Kaleidoskop15. Januar 2022

Der kuriose Fall Djokovic

Ein paar Gewinner und ganz große Verlierer

von dpa/ZLV

Die neueste Volte im Streit um das Visum für Novak Djokovic in Australien ist zwar noch nicht das Ende der tagelangen Posse. Doch nach der zweiten Annullierung der Einreiseerlaubnis droht dem serbischen Tennisprofi wegen seiner fehlenden Coronaimpfung nun nicht nur die Ausreise, sondern auch ein kampfloses Aus bei den Australian Open, bei denen er ab Montag so gerne seinen 21. Grand-Slam-Titel erobern würde. Der 34-Jährige könnte nach dem Hin und Her, das sich nun seit über einer Woche hinzieht, der größte Verlierer sein.

Blickt man auf die Australian-Open-Siegerliste seit 2008, konnten die Gegner von Djokovic nicht allzu viel Hoffnung haben. 2008, 2011, 2012, 2013, 2015, 2016, 2019, 2020 und 2021 siegte der Serbe selbst, dazwischen schafften es neben Rafael Nadal auch dreimal Roger Federer und einmal Stan Wawrinka. Beide Schweizer fallen diesmal verletzungsbedingt aus. Sollte Djokovic nun wirklich fehlen, erhöht dies massiv die Titelchancen des Russen Daniil Medwedew und des deutschen Olympiasiegers Alexander Zverev. Bei einer Abreise von Djokovic wäre der Spanier Nadal zudem der einzige im Turnier vertretene Ex-Titelträger. Er hat 2009 in Melbourne gewonnen.

In den vergangenen Tagen machte ein Clip die Runde, bei dem Federer und Nadal losgelöst miteinander lachten. Der Clip hatte nichts mit den Geschehnissen um Djokovic zu tun, paßte aber sinnbildlich. Alle drei Tennislegenden stehen derzeit bei 20 Titeln bei den vier Grand-Slam-Turnieren. Djokovic hätte in Melbourne die große Chance, alleiniger Rekordhalter zu werden. Diese scheint ihm nun verwehrt zu werden.

Für alle Profis, die das Vabanquespiel in Australien nicht eingehen wollten, dürfte sich die Entscheidung für eine Impfung zusätzlich ausgezahlt haben. Djokovics Rivale Stefanos Tsitsipas fand dazu vor dem Turnierstart deutliche Worte. »Niemand hätte wirklich geglaubt, daß man ungeimpft nach Australien kommen könnte, ohne die vorgegebenen Protokolle zu befolgen«. »Wir haben uns alle an die Regeln gehalten, um nach Australien zu kommen und am Turnier teilzunehmen. Und wir haben uns dabei sehr diszipliniert verhalten.«

Das oft als »Happy Slam« bezeichnete Turnier hat in den vergangenen Tagen sicher großen Schaden genommen. Das Hin und Her um Djokovic ließ den Sport in den Hintergrund rücken. Die Causa Djokovic mit all ihren kuriosen Wendungen könnte so auch die erste Turnierwoche überlagern.

Eine »weltweite Peinlichkeit« sei die Affäre für Australien, befand die Zeitung »The Age«. Die strengen Coronamaßnahmen des Landes mit monatelangen Lockdowns und der verweigerten Einreise für viele im Ausland gestrandete Australier wurde durch die scheinbare Vorzugsbehandlung für den Tennismillionär in Zweifel gezogen. Daß ein Gericht wegen eines Formfehlers Djokovic vorläufig die Einreise erlaubte, war schon eine Blamage für die Behörden. Daß Einwanderungsminister Alex Hawke danach vier Tage für seine Entscheidung benötigte, sorgte für Unverständnis.

Spätestens als Vater Srdjan Djokovic den Sohn mit Jesus verglich, wurde es vollends lächerlich.