Das laute Schweigen der Waffen
Trump droht Iran mit »Ende der Zivilisation« und willigt kurz darauf in zweiwöchige Feuerpause ein, Israels Angriffe im Libanon dauern an
Seit dem Osterwochenende hatte USA-Präsident Donald Trump dem Iran mit dem »Ende der Zivilisation« gedroht. Brücken und Kraftwege sollten innerhalb einer Stunde zerstört werden. Israel warnte die Iraner zusätzlich, nicht mit der Eisenbahn zu fahren oder Bahnhöfen und Geleisen nahe zu kommen. Die Bombardierung von iranischen Städten durch diese beiden Atomwaffen besitzenden Mächte ging derweil weiter.
In westlichen Medien wurde eine Art »Count-Down« zum von Trump angekündigten Ende des Iran moderiert. »Zurück in die Steinzeit« werde man den Iran bomben, sollte er nicht endlich die Straße von Hormus freigeben, so ein zornentbrannter Donald Trump im Weißen Haus. Auf dem grünen Rasen des präsidialen Amtssitzes in Washington feierten derweil eingeladene Kinder das traditionelle Oster-Eierlaufen.
Am Dienstag nach Ostern scheiterte ein Resolutionsentwurf im UNO-Sicherheitsrat, der von dem Golfstaat Bahrain eingebracht worden war. Staaten, die an der Nutzung kommerzieller Seewege in der Straße von Hormus interessiert seien, wurden in dem Resolutionstext »nachdrücklich« aufgefordert, »defensive Maßnahmen zu koordinieren«, um die Sicherheit der Schifffahrt durch die Meerenge im Persischen Golf zu gewährleisten. Der Iran müsse »unverzüglich alle Angriffe auf Handels- und Frachtschiffe sowie jegliche Versuche, die Durchfahrt oder die Freiheit der Schifffahrt in der Meerenge zu behindern, einstellen«, Angriffe auf zivile Infrastruktur zur Wasserversorgung, Entsalzungsanlagen, Öl- und Gasanlagen müßten eingestellt werden. Die Forderungen richteten sich eindeutig und ausschließlich an den Iran. Die Angriffe der USA und Israels auf die zivile Infrastruktur des Iran – mit denen der Angriffskrieg begann – wurden in dem Text nicht erwähnt.
Elf der 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrates stimmten für die Resolution, Kolumbien und Pakistan enthielten sich, Rußland und China legten als Ständige Mitglieder ihr Veto ein. Damit war die Resolution abgelehnt.
Arabische Golfstaaten
Der Resolutionstext war von Bahrain in Abstimmung mit Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) abgestimmt worden, hieß es in einer Erklärung des Sicherheitsrates. Konkret wurden Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate genannt. Auch Jordanien unterstützte den Resolutionsentwurf. Alle arabischen Golfstaaten und Jordanien, die die Resolution eingebracht hatten, haben auf ihren Territorien Stützpunkte der Streitkräfte der USA.
Bahrain beispielsweise ist seit 1995 der USA-Marinestützpunkt der 5. Flotte, die unter dem Zentralkommando (CENTCOM) für den Persischen Golf, das Rote Meer, das Arabische Meer und Teile des Indischen Ozeans »zuständig« ist. Im Mittleren Osten und darüber hinaus war und ist die 5. USA-Flotte aktiv im »Krieg gegen den Terror« (seit 2001). Seit Beginn des Angriffs der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar 2026 sind die Militärbasen der USA sowie »Interessen« der USA und Israels in den arabischen Golfstaaten Ziele von Angriffen des Iran in Verteidigung seiner Souveränität und territorialen Integrität.
Schon zu Beginn des Angriffskrieges hatte der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärt, der Iran sei nicht in der Lage, Ziele in den Vereinigten Staaten von Amerika erreichen, um sich zu verteidigen. Daher würden die Militärbasen der USA in der Region angegriffen. Iran habe den Krieg nicht begonnen und nicht gewollt, so Araghchi, USA-Präsident Donald Trump solle sich dafür entschuldigen.
Am Mittwochmorgen – nur wenige Stunden nach seinen martialischen Drohungen gegen den Iran – überraschte Präsident Trump mit der Ansage, er habe den pakistanischen Vorschlag für eine Feuerpause von zwei Wochen akzeptiert. Im Gegensatz zu seiner groß angekündigten Pressekonferenz, auf der Trump die Drohung eines totalen Krieges gegen den Iran ausstieß, erfolgte diese Mitteilung lediglich auf seiner Internetplattform »Truth Social«. Israel, das den Iran mit den USA zusammen angegriffen hatte, schloß sich der Erklärung von Donald Trump an. Auch der Iran stimmte der Feuerpause zu. Gespräche zwischen den USA und dem Iran sollen am morgigen Freitag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen.
Der Vorschlag einer zweiwöchigen Feuerpause war von Pakistan vorgelegt worden und ist das Ergebnis von Konsultationen der Außenminister Pakistans, Saudi-Arabiens, der Türkei und Ägyptens.
Als Grundlage der Verhandlungen legte der Iran seinerseits einen zehn Punkte umfassenden Forderungskatalog vor, wie der iranische Nachrichtensender Press TV berichtete: Keine neue Aggression gegen den Iran; fortgesetzte iranische Kontrolle über die Straße von Hormus; Anerkennung der Urananreicherung; Aufhebung aller primären Sanktionen; Aufhebung aller sekundären Sanktionen; Aufhebung aller gegen den Iran gerichteten Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats; Aufhebung aller Resolutionen des Gouverneursrats; Zahlung von Entschädigungen an den Iran; Abzug der USA-Kampftruppen aus der Region; Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich gegen den Libanon.
Israel bombardiert weiter im Libanon
Die Antwort Israels auf diese letzte Forderung folgte am frühen Mittwochmorgen unmittelbar nach der Ankündigung der zweiwöchigen Feuerpause durch Pakistan. Massive Angriffe der israelischen Luftwaffe wurden aus der südlibanesischen Hafenstadt Tyros gemeldet, auch in der Nähe eines Krankenhauses schlugen Bomben ein. Khiam im Süden des Libanon wurde bombardiert und ebenso Mashgara in der Bekaa-Ebene.
Seit zwei Wochen hat Israel seine Angriffe auf die zivile Infrastruktur des Libanon massiv ausgeweitet. Sechs Brücken wurden zerstört, Journalisten getötet. Der Sprecher der israelischen Armee kündigte am 29. März öffentlich verstärkte Angriffe auf Rettungssanitäter, Krankenwagen und medizinische Zentren an. Sie würden von der »Terrororganisation« Hisbollah militärisch genutzt, behauptete der Sprecher, ohne Beweise vorzulegen.
Am Tag zuvor hatte der libanesischen Gesundheitsminister Rakan Nassreddine vor Journalisten in Beirut mitgeteilt, daß Israel seit dem 2. März – dem Beginn des ausgeweiteten Krieges von Israel gegen den Libanon – 46 Rettungssanitäter und fünf Mitarbeiter in Kliniken getötet hatte. Neun der getöteten Rettungssanitäter seien am Tag der Pressekonferenz im Südlibanon bei verschiedenen israelischen Angriffen getötet worden. Vier der Opfer arbeiteten für das Islamische Gesundheitskomitee der Hisbollah, fünf gehörten zu den Risala Scouts der Amal-Bewegung, die als Freiwillige im Einsatz waren.
In den meisten Fällen – übrigens auch im Krieg gegen Iran – nutzt die israelische Armee die so genannten »Double Taps« – Doppelschläge. Danach wird der erste Angriff auf ein Ziel gelenkt. Der zweite Angriff folgt, wenn Rettungssanitäter oder andere Personen, die Zeuge des ersten Angriffs wurden, zu Hilfe eilen.
Am gleichen Tag hatte die israelische Luftwaffe auch drei libanesische Journalisten getötet, die im Gebiet von Jezzine im südlichen Libanon unterwegs waren. Für sie gab es keine Warnung. Vier Raketen zerstörten ihr Fahrzeug, ein Rettungssanitäter, der helfen wollte, wurde ebenfalls getötet. Zwei der Journalisten – Fatima Ftouni und ihr Bruder Mohamad Ftouni, ein freiberuflicher Fotojournalist – hatten für den Nachrichtensender Al Mayadeen gearbeitet. Der dritte Journalist – Ali Shoeib – war ein erfahrener Kriegskorrespondent für den Nachrichtensender Al Manar, der der Hisbollah nahesteht. Shoeibs »Markenzeichen« war eine weiße Baseballkappe, mit der er überall leicht zu erkennen war.
Der Angriff wurde international verurteilt. Die drei UNO-Sonderberichterstatter Irene Khan (Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit), Morris Tidball-Binz (außergerichtliche, kollektive oder willkürliche Hinrichtung) und Ben Saul (Schutz der Menschenrechte, und der fundamentalen Freiheit im Kampf gegen Terror) teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, »die absichtliche Tötung von Journalisten, die nicht Teil von militärischen Auseinandersetzungen sind, ist eine schwere Verletzung des internationalen humanitären Rechts (…) und ein Kriegsverbrechen.« Journalisten, die beruflich von Kriegsschauplätzen berichteten, seien Zivilisten »und dürfen nicht angegriffen oder zum Ziel eines Angriffs gemacht werden.«
Angriffe auf Friedenstruppe der UNO
Am 29. März war ein indonesischer Soldat der UNO-Friedenstruppe UNIFIL im Südlibanon getötet worden, als ein Geschoß in die UNIFIL-Basis in Et Taibe einschlug und explodierte. Ein zweiter indonesischer UNIFIL-Soldat wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus nach Beirut evakuiert. Am folgenden Tag, am 30. März, wurden erneut zwei UNIFIL-Blauhelme aus Indonesien ebenfalls im Südlibanon getötet und zwei weitere UNIFIL-Soldaten wurden verletzt. Sie waren mit einem Logistikkonvoi unweit von Bani Hayyan zu ihrer Basis unterwegs, als eine Explosion – offiziell »unklarer Herkunft« – ihr Fahrzeug zerstörte.
Frankreich beantragte eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates, die am 31. März in New York einberufen wurde. Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot machte Israel für die Angriffe auf die UNIFIL-Soldaten verantwortlich. »Diese Drohungen gegen die Sicherheit und Einschüchterungsversuche durch israelische Soldaten gegen das UNO-Personal sind inakzeptabel«, betonte Barrot vor Journalisten. Es gebe dafür »keine Rechtfertigung«. Frankreich sprach den Hinterbliebenen der drei getöteten UNIFIL-Soldaten sein Beileid aus und versicherte Indonesien seiner Solidarität. Die Umstände, die zu diesen Tragödien geführt hätten, müßten vollständig aufgeklärt werden, forderte der französische Außenminister.
Jean-Noel Barrot verurteilte auch Angriffe auf französische UNIFIL-Soldaten in Naqoura, zumal die Verfahren zur Konfliktvermeidung eingehalten wurden. Die Verurteilung sei »dem israelischen Botschafter in Paris mit aller Deutlichkeit übermittelt« worden. Alle Parteien hätten die UNO-Sicherheitsratsresolution 1701 einzuhalten und die Sicherheit des UNO-Personal zu gewährleisten. UNIFIL müsse sein Mandat erfüllen können und das bedeute auch »vollständige Bewegungsfreiheit«.
Die UNO-Friedensmission für den Libanon, UNIFIL wurde 1978 durch den UNO-Sicherheitsrat eingesetzt. Die Resolution 1701 beendete den Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah im Jahr 2006. Israel versucht seit Jahren, die Friedensmission zu beenden und hat wiederholt während kriegerischer Auseinandersetzungen UNIFIL-Basen attackiert. Ende März 2026 betrug die Truppenstärke von UNIFIL 7.505 Soldaten aus 47 Staaten. Auf Druck von Israel und den USA hat der UNO-Sicherheitsrat im August 2025 das Ende der UNIFIL-Mission zum Ende des Jahres 2026 beschlossen.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Ostermontag den Tod von 36 Personen innerhalb der vergangenen 24 Stunden, 209 Personen wurden im gleichen Zeitraum durch israelische Luftangriffe verletzt. Unter den Toten war eine siebenköpfige Familie. Die Gesamtzahl der Toten seit dem 2. März wurde mit 1.497 angegeben, darunter 101 Frauen und 130 Kinder. Die Zahl der Verletzten wird mit 4.639 angegeben. Die Zahl der getöteten Rettungssanitäter stieg auf mindestens 57, 145 medizinische Mitarbeiter wurden verletzt.

