Karneval in Rio setzt Zeichen gegen Rassismus
Zum Abschluß der Karnevalsumzüge im Sambodrom haben die zwölf wichtigsten Sambaschulen die mehr als 70.000 Zuschauer begeistert. Bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag (Ortszeit) wurde an historische Persönlichkeiten, kulturelle Traditionen und an Geschichten der afrobrasilianischen Bevölkerung erinnert. So würdigte die Sambaschule Mangueira die Sängerin und Komponistin Alcione, die in dem südamerikanischen Land zu einer Frauenikone geworden ist. Sie setzt sich für religiöse Vielfalt und Respekt ein. Alcione fuhr im letzten Wagen mit einer Krone mit. Portela (Foto) erzählte vom Kampf der Schwarzen in Brasilien und zeigte deren Errungenschaften auf.
Paraíso do Tuiuti erzählte die Geschichte des Seemannes João Cândido, der 1910 die »Revolte der Peitsche« anführte. Über 2.000 überwiegend schwarze Seeleute der brasilianischen Marine rebellierten damals gegen die Bestrafung mittels Peitschenhieben durch weiße Offiziere. In die Rolle Cândidos schlüpfte Max Angelo dos Santos – ein schwarzer Essenslieferant, der im vergangenen Jahr von einer weißen Kundin ausgepeitscht wurde, nachdem es zum Streit gekommen war.
Die Staatsanwaltschaft stufte den Fall erst kürzlich aufgrund der Schwere der diskriminierenden Beleidigungen als Rassismusdelikt ein, berichtete die Tageszeitung »O Globo« unter Berufung auf den Anwalt des Diskriminierten. »Wir nutzen den Karneval, um eine Botschaft zu übermitteln«, sagte dos Santos dem Portal »G1«. »Wir wissen, daß Brasilien eine Mischung aus Rassen und Kulturen ist. Wir können nicht zulassen, daß solche Dinge weiter passieren!«
Bereits am Sonntag sind sechs der zwölf Sambaschulen der ersten Liga im Sambodrom aufgetreten, am Freitag und Samstag die Schulen der Aufstiegsklasse. Am Mittwoch (Ortszeit) sollte eine Jury, die wie beim Eiskunstlauf Noten vergibt, die diesjährige Siegerin küren.
Aber die größte Party der Welt ist damit noch nicht am Ende. Die sechs bestplatzierten Sambaschulen ziehen am Samstag erneut durch das Sambodrom. Die Tribünenstraße, die der weltberühmte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer 1984 entworfen hatte, feiert dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum. Und beim Straßenkarneval sind in vielen Stadtvierteln immer noch die Blocos unterwegs.

