Although it helps, love is not all you need«. »Die Songs sind hoffnungsvoll, die Paper sind skeptisch«, sagt Tjepkema.

Besonders die Popmusik habe im wissenschaftlichen Publizieren deutliche Spuren hinterlassen, so die Studienautoren, – von Bob Dylans in biomedizinische Fachartikel eingebetteten Liedzeilen hin zu »Should I Stay or Should I Go?« von The Clash, das in Hunderten wissenschaftlichen Titel neu verwendet wurde.

»Prägnante Formulierungen werden zu Metaphern, Songtitel tauchen in Artikeltiteln auf, und weithin bekannte Referenzen helfen Autoren, ein größeres Publikum zu erreichen«, schreibt das Team. Die Top-Ten-Beatles-Songs kamen in 1.584 Titeln von Fachartikeln vor. Damit liegen die Jungs aus Liverpool weit vor Elvis Presley, dessen Top-Ten-Songs in 196 Artikeln zitiert wurden und Michael Jackson mit 65 Referenzen auf seine populärsten Songs.