Luxemburg11. August 2026

Schlichtung gescheitert

Die korporatistischen Interessen der liberalen Ärzteschaft verhindern neue Konvention

von Ali Ruckert

In einem Rundschreiben an ihre Mitglieder hat die Vereinigung der Ärzte und Zahnärzte AMMD mitgeteilt, dass sie keine neue Konvention mit der Krankenkasse (CNS) unterschreiben werde. Die Schlichtung sei gescheitert, da die Krankenkasse ebenso wenig wie die Regierung bereit sei, notwendige »Reformen« vorzunehmen.

Die Konvention regelt alle Leistungen, welche von der Krankenkasse übernommen oder erstattet werden und bildet die Grundlage für die Abrechnung zwischen den Ärzten und Zahnärzten und der CNS.

Da die Vereinigung der Ärzte und Zahnärzte die Konvention im Oktober 2025 aufkündigte und sich weigert eine neue Abmachung mit der CNS zu unterschreiben, wird die bisherige Konvention Ende Oktober dieses Jahres auslaufen.

Sollte die AMMD bei ihrer Weigerung bleiben, müßten die Tarife und die Bedingungen für die Abrechnung zwischen den Ärzten und Zahnärzten und der CNS demnächst über eine großherzogliche Verordnung geregelt werden.

Der Tropfen, der seinerzeit das Faß zum Überlaufen brachte, war die Weigerung der Krankenkasse, den Ärzten und Zahnärzten, die bekanntlich zu den Besserverdienern zählen oder regelrechte Großverdiener sind, nur die Hälfte der von ihnen geforderten kräftigen Einkommenserhöhung zu bewilligen. Die liberalen Ärzte hatten geltend gemacht, die in der Konvention festgehaltenen Honorare würden sie tatsächlichen Betriebskosten nicht mehr widerspiegeln.

Doch der Konflikt geht deutlich tiefer, denn es geht der AMMD eigentlich darum, die kommerzielle Liberalisierung und Privatisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben.

Im Visier sind insbesondere jene Bereiche, in denen der medizinisch-technische Fortschritt eine Gesundheitsversorgung in neuen dezentralen ambulanten Strukturen ermöglicht, die aber fehlen, da solche Konzepte nicht oder mit viel Verspätung entwickelt und die dazu notwendigen Investitionen durch die aufeinanderfolgenden Regierungen von CSV, DP, LSAP und Grünen nicht getätigt wurden.

Das spielt heute den korporatistischen Interessen der liberalen Ärzteschaft geradezu in die Hände, zum Schaden der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Gesundheitswesens und der Interessen der Schaffenden und Rentner.