Blanke Ausbeutung:
Lieferfahrervereinigung und OGBL schließen Abkommen
Arbeitszeiten wie vor dem Ersten Weltkrieg, die nicht selten bis zu 15 Stunden täglich betragen können, Abgaben an die Bosse von bis zu 50 Prozent des Tageseinkommens und überhaupt kein Einkommen im Krankheitsfall.
Was hier nach dem Leben in einem Entwicklungsland klingt, spielt sich tagtäglich im reichsten Land der EU ab. Die Situation der Lieferfahrer auf hiesigen Straßen gleicht den Vertretern des OGBL eher Sklaverei, denn einem geregelten Arbeitsverhältnis. Dies betonten Gewerkschaftspräsidentin Nora Back und David Angel vom Exekutivbüro am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern der ULL (»Union des Livreurs du Luxembourg«, vertreten durch Aymen Alibi, Dhia El Gafsi und Wassim Ben Ahmed.
Die Pionierzeiten der Essens-Lieferung hierzulande waren einst beschaulich: Dienste wie etwa Foostix waren keine transnationalen Konzerne mit einem Ausbeutungsgeflecht von Subunternehmen und Scheinselbständigkeit. Hier konnte der Chef gelegentlich auch selbst mal im Lieblingsrestaurant am Abend angetroffen werden.
Diese Zeiten sind vorbei. Während Plattformen wie Foostix in den Anfängen eine lokale Alternative mit fast schon persönlichem Kundenkontakt boten, gerieten kleinere, eigenständige Portale stark unter Druck, als globale Giganten wie Wolt oder Uber Eats den Markt überrollten und auch der genannte Anbieter mußte gegenüber der internationalen Konkurrenz die Segel streichen. Am Dienstagmorgen nun haben OGBL und ULL schwere Vorwürfe gegen die Betreiber dieser digitalen Lieferplattformen erhoben – und einen Schulterschluß angekündigt.
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