Luxemburg23. Oktober 2025

Warum Luxemburgs Jugend in die Nikotin-Falle tappt

Snus-Alarm

von KP

Jeder fünfte Schüler hat bereits Snus probiert – und das ab dem 12. Lebensjahr. Die CNEL (Nationale Schülerkonferenz) schlägt Alarm. Nikotin-Pouches, umgangssprachlich »Snus«, werden unter Jugendlichen immer beliebter, obwohl sie hochgradig süchtig machen und gesundheitliche Risiken bergen. Eine aktuelle Umfrage unter 1.017 Schülern zeigt: 21 Prozent haben bereits Snus konsumiert, 28 Prozent der Nutzer wollen aufhören, schaffen es aber nicht.

Warum ist Snus so gefährlich? Die kleinen Beutel enthalten bis zu 100 mg Nikotin – und mehr. Das ist deutlich mehr als in einer Zigarette (ca. 10 mg). 62 Prozent der Konsumenten nutzen Dosen mit 0–30 mg, doch 20 Prozent greifen zu Extremdosen über 60 mg. Die Folgen: Sucht, Zahnfleischschäden, Herz-Kreislauf-Risiken. Besonders tückisch: Snus wird als »harmlos« wahrgenommen, obwohl er schneller abhängig macht als Rauchen.

Die CNEL identifiziert drei Hauptgründe für den Konsum: Sozialer Druck (alle machen mit), fehlende Aufklärung (nur 53 Prozent kennen die Risiken) und Stressbewältigung (Snus hilft beim Lernen). Aus diesem Grund warnt die CNEL: »Es ist fünf vor zwölf! Snus wird zur Einstiegsdroge – wir brauchen jetzt strengere Regeln!«

Die unterschätzte Gefahr

Nikotin-Pouches sind keine harmlose Alternative zu Zigaretten. Die Beutelchen werden unter die Lippe gelegt und geben hochdosiertes Nikotin direkt ins Blut ab, ohne Rauch, aber mit Suchtgarantie. Snus ist kein harmloser Trend, sondern ein neues Gesundheitsrisiko – besonders für Jugendliche. Gleichzeitig wird der Konsum durch Geschmacksrichtungen, ansprechendes Design und einfache Verfügbarkeit gefördert.

In diesem Kontext fordert die CNEL von den politischen Akteuren die schnelle Verabschiedung des Gesetzes 8333, um die Nikotin-Pouches streng zu regulieren. Es müssen die Kontrollen im Handel verschärft werden, besonders in Kiosken und Online-Shops. Es bedarf auch Aufklärungskampagnen in Schulen, um über Risiken und Suchtgefahren zu informieren. Snus dürfe nicht zur neuen Normalität werden, so die Vertreter der CNEL-Taskforce »Snus«.

Mit dem neuen Anti-Tabak-Gesetz (Gesetzentwurf 8333) sollen die Bestimmungen festgelegt werden. So die Begrenzung des Nikotingehalts auf maximal 0,048 mg pro Beutel. Dies ist eine Dosis, die von Herstellern als de facto Verbot kritisiert wird, da sie den Verkauf unattraktiv macht. Es braucht allerdings auch Verkaufsbeschränkungen. Nikotin-Pouches sollen nicht mehr an Minderjährige verkauft werden, auch Online-Bestellungen müssten strenger kontrolliert werden. Das Verbot von Werbung und auffälliger Platzierung in Geschäften, um die Attraktivität für Jugendliche zu verringern, ist ebenfalls notwendig.

Werden Wirtschaftsinteressen bedroht?

Politisch ist eine Diskussion über ein vollständiges Verbot ausgebrochen. Während die LSAP ein komplettes Verbot fordert, setzen DP und CSV zunächst auf Regulierung. Sucht ist und bleibt ein höchst profitorientierter Geschäftsbereich und sorgt – das beweisen die Steuereinnahmen beim Tabak – für reichlich Staatseinnahmen. Diese laxe Handlungsweise wird allerdings von einigen Institutionen bedauert.

Die Fondation Cancer notiert, dass Nikotin-Pouches keine anerkannte Hilfe zur Raucherentwöhnung sind. Offiziell arbeitet die Regierung mit der Fondation Cancer (Génération sans tabac) und anderen Akteuren zusammen, um Aufklärungskampagnen in Schulen und öffentlichen Räumen zu verstärken.

Der Stand heute: Luxemburg setzt auf eine Kombination aus Regulierung, Aufklärung und Kontrollen, um den Snus-Konsum bei Jugendlichen einzudämmen. Die endgültige Abstimmung über das neue Gesetz steht jedoch noch aus, und die Debatte über ein komplettes Verbot bleibt kontrovers.