Auslands-Nachrichten
Angriff Israels im Westjordanland
Bei einem Angriff der israelischen Armee im nördlichen Westjordanland ist am Dienstagmorgen ein 28-jähriger Mann erschossen worden. Nach palästinensischen Medienberichten hatten Soldaten mehrere Stunden lang ein Gebäude in dem Ort Akraba in der Nähe der Stadt Nablus belagert, in dem er sich aufgehalten habe. Es seien auch Raketen auf das Haus geschossen worden. Bilder mehrerer Agenturen zeigen massive Zerstörungen an dem Gebäude und in der Umgebung (Foto).
Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, Soldaten seien nach Akraba gekommen, um »einen mutmaßlichen Terroristen zu befragen«. Bei ihrer Ankunft soll der 28-jährige Abdul Karim Muhammad Khader Suleiman angeblich eine Brandflasche und einen improvisierten Sprengsatz auf die Soldaten geworfen haben. Später seien die Soldaten in das Gebäude vorgedrungen, der »mit einem Messer bewaffnete Mann« sei dabei getötet worden.
Auch an anderen Orten des Westjordanlands kam es erneut zu Razzien der israelischen Armee. Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem 7. Oktober 2023 und mit dem Angriffs- und Vernichtungskrieg Israels gegen die Palästinenser in Gaza weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Angriffen und Razzien, bei bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Allein in diesem Jahr belief sich die Zahl der Toten auf 85.
Bahn-Streik in den Niederlanden
Ein Streik legt den Bahnverkehr in den Niederlanden am heutigen Mittwoch weitestgehend lahm. Laut den Niederländischen Eisenbahnen (NS) sind auch die internationalen Fernzüge betroffen. Es gibt lediglich einen Pendelverkehr von Amsterdam zum Flughafen Schiphol und zurück. Mit dem Streik protestieren die Gewerkschaften gegen geplante Einschnitte in das niederländische Sozialsystem.
Seit 100 Tagen Proteste in Albanien
Die Gegner eines Luxusimmobilien-Projekts in einem albanischen Naturschutzgebiet haben den 100. Tag in Folge im Zentrum von Tirana demonstriert. Sie hielten Transparente mit Aufschriften wie »Albanien ist nicht zu verkaufen!« hoch und forderten in Sprechchören den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama, der das Projekt unterstützt. Die Protestwelle richtet sich gegen die geplante Bebauung von Teilen der Lagune von Narta im Delta des Flusses Vjosa durch Immobilienspekulanten aus den USA.
Federführend ist dabei eine Firma von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von USA-Präsident Donald Trump. In der Bucht von Zvernec und auf der Insel Sazan sollen Luxushotels, Villenanlagen und Freizeiteinrichtungen entstehen. Am Montag beteiligten sich erneut etwa tausend Menschen an der Demonstration. »Ausdauer mißt sich nicht in Zahlen, sondern im Widerstand«, rief einer der Redner in die Menge. Unser Foto zeigt einen Protest in Tirana am 4. Juli.
Netanjahu war über Hamas-Angriff informiert
Tel Aviv – Kurz vor dem Angriff am 7. Oktober 2023 soll der emiratische Präsident den Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu persönlich davor gewarnt haben, daß die Hamas »eine großangelegte Offensive gegen Israel« plane. Netanjahu habe die israelischen Sicherheitschefs jedoch nicht informiert und nichts mit diesen Informationen unternommen, berichtete die israelische Zeitung »Haaretz«.
Nach Angaben des Blatts wurden drei hochrangige ausländische Regierungsvertreter über den Inhalt des 45-minütigen Telefonats informiert. Als Quelle wird ein Berater des emiratischen Präsidenten Mohammed bin Sajid genannt. Das Büro Netanjahus dementierte den Bericht als »absolute Lüge«. Auf eine direkte Anfrage reagierte das Büro zunächst nicht.
Der investigative Bericht von »Haaretz« stammt von den Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Juval, die ein Buch über die Geiseln im Gazastreifen und den Gaza-Krieg veröffentlicht haben. Es basiert auf Interviews mit Dutzenden Quellen, darunter hochrangigen Vertretern Israels und anderer Staaten.
Laut dem Zeitungsbericht rief der emiratische Präsident Mohammed bin Sajid den israelischen Ministerpräsidenten eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 aus dem Präsidentenpalast in Abu Dhabi an und sprach 45 Minuten mit ihm. In dem Gespräch habe er Netanjahu gewarnt, daß der damalige Chef der Hamas, Jihia al-Sinwar, eine großangelegte Offensive gegen Israel plane. Er habe auch die Sorge geäußert, daß das bevorstehende Ereignis nicht nur zu Blutvergießen führen, sondern auch die gesamte Region destabilisieren und die sogenannten Abraham-Abkommen Israels mit mehreren arabischen Staaten untergraben würde.
Der emiratische Präsident drängte Netanjahu, die Lage ernst zu nehmen und sich darauf vorzubereiten. Zu seiner Überraschung habe dieser jedoch »relativ gelassen« reagiert und versichert, Israel sei »auf jegliches Szenario vorbereitet«.
Eiffelturm nach Streik wieder geöffnet
Paris – Der Pariser Eiffelturm ist nach einer Arbeitsniederlegung aus Protest gegen den vorübergehenden Abzug von weiblichem Personal wieder für Besucher zugänglich. Die Betreibergesellschaft hatte zuvor eingeräumt, daß es ein Fehler gewesen sei, auf Bitten einer hinduistischen Delegation während eines Besuchs der dritten Etage des Eiffelturms das weibliche Personal dort zurückzuziehen. Aus Protest gegen den Vorfall am Samstag hatte das gesamte Personal am Montag die Arbeit niedergelegt, und der Eiffelturm blieb geschlossen.
Laut Betreibergesellschaft fand der Besuch im Zuge eines Kulturfestivals anläßlich der bevorstehenden Einweihung eines Hindu-Tempels statt. Im Vorfeld habe es die Bitte gegeben, den Besuch des geistlichen Vertreters so zu organisieren, daß dessen Kontakte zu Frauen auf ein Minimum beschränkt würden.
EU droht Serbien
Brüssel – Die EU hat Serbien wegen der Beerdigung des verstorbenen früheren Generals Ratko Mladic mit Konsequenzen gedroht. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa warfen Regierungsvertretern vor, sich »einem dunklen Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte« nicht zu stellen.
Die Zeichen offizieller Unterstützung und die Anwesenheit ranghoher serbischer Amtsträger bei der Beerdigung seien »zutiefst bedauerlich« und stünden »im Widerspruch zu den Werten, auf denen Serbiens Weg in die Europäische Union beruhe«.
Laut einem Sprecher der EU-Kommission werden mögliche Schritte geprüft. Denkbar seien finanzielle Konsequenzen wie das Einfrieren von Unterstützungszahlungen. Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidatenland, seit 2014 laufen offiziell Verhandlungen.
Island hat USA-Botschafter einbestellt
Washington – Mit einer auf »Truth Social« geteilten Nordamerika-Landkarte sorgt USA-Präsident Trump auch in Island für Aufruhr. Die Außenministerin des Landes, Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir, bestellte am Montag den USA-Botschafter ein. Dabei habe man unmißverständlich deutlich gemacht, »daß das Bild völlig unangebracht sei«.
Trump provozierte am Montag mit einer Nordamerika-Landkarte, die unter anderem Kanada, Grönland, Mexiko, Kuba und Island unter der USA-Flagge zeigt. Darauf prangt der Ländername: Vereinigte Staaten von Amerika.
Trump kokettiert immer wieder mit dem Wunsch, sich andere Länder und Inseln einzuverleiben. Im Falle von Kanada hatte er angedeutet, daß das Nachbarland der 51. Bundesstaat der USA werden könnte. Grönland will er kaufen und argumentiert, nur die USA könnten die zu Dänemark gehörende Insel »gegen Begehrlichkeiten aus Rußland oder China verteidigen«.
Auch in Mexiko sorgte die Grafik für Entrüstung. Präsidentin Claudia Sheinbaum schrieb auf X, daß ihr Land weder eine Kolonie noch ein Protektorat eines fremden Landes sei oder jemals sein werde. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte, die Grönländer hätten immer wieder deutlich gemacht, nicht Teil der USA sein zu wollen. Diese Botschaft bekräftige man weiter.
Neue Direktorin für den Panamakanal
Panama-Stadt – Mit Ilya Espino de Marotta übernimmt erstmals eine Frau die Leitung des Panamakanals. Die Ingenieurin wird für die nächsten sieben Jahre als Geschäftsführerin der wichtigen Wasserstraße in Mittelamerika fungieren, teilte die Panamakanalbehörde mit.
»Ich weiß, was es bedeutet, die erste Frau zu sein, die die Leitung dieses Kanals übernimmt. Ich weiß auch, daß damit Erwartungen verbunden sind«, sagte Ilya Espino de Marotta bei ihrer Antrittsrede. Den Posten habe sie aber nicht erhalten, weil sie eine Frau sei, sondern da sie 41 Jahre am Kanal gearbeitet und sich auf die Verantwortung vorbereitet habe.
Ilya Espino de Marotta hatte 1985 als Zeitarbeitskraft beim Panamakanal angefangen und arbeitete seitdem bei der Kanalbehörde in verschiedenen Funktionen. Seit Januar 2020 war sie als stellvertretende Geschäftsführerin tätig. Im Januar 2024 wurde sie zudem zur ersten Nachhaltigkeitsbeauftragten des Kanals ernannt mit Schwerpunkten Dekarbonisierung und Anpassung an den Klimawandel.
Der Panamakanal ist eine rund 80 Kilometer lange Wasserstraße, die Panama durchschneidet und den Atlantik – über das Nebenmeer Karibik – mit dem Pazifik verbindet. Schiffen bleibt damit die Fahrt um die Südspitze Südamerikas erspart.
Der Kanal war Anfang des 20. Jahrhunderts von den USA erbaut worden, die Hoheit über die Kanalzone ging jedoch Ende 1999 vollständig an Panama. Im vorigen Jahr hatte USA-Präsident Trump damit gedroht, die Kontrolle über den Kanal zurückzuerlangen, da die USA angeblich »unfair behandelt« würden und »der chinesische Einfluß auf den Kanal zu groß« sei.
Warnung vor leeren Gasspeichern
Berlin – Deutschlands Gasspeicher könnten Anfang Februar vollständig leer sein, sollte der Winter sehr kalt werden. Das geht aus einem Papier des Gasspeicher-Verbandes Ines hervor, das mehrere Szenarien durchrechnet und in Berlin veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt der Schätzung ist, daß der Füllstand am 1. November bei 77 Prozent liegen wird.
Sollte der Winter warm oder normal kalt werden, so reicht das gespeicherte Gas laut den Modellrechnungen aus. Im Falle eines sehr kalten Winters – also so kalt wie 2010 – würden die Speicherbestände aber nicht reichen, warnt die Initiative Energien Speichern (Ines).
Die Gasspeicher sind nur ein Standbein für die Energieversorgung der Industrie und Haushalte. Über neue Flüssigerdgas-Terminals (LNG) an Deutschlands Küsten, die als Folge des EU-Embargos gegen russisches Erdgas installiert wurden, können Extra-Kapazitäten vom Weltmarkt beschafft werden. Außerdem bekommt Deutschland Gas über Pipelines, darunter aus Norwegen. Sollte absehbar sein, daß die Gasspeicher bedenklich leer werden, dürften Extra-Kapazitäten vom Weltmarkt gekauft werden. Das wäre eine teure Sache.
Derzeit sind die Gasspeicher nur mäßig gefüllt: Am 6. September lag der Wert bei rund 54 Prozent und damit etwa 19 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor. Zum 1. November könnten die Speicher nur noch zu maximal 77 Prozent gefüllt werden.
Boxlegende Pacquiao soll Armut bekämpfen
Manila – Jahrzehntelang kämpfte Manny Pacquiao im Ring gegen seine Gegner – nun nimmt sich die philippinische Boxlegende einen anderen Gegner vor: die Armut. Der 47-Jährige legte jetzt in Manila seinen Amtseid als neuer Chef der Nationalen Kommission zur Armutsbekämpfung (NAPC) ab. Präsident Ferdinand Marcos Jr. ernannte Pacquiao zum leitenden Koordinator der Behörde. Das Amt hat Kabinettsrang.
Pacquiao kehrt damit nach mehreren Jahren in ein Regierungsamt zurück. Sechs Jahre lang saß er im Senat. 2022 trat er erfolglos gegen Marcos um das Präsidentenamt an.
Was es heißt, kaum etwas zu haben, kennt die Boxlegende aus eigener Erfahrung. »Ich komme aus der Armut. Ich habe erlebt, wie es ist, auf der Straße auf Pappe zu schlafen, nur Wasser zu trinken, nichts zu essen zu haben und Kleingeld zu sparen, um meiner Familie zu helfen«, schrieb er in einer Mitteilung.
Pacquiao verließ mit 14 Jahren die Schule und ging nach Manila, wo er zeitweise auf der Straße lebte. Dort begann er mit dem Boxen. Später wurde er zum einzigen Boxer der Geschichte, der Weltmeistertitel in acht Gewichtsklassen gewann – und zu einem der bekanntesten Sportler seiner Heimat.
Als NAPC-Chef soll Pacquiao unter anderem dafür sorgen, daß benachteiligte Bevölkerungsgruppen stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden. Die Regierung von Marcos hat versprochen, die Armutsquote bis 2028 auf acht bis neun Prozent zu senken. Nach offiziellen Angaben lag sie 2025 bei 9,7 Prozent – das entspricht mehr als 11 Millionen Menschen. 2023 waren es noch 17,5 Millionen Menschen.
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