Luxemburg07. Juli 2026

Empfang zum 80-jahrigen Geburtstag der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«

80 Jahre für Frieden und für sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt

Aus Anlaß des 80. Jahrestags der Gründung der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« fand am Sonntag ein Empfang auf dem »Wisefest vun der Zeitung« statt, während dem, neben einer Ansprache von Chefredakteur Ali Ruckert, der Botschafter der Volksrepublik China, Ning Hua, Ana Maria Ortega und Rachel Velasquez von der Botschaft Kubas, Renate Koppe vom Parteivorstand der DKP, und Fernand Diederich, Vizepräsident der Amicale Ungeheuer Glückwünsche zum 80 Geburtstag überbrachten.

Anschließend an die Ansprachen wurde der Geburtstagskuchen angeschnitten, der mit einem Marzipan-Aufdruck der ersten Ausgabe der »Zeitung« vom 1. Juli 1946 dekoriert war, und es wurde auf weitere Erfolge der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« angestoßen.

Nachstehend dokumentieren wir Auszüge aus der Rede von Chefredakteur Ali Ruckert:

Heute feiern wir nicht nur das 50. »Wisefest vun der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«, sondern auch den 80. Geburtstag der »Zeitung«. Am 1. Juli 1946 erschien vor nunmehr 80 Jahren die erste Ausgabe der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«. Wie es dazu kam, dass die kommunistische Wochenzeitung »Die Volksstimme« durch eine Tageszeitung ersetzt werden konnte, und die KPL in der Lage war, mit der »Coopérative Ouvrière de Presse et d’Editions« eine eigene Druckerei zu gründen und zu betreiben, kann in der Beilage nachgelesen werden, die Teil der Ausgabe der »Zeitung« vom 1. Juli dieses Jahres war.

Eine bewegte Geschichte

Wir schauen heute auf eine bewegte Geschichte der »Zeitung« zurück. Dazu zählt, dass die kommunistischen Redakteure und die Leser der kommunistischen Zeitung am 29.Mai 1949 von der katholischen Amtskirche in einem Hirtenbrief exkommuniziert wurden, und auch die beabsichtigte Zerstörung der Druckerei COPE 1956, mitten im Kalten Krieg, durch einen aufgehetzten Mob, der nur durch den beherzten Einsatz von kommunistischen Berg- und Stahlarbeitern aufgehalten werden konnte.

Dazu zählt auch, dass 1990, nach der kapitalistischen Restauration in der Sowjetunion und in den europäischen Ländern, die sich für einen sozialistischen Entwicklungsweg entschieden hatten, die Montagausgabe der »Zeitung« aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste. Manche kommunistische Militanten und Leser der »Zeitung« brachten große finanzielle Opfer, um die Tageszeitung zu erhalten.

Die »Zeitung« stand und steht in den politischen und sozialen Auseinandersetzungen immer an der Seite der KPL und der fortschrittlichen Gewerkschaftsbewegung und hatte, indem sie half zu informieren und zu mobilisieren, ihren Anteil an den Erfolgen der Schaffenden, sei das am 9. Oktober 1973, als ein Generalstreik das Land lahmlegte und 40.000 Lohnabhängige auf die Straße gingen, und auch am 28. Juni 2025, als 25.000 Menschen gegen Sozialabbau, Rentenklau und die geplante Einschränkung der Rechte der Gewerkschaften manifestierten.

Ebenso selbstverständlich war es für die »Zeitung«, über Jahrzehnte als einzige Tageszeitung in Luxemburg über die Hintergründe und die Erfolge des antikolonialen Kampfes in Afrika, Asien und Lateinamerika und über die Entwicklung in den Ländern zu berichten, die sich vom Kapitalismus losgesagt hatten und einen sozialistischen Entwicklungsweg einschlugen, oft mit großen Schwierigkeiten und keineswegs gefeit vor Rückschlägen oder Niederlagen.

So halten wir es auch heute, wenn wir die Wahrheit über die verschärften Angriffe der Trump-Administration gegen Kuba, seinen sozialistischen Entwicklungsweg und seine Souveränität darstellen und unsere Solidarität mit unseren kubanischen Genossen und Freunden zum Ausdruck bringen.

1946-2026: Kontinuität in der redaktionellen
Linie der »Zeitung«

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Welt, aber auch die Presselandschaft stark verändert, nicht immer zum Guten – aber wenn bis heute etwas geblieben ist, wie vor 80 Jahren, dann dies: Die Werte, die bei der Gründung der »Zeitung« durch die Kommunistische Partei Luxemburgs im Jahr 1946 im Vordergrund standen, sind heute aktueller denn je und bestimmen immer noch die redaktionelle Linie der »Zeitung«: – Frieden, Humanismus, sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt, Laizismus, Solidarität, Antifaschismus, Antirassismus, Antimilitarismus.

Dafür garantierten im Laufe der Jahrzehnte die KPL als Aktionär der »Zeitung«, wie auch die vielen Redakteure, die damals und heute, Tag für Tag, oft unter sehr komplizierten Bedingungen, die Herausgabe der »Zeitung« sicherstellten, auch wenn heute die Namen früherer verdienstvoller Redakteure vielen nicht mehr geläufig sind.

Zu ihnen gehörten unter anderem Jéhan Steichen, Jean Kill, Michel Dieschbourg, René Urbany, Fränz Hoffmann, Léon Steffen, Jo Muttergé, Norbert Schwickert und Gilbert Simonelli, aber auch zahlreiche Arbeiterkorrespondenten, die in der »Zeitung« und in der »Wochenzeitung vum Lëtzebuerger Vollek« regelmäßig über die Situation in den Betrieben berichteten. Zu ihnen zählten Jacques Hoffmann, Marcel Pütz, Fernand Hübsch, Roger Majerus, Camille Muller, Roger Schweich, Jos Ruckert und viele andere.

Und natürlich darf nicht vergessen werden, dass kommunistische Abgeordnete während Jahrzehnten zu den fleißigsten Mitarbeitern der »Zeitung« gehörten, allen voran, Dominique Urbany, Jos Grandgenet, Arthur Useldinger und Aloyse Bisdorff.

Ohne den Einsatz der Direktion und des technischen Personals der Druckerei COPE, das noch während Jahrzehnten auf einer Druckmaschine aus den 1920er Jahren und Setzmaschinen aus der Zeit der Resistenz der belgischen Kommunisten gegen die Nazis, arbeitete, bevor 1977 eine moderne Druckmaschine in der DDR gekauft werden konnte, hätte die »Zeitung« natürlich nicht erscheinen können. Zu ihnen gehörten Pierre Fonck, Jacqueline Urbany, Irène Zimmer, Ramon Humbert, Victor Bredimus, Michel Peters, Ben Passeri, Helli Hübsch, Maisy Bisdorff, Jean Mamer, Gusty Nestgen.

Ohne die »Zeitung« wäre der Pressepluralismus wie ein Orchester, das ohne Piccoloflöte unvollständig ist

Die »Zeitung«, die zu den wenigen kommunistischen Tageszeitungen im kapitalistischen Europa gehört, bemüht sich weiterhin Tag für Tag – trotz ihrer Schwächen – umfassend und objektiv über wichtige politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse zu berichten. In einer Welt, in der fortschrittliche politische Kräfte und Medien es schwer haben, da sie vielfach diskriminiert, verleumdet und ausgegrenzt werden, will die »Zeitung« den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten, die ihnen hilft, nationale und internationale Ereignisse besser zu verstehen und einzuordnen. Sie bleibt damit ein wichtiger Akteur des Pressepluralismus hierzulande – auch wenn das vielen Leuten nicht passt. Ohne die kommunistische »Zeitung« wäre der Pressepluralismus wie ein Orchester, das ohne Piccoloflöte unvollständig ist.

Wie keine andere Zeitung setzt sich die »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« ein für eine solidarische Gesellschaft, für soziale Gerechtigkeit, demokratische Besitzverhältnisse in der Wirtschaft und für Frieden, und sie entlarvt die Entscheidungen der Regierung und der Chamber, Milliarden für die Aufrüstung zu verpulvern, während gleichzeitig jede fünfte Familie von Armut bedroht ist, die Wohnungsnot immer größer wird, die Arbeitslosigkeit hoch bleibt, der Jugend keine Perspektiven geboten werden und kein Geld für effektiven Klima- und Umweltschutz bereitgestellt wird.

Für sozialen Fortschritt und Abrüstung

Das – wie alle Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, die vom kapitalistischen System und den wirtschaftlichen und politischen Kräften, die es unterstützen und dazu beitragen, dass diese ungerechten Verhältnisse immer wieder reproduziert werden – prangert die »Zeitung« nicht nur an, sondern sie deckt auch die Hintergründe auf und verweist auf Alternativen. Denn eine Welt, in der allein der Reichtum der zwölf reichsten Menschen der Welt dem Gesamtvermögen der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung entspricht, kann nicht das Ende der Geschichte sein, sondern schreit nach Veränderung.

Eine der schlimmsten Bedrohungen für unsere Zukunft ist nicht nur die Existenz von tausenden Atomwaffen, sondern auch ihre stetige Weiterentwicklung. Das erklärt, dass die »Zeitung« gerade dem Thema der atomaren Abrüstung große Aufmerksamkeit schenkt – und auch schon mal den Papst ausführlich zitiert, wenn er die atomare Aufrüstung anprangert und für Frieden durch Verhandlungen appelliert, ohne dass darüber in der bürgerlichen und klerikalen Presse berichtet wird.

Allein im Jahr 2025 haben die Atomwaffen besitzenden Staaten mehr als 100 Milliarden dafür verpulvert, 3.200 Euro pro Sekunde (!) – genug, um den Haushalt der UNO für 32 Jahre zu decken. Die Ausgaben eines einzigen Tages wären ausreichend, um zu erreichen, dass zwei Millionen Menschen nicht mehr um die nächste Mahlzeit bangen müssten. Auch deshalb fordern die Kommunisten und ihre »Zeitung« ohne jeden Kompromiss das Verbot und die Abschaffung ALLER Atomwaffen.

Eine solche Zeitung, die auch nach 80 Jahren immer noch dort weiterschreibt, wo andere aufhören, braucht die Unterstützung und die Solidarität der Schaffenden, damit sie ihrer Rolle als Informationskanal, Propagandist und Organisator heute und in Zukunft noch besser gerecht werden kann, damit sie die Möglichkeit bekommt, ihre gedruckte und digitale Ausgabe zu verbessern, weiter auszubauen und in größerem Maße zu verbreiten.