Post-Bilanz 2025:
Jahr der Veränderung in herausfordernder Umwelt
Am 15. Mai 2025 wechselte der Vorsitz im Verwaltungsrat der Post von Serge Allegrezza zu Françoise Schlink, der Kabinettschefin von DP-Wirtschaftsminister Lex Delles. Sie schilderte eingangs der Bilanz-Pressekonferenz gestern das Jahr 2025 als ein wirtschaftlich schwieriges Jahr, weswegen es auch für die Post kein leichtes wurde. Zwar ging die Inflation am Jahresanfang zurück, doch dann kam Trumps Zoll-Krieg und am Ende blieb es gerade noch bei +0,6 Prozent Zuwachs beim Luxemburger Bruttoinlandprodukt. Damit war sie elegant am rosa Elefanten im Raum vorbeigekommen, nämlich den ständig gesteigerten antirussischen Sanktionen, die eindeutig eine größere Belastung für die Wirtschaft waren als das Auf und Ab der US-Zölle. Wir dürfen gespannt sein, was sie uns nächstes Jahr über 2026 erzählt, denn immerhin erklärte Generaldirektor Strasser schon gestern dazu, es lasse sich nicht besser an, eindeutig eine sprachliche Beschönigung einer miesen Lage.
In diesem schwierigen Umfeld hat sich die Post gut geschlagen, auch beim kompletten Ausfall des Internets am 23. Juli 2025, hervorgerufen durch einen Software-Fehler auf einem kritischen Router, der durch einen Cyber-Angriff unbekannter Herkunft, weil sich niemand dazu bekannte, aktiviert wurde. Als die Ursache klar war, dauerte es nur 10 Minuten für die Wiederherstellung und auch gestern ließ sich Claude Strasser nicht aufs Glatteis führen durch jene Journalisten, die hören wollten, es seien die Russen gewesen.
Stattdessen sagte er, rückblickend sei das eine positive Erfahrung für die Resilienz-Vorbeugung, da das bei vielen Kunden zur Bewußtwerdung beitrug. Intern wurden die Installationen überarbeitet und einige zusätzliche Ausrüstungen dupliziert. Dennoch ist das keine Garantie dafür, zu 100 Prozent gefeit zu sein. Was er nicht sagte, sei hinzugefügt: Niemand weiß schließlich, wo sich noch ein Software-Fehler versteckt, der aktiviert werden könnte. Man kann der Post allenfalls den Vorwurf machen, zu sehr auf Microsoft und deren Scheunentore für die US-Geheimdienste zu setzen, inklusive bei der öffentlichen Cloud.
Obwohl sich Strasser beklagte über die Kosten der Bürokratie durch EU-Vorschriften, darf er sich als Generaldirektor eines Betriebs in Staatsbesitz natürlich nicht zu sehr darüber ausbreiten. Dafür gelobt er festlich, der EU aufs Wort zu gehorchen, wenn sie Lieferanten aus China ausschließt, obwohl kaum ein digitales Gerät zu finden sei, in dem kein Teil aus China steckt. Es sei jedenfalls Politik der Post, sich nicht von einem einzigen Hersteller abhängig zu machen, wenn mehrere Vergleichbares anbieten.
Nicht so schlechte Zahlen
Auch wenn die Bäume bei der Mobiltelefonie nirgendwo mehr in den Himmel wachsen, niedrigere Zinsen das Ergebnis der Postfinanz drücken und immer weniger Briefe zugestellt werden, ist das Bilanzergebnis der Post 2025 alles andere denn schlecht.
Der Umsatz stieg von 978 auf 985 Millionen. Das »nur 7 Millionen mehr« kann man sich sparen, denn es ist der Zuwachs in diesen Zeiten durchaus positiv zu bewerten.
Am meisten hat sich die Zinssenkung der Zentralbank negativ ausgewirkt, denn es macht einen Unterschied, ob es 3,7 Prozent wie 2024 oder 2,25 Prozent wie 2025 auf die Kundeneinlagen von 2 Milliarden beim CCPL gibt. So ist in diesem Bereich der Umsatz von 76 auf 61 Millionen zurückgegangen, obwohl 508 Geschäftskonten und 8.485 Privatkonten hinzukamen, die höhere Gebühren zahlten.
Der Bereich Telekom und Informationstechnologie legte um 11 Millionen auf 646 Millionen zu, wobei die jetzt einheitliche Marke »deep« für Betriebe um 4 Prozent zulegte, während im Haushaltsbereich mit »Pop« inklusive dem Fernsehangebot ein Sättigungsniveau erreicht ist angesichts des niedrigen Bevölkerungszuwachses. In diesen Bereich fließen 60 Millionen von anderen Anbietern fürs Benutzen der Infrastruktur vor allem im Glasfaserbereich. Daß eine EU-Ausschreibung für die souveräne Deep-Cloud gewonnen wurde, steigert den guten Ruf beträchtlich.
Zur traditionellen Brief- und Paketpost, die seit 1842 besteht, kam 2017 die Logistik hinzu. Hier stieg der Umsatz um 10 Millionen auf 186 Millionen, obwohl die Anzahl der zugestellten Briefe um 5 Millionen auf 88 Millionen (-6,3 Prozent) zurückging. Dafür nahm die Zahl der Pakete um 1,6 Millionen auf 10 Millionen zu, was pro Kopf immer noch weniger sind als bei unseren Nachbarn. Deshalb wird mit einer weiteren Zunahme gerechnet und in Bettemburg eine neue Sortierstraße für Pakete eingerichtet, die 2028 in Betrieb gehen soll. Als das Verteilzentrum entstand, wurde die Briefsortieranlage auf 200 Mio./Jahr ausgelegt, was sich als Fehlkalkulation herausgestellt hat.
International bewundert wird die Post dafür, daß 19 Prozent der Pakete über die mittlerweile 172 PackUp-Stationen zugestellt werden. 28 Prozent werden über die Briefträger zugestellt, die restlichen 53 Prozent mit Lieferwagen.
Die Investitionen blieben auch 2025 auf hohem Niveau, wobei bereits 90,3 Prozent des Landes mit Glasfaser und 99,3% mit 5G abgedeckt ist. Von den 134 Millionen flossen 70 Millionen in die beiden vorgenannten Bereiche. Die Lohnkosten der 4.576 Bediensteten (58 mehr als 2024 wegen der Paketflut) beliefen sich auf 443 Millionen. Von 2.348 Lieferanten wurde für 436 Mio. eingekauft, wobei 63 Prozent des Betrags in Luxemburg selbst anfiel. An direkten und indirekten Steuern lieferte die Post 88 Mio. ab. Weitere 5 Millionen fließen als Dividende ins Staatsbudget von den 31 Millionen Gewinn nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen, 19 weniger als 2024. Vor all dem blieben 159 Millionen, 21 Millionen weniger als 2024.

